Auf den Spuren Prinz Eugens: "Das hatte Pioniercharakter"

(c) Clemens Fabry
  • Drucken

Heute eröffnet das Belvedere das Winterpalais von Prinz Eugen. Georg Lechner hat als Kurator zuvor dessen Lebenswelt erkundet.

Die Glastür zum Innenhof ist gerade erst gekommen, Bauarbeiter knien auf dem Boden und verfugen die letzten Steine, währenddessen wird noch schnell staubgesaugt, ein Mitarbeiter zieht Paletten mit Katalogen ins Haus. Und man versteht langsam, was die Mitarbeiter der Galerie Belvedere gemeint haben, als sie sagten, es sei vor der Pressekonferenz noch viel zu tun.

Lang hatte sich zuvor die Vertragsunterzeichnung hingezogen. Erst vor knapp vier Wochen wurde das restaurierte Winterpalais von Prinz Eugen von Savoyen in der Himmelpfortgasse dem Museum als vierter Ausstellungsort tatsächlich übergeben. Und der heutige Eröffnungstermin, der 18. Oktober, war immer fix: Den 350. Geburtstag eines wichtigen Prinzen verschiebt man nicht so leicht.

Viel Arbeit hatte auch Georg Lechner, Barock-Kurator des Belvedere und mit 31 ziemlich genau so alt wie Prinz Eugen, als der sich das Palais bauen ließ. Das Spannende an seiner Aufgabe, erzählt er beim Gespräch auf den Stufen der Prunktreppe (Stühle fehlen noch weitgehend), sei „das Dreifache“ gewesen: „Ein Haus zu eröffnen, das ein Haus des Prinz Eugen war. Das wiederum mit einer Ausstellung zu versehen, und parallel dazu auch im Oberen Belvedere noch eine kleine Ausstellung zu veranstalten, um die einzelnen Paläste Eugens wieder zueinanderzubringen.“ Auch wenn es das Palais schon seit Jahrhunderten gebe, „das hat Pioniercharakter“.

Kokoschka als Auslöser

In den vergangenen Monaten hat sich Lechner daher auch nicht nur mit dem Feldherrn, Bauherrn, Kunstsammler, Naturliebhaber und Tierfreund Eugen auseinandergesetzt, sondern auch mit dessen Zeitgenossen und seiner Familie. „Und man hat auch mit Künstlern zu tun, die in ihrer Zeit sehr geachtet waren, aber heute keinen besonders guten Ruf genießen.“ Von einer Wiederentdeckung will er nicht sprechen. „Aber von einer Nachschau: Was gab es noch?“

Wie er selbst zur Kunst kam? Das habe sich, sagt Lechner, „mit zwölf, dreizehn ereignet“, damals sei er in einer Ausstellung zum frühen Kokoschka in der Albertina gewesen. „Und auch mein Interesse an Geschichte war immer groß. Das hat mein Großvater geweckt, der sich mit Antritt der Pension der Ahnenforschung gewidmet hat. Er hat mich früh aufgefordert, Kurrentschrift zu lernen. Ohne das geht's nicht.“ Man müsse schließlich „ad fontes“, zu den Quellen, zurückkehren, „sonst schreibt man wieder nur ab“.

Im Winterpalais will er nun die Lebenswelt Prinz Eugens erfahrbar machen – auch wenn die erhaltenen Gemächer nur seine Repräsentationsräume waren (inklusive eines Paradeschlafzimmers für joviale Empfänge, in dem später dann der Finanzminister Journalisten traf). „Wir wissen“, berichtet Lechner, „dass Eugen große Feierlichkeiten nicht geschätzt hat. Aber er hatte gerne Gäste zum Abendessen.“ Nichtsdestotrotz habe er dem Zeremoniell folgen müssen – das etwa vorsah, dass er, als Präsident des Hofkriegsrates, sämtliche ausländischen Diplomaten zu einem Antrittsbesuch empfing. Das tat er später sommers auch im Oberen Belvedere, aber: „Man kann sagen, hier war sein Hauptwohnsitz.“ Im Belvedere hielt sich Eugen indes die exotischen Tiere, deren Bilder die zweite Ausstellung bestreiten. Für die ließ er gern seine Beziehungen spielen, und auch dem „Wiener Diarium“ waren Neuankünfte Schlagzeilen wert.

Gleich zweimal ziert sein geliebter Löwe die wiederentdeckte Decke jener Sala terrena, in der jahrzehntelang nur Akten gelagert wurden. Dort empfing gestern Vormittag Belvedere-Direktorin Agnes Husslein zur gut besuchten Präsentation – schon im Vorfeld hatte die Eröffnung ja durchaus für Aufmerksamkeit gesorgt.

Sehenswürdigkeit schlechthin beim anschließenden Rundgang war dann das berühmte Fahrrad: Jenes Vehikel, das durch eines der großformatigen Schlachtenbilder kurvt, auf denen sich der Prinz seine militärischen Erfolge von Ignace-Jacques Parrocel festhalten ließ. Fahrräder waren zu dieser Zeit ja noch nicht erfunden, den Scherz erlaubte sich ein Restaurator. Kleiner Tipp: Der Radler kurvt etwas oberhalb der Schlacht um Turin ziemlich unbeteiligt auf einem Feldweg dahin. Bis Sonntag gilt in der Himmelpfortgasse übrigens „Open House“.

Zur Ausstellung siehe auch Seite 28

AUF EINEN BLICK

Prinz Eugen von Savoyen war mittellos aus Frankreich 1683 an den Hof der Habsburger gekommen. 1694, elf Jahre nach Eintritt in den kaiserlichen Dienst, kaufte er ein erstes Gebäude in der Himmelpfortgasse. 1696 begann Johann Bernhard Fischer von Erlach mit dem Bau des Palais. Später kam das Belvedere als Sommerresidenz dazu. Ab heute, dem 350. Geburtstag von Prinz Eugen, gehört das Winterpalais zum Museum. Kuratiert wurde die Ausstellung von Georg Lechner. Am Donnerstagabend lud Direktorin Agnes Husslein zur Eröffnung, bis Sonntag gilt „Open House“.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 18.10.2013)

Lesen Sie mehr zu diesen Themen:

Mehr erfahren

Kunst

Im Zeichen Prinz Eugens: Winterpalais eröffnet

Das Belvedere lässt erst einmal den Ort an sich wirken, mit Objekten und Bildern wurde gespart.

Dieser Browser wird nicht mehr unterstützt
Bitte wechseln Sie zu einem unterstützten Browser wie Chrome, Firefox, Safari oder Edge.