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Russland: Homophobes Klima in Moskau

Homophobes Klima Moskau
Homophobes Klima Moskau(c) imago stock&people (imago stock&people)
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Schwulenfeindliche Attacke gegen niederländischen Diplomaten wirft ein Schlaglicht auf Diskriminierung Homosexueller. Beziehung mit Den Haag auf dem Tiefpunkt.

Moskau. Die Täter tarnten sich als Elektriker. Sie lauerten dem niederländischen Diplomaten im Gang seines Moskauer Wohnhauses auf, stießen ihn in seine Wohnung, als er sie den vermeintlichen Handwerkern öffnete, und fesselten ihn mit Klebeband. Daraufhin schmierten sie mit rosa Lippenstift ein Herz auf seinen Wandspiegel, darauf kritzelten sie das Kürzel „LGBT“.

Im Englischen bezeichnet die Abkürzung die Gruppierung der Lesben, Schwulen, Bisexuellen und Transgender-Personen. Onno Elderenbosch, der stellvertretende niederländische Botschafter (60), wurde zwar nur leicht verletzt, doch die Beziehungen zwischen Moskau und Den Haag sind nach einer Reihe von Zwischenfällen auf einem neuen Tiefpunkt angelangt. Noch am Mittwoch zitierte der niederländische Außenminister, Frans Timmermans, den russischen Botschafter in Den Haag ins Ministerium.

 

Proteste im Ausland

Der Vorfall wirft erneut ein Schlaglicht auf das homophobe Klima in Russland. Im Frühjahr hatte die Duma – das Parlament – Werbung für „nicht traditionelle sexuelle Beziehungen in Anwesenheit Minderjähriger“ unter Strafe gestellt. Seit der Gesetzesverschärfung schaukeln sich die Proteste gegen die Diskriminierung der Homosexuellen durch die Regierung Putin im Ausland hoch: Vor den russischen Botschaften im Westen machten Homosexuellen-Organisationen mobil. Währenddessen nehmen in Moskau und anderen russischen Städten die Übergriffe auf Lesben und Schwule zu.

Bei der Leichtathletik-WM in Moskau im August trat der Konflikt auf offener Bühne zutage. Stabhochsprung-Weltmeisterin Jelena Issinbajewa, ein Liebling Putins, warf sich als Verfechterin der traditionellen Ehe in die Bresche. „Bei uns leben Männer mit Frauen, Frauen mit Männern“, sagte sie unumwunden. Im Übrigen warte sie auf einen Heiratsantrag ihres Freundes.

Die beiden Schwedinnen Emma Green Tregaro und Moa Hjelmer, eine Hochspringerin und eine Sprinterin, unterstrichen dagegen ihre Solidarität mit Russlands Homosexuellen, indem sie ihre Fingernägel in Regenbogenfarben bemalten. Sogleich wurden Forderungen nach einem Boykott der Olympischen Winterspiele in Sotschi im Februar laut, US-Skistar Bode Miller kritisierte das russische Gesetz.

Auch Präsident Barack Obama ließ aufhorchen: „Eines der Dinge, auf die ich mich wirklich freue, ist, dass vielleicht schwule oder lesbische Athleten Gold, Silber oder Bronze nach Hause bringen.“ Am Rande des G20-Gipfels in St.Petersburg traf er demonstrativ mit russischen Homosexuellenverbänden zusammen – sehr zum Ärger Putins.

Als der russische Präsident im April Amsterdam besucht hatte, bereiteten ihm niederländische Homosexuellen-Aktivisten einen unfreundlichen Empfang. Mehrere Mitglieder der Umweltschutzorganisation Greenpeace, die vor einem Monat auf einem unter niederländischer Flagge fahrenden Schiff in der Arktis festgenommen wurden, sitzen in russischer Haft. In Den Haag sorgte kürzlich ein betrunkener russischer Diplomat für einen Eklat. Für November ist bisher ein Besuch des niederländischen Königspaars in Russland geplant. (ag./vier)

("Die Presse", Print-Ausgabe, 17.10.2013)