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Handel: Baumax an Banken verpfändet

THEMENBILD ZU BAUMAX-JAHRESBERICHT 2006
APA
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Die hoch defizitäre Heimwerkerkette kämpft um die Erfüllung des mit den Banken bis 2015 vereinbarten Sanierungsplans. Ein schwieriges Unterfangen, angesichts der maroden Osttöchter und der flauen Konjunktur.

Wien. Von einem „Horrorjahr", einem „Annus horribilis" hat Martin Essl kürzlich gesprochen, als er das von tiefroten Zahlen geprägte Vorjahr charakterisierte. Was der Chef der Heimwerkerkette Baumax nicht sagte: Das Unternehmen hat nur mehr einen dünnen Kapitalpolster, weil es unter anderem die für die katastrophale Lage hauptverantwortlichen Tochtergesellschaften in Osteuropa mit Geldspritzen durchfüttern muss. Auch heuer zeichnet sich bisher keine nachhaltige Besserung ab, obwohl das Unternehmen „jede Schraube dreimal umdreht" und Essl kräftig den Rotstift ansetzt.

Das komplett im Familienbesitz stehende Unternehmen mit knapp 9000 Mitarbeitern verfehlte zu Jahresmitte den mit dem Berater Roland Berger Ende 2012 aufgesetzten Restrukturierungsplan. Das Konzept, dessen Umsetzung Raiffeisen, Bank Austria und Erste Bank als Bedingung für die Stundung der Kreditzinsen bis 2015 und eine Geldspritze von knapp 80 Mio. Euro gestellt haben, musste daher bereits nachjustiert werden.
Was bisher auch nicht bekannt war: Das gesamte Unternehmen, das die Familie Essl über zwei Stiftungen und die Baumax-Anteilsverwaltung hält, die Marke und die Rechte auf den Webnamen sowie das gesamte Immobilienvermögen der Gruppe im In- und Ausland wurde an die Kreditinstitute verpfändet. Das geht aus dem der „Presse" vorliegenden Geschäftsbericht der Baumax AG für das Jahr 2012 hervor.

91 Mio. Einsparungspotenzial

Das sei die übliche Vorgangsweise in einer solchen Situation, heißt es hinter vorgehaltener Hand - offiziell will niemand bei den Kreditinstituten etwas zu Baumax sagen. Dass eine so harte Restrukturierung nicht rasch gehe, sei klar, heißt es. Bis 2015 habe das Unternehmen mithilfe des Zinsmoratoriums und der Stundungen von Leasinggesellschaften sowie des Sparkurses, der 91 Mio. Euro bringen soll, Luft. Tenor der Banken: Baumax habe eine realistische Chance.
Im Unternehmen hofft man naturgemäß, die Krise bald zu meistern. Martin Essl war wegen einer Auslandsreise nicht erreichbar. Dafür bezog Sprecherin Monika Voglgruber Stellung. „Wir sind überzeugt davon, den Restrukturierungsplan zu schaffen", sagte sie am Donnerstag zur „Presse". Insolvenzgefahr bestehe nicht - der Fortbestand sei durch die Sanierung und die Vereinbarung mit den Banken abgesichert. „Die Liquidität schwankt im Laufe des Jahres saisonbedingt, sie liegt jedoch voll im Plan." Die Familie Essl hat bisher 52 Mio. Euro eingeschossen. Ob sie heuer wieder in die Tasche greifen muss, beantwortete Voglgruber nicht.
Baumax steht mit seinen Problemen nicht allein da: Branchenkenner verweisen auf die großen Probleme der gesamten Heimwerkerbranche von Obi bis Hornbach und die Pleite des deutschen Baumarktriesen Praktiker. Bei allen schlage die starke Expansion und das Ostgeschäft negativ zu Buche. Die in den Krisenjahren 2009 bis 2012 neu oder wieder eröffneten Standorte brachten lediglich ein Umsatzwachstum von einem Prozent. Außerdem wurden im Rahmen der starken Expansion auch Filialen in teilweise unvorteilhaften Lagen eröffnet, lautet die Analyse im Jahresabschluss.

Floppt Sanierung, fällt Baumax

Ein Blick in den vor Kurzem im Firmenbuch eingereichten Geschäftsbericht der Baumax AG zum Jahr 2012 zeigt, welche Sisyphusarbeit auf Essl und den neuen Finanzvorstand Marcus Pechlaner zukommt. Wobei die AG das Österreich-Geschäft umfasst, das für etwas weniger als die Hälfte des Konzernumsatzes steht. Aber in der AG sind alle Beteiligungen und die Abschreibungen enthalten - viele Töchter machen Verlust und weisen ein negatives Eigenkapital aus, etwa die Baumax Romania.

► Wirtschaftsprüfer Ernst & Young merkt an: „Der Fortbestand des Unternehmens ist gefährdet, wenn die erfolgreiche Sanierung des Baumax-Konzerns nicht gelingt." Und weiter: „Sollten sich die Erwartungen des Vorstands im Zusammenhang mit der Restrukturierung nicht oder nur sehr unvollständig realisieren lassen, so kann nicht ausgeschlossen werden, dass die vorhandene Liquidität nicht zu jedem Zeitpunkt ausreicht, um allen Zahlungsverpflichtungen nachzukommen,. In diesem Fall kann die positive Fortführungsprognose möglicherweise nicht mehr aufrechterhalten werden."
► Laut dem revidierten Restrukturierungsplan muss die Gruppe heuer ein Ergebnis vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen (Ebitda) von 27,6 Mio. Euro erreichen. 2014 sollen es 69,2 und 2015 sogar 84,4 Mio. Euro sein. Dazu bedarf es eines Umsatzwachstums von sieben Prozent bis 2015. „Die Planwerte können nur erreicht werden, wenn die Restrukturierungsmaßnahmen konsequent und zeitgerecht umgesetzt werden und keine weitere Verschlechterung der Marktposition eintritt", meint Ernst & Young.
► Das Eigenkapital in der AG hat sich aufgrund der Darlehen an ausländische Töchter in Höhe von 30,4 Mio. Euro im Laufe des heurigen Jahres auf nur 300.000 Euro reduziert.
► „Ohne den Bestätigungsvermerk einzuschränken, weisen wir darauf hin, dass die nach § 23 Unternehmensreorganisationsgesetz erforderliche Eigenmittelquote Ende 2012 nicht gegeben war. Das Grundkapital ist zu mehr als der Hälfte aufgebraucht", schreibt Ernst & Young.
► Auch wenn der Restrukturierungsplan, der eine Vertriebsoffensive, die Schließung von Standorten (Bratislava, Prag, Ljubljana, Wolfsberg), Personalabbau, Lageroptimierung und Zentralisierung der Logistik umfasst, greift, erwartet der Wirtschaftsprüfer auch für 2015 ein leicht negatives Ergebnis der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit. Und das Eigenkapital dürfte weiter sinken - auf 30 Mio. Euro.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 18.10.2013)