Im Zeichen Prinz Eugens: Winterpalais eröffnet

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Das Belvedere lässt erst einmal den Ort an sich wirken, mit Objekten und Bildern wurde gespart.

Es ist ernüchternd für den von all dem goldenen Prunk noch trunkenen Blick – doch da steht man nun, auf dem Gang am Ende der Zimmerfluchten des neuen Winterpalais-Museums. Und schaut Finanzbeamten über die Schultern, die wenige Meter entfernt, über den Hof, bürokratisieren. Ambivalente Wiener Welt. Nach jahrhundertelangem opulenten Residieren im ehemaligen Winterpalais des Prinz Eugen wurde das Finanzministerium sozusagen aus dem Goldkabinett, das hier existiert, vertrieben. Schon Maria Theresia hatte das Palais für die Bergbaubehörde angekauft, in deren Zuständigkeit die Finanzen fielen. In der Beletage ratterten damals die Goldprägemaschinen, woran noch Details erinnern: ein Deckenfresko auf dem Weg zum WC; eine Skulpturengruppe am oberen Ende der Prunkstiege, in der Geldsack und Hammer geschwungen werden.

Wo einst Eugens Siege, da jetzt ein Shop

Über diese Stiege Fischer von Erlachs entert man das Museum, dessen Räume Finanzministerin Fekter an die Hüterin des Sommerpalasts Prinz Eugens, Belvedere-Direktorin Agnes Husslein, überantwortet hat („Die Presse“ berichtete). Ab heute ist es geöffnet, roter Teppich, rote Fahnen markieren den Standort. Zur Eröffnung lässt man vor allem den restaurierten Ort an sich wirken, die vorderen, repräsentativen Räume sind weitgehend erhalten, die privaten wichen bereits Maria-Theresia'schen Bürostrukturen.

Im ebenfalls damals schon geteilten Eingangssaal, in dem der Prinz seine Taten mit denen des Herkules verglich, ist jetzt der Shop. Danach folgen einige historische Ansichten des Winterpalais aus der Belvedere-Sammlung, darunter der Einblick Carl Molls, Alma Mahlers Stiefvaters. Barock-Kurator Georg Lechner hat sich für nur einige wenige Gemälde und Vitrinen entschieden, zaghaft angedeutete Period-Rooms. Ein paar Porträts Eugens, eines des früh verstorbenen Vaters, eines der intriganten Mutter, die mit ihrem Rang unter den Mätressen Ludwigs XIV. derart beschäftigt war, dass sie sich um ihre Kinder nicht kümmerte. Gerade ihr kümmerlicher Sohn wurde „Selfmademan“ am Habsburgerhof. In einer Vitrine sein Ornat des Ordens vom Goldenen Vlies. Und überhaupt – viel Gold, viel Damasttapete überall.

Es wird interessant, wie sich zeitgenössische Künstler, die nach dieser Erstpräsentation zu Eugens 350.Geburtstag hier intervenieren sollen, damit tun. Auch Privatsammlungen sollen gezeigt werden – anschließend an Eugens Sammelleidenschaft. Diese umfasste neben Büchern und Bildern vor allem Schlösser, aber auch Tiere. Eine zweite, kleine Ausstellung im Oberen Belvedere widmet sich ebenfalls ab heute dieser Menagerie.

Geerbt hat alles seine Nichte Anna Viktoria, die als wenig schmeichelhafte Wachsbüste vertreten ist, verliehen vom Castello Ducale di Aglié. Schräg ist auch das Prunkbett Prinz Eugens aus dem Stift St. Florian, das schon für den dortigen Rahmen fast grotesk volkstümlich wirkt mit den geschnitzten Türken-Kriegern. Hier wird zumindest der populäre „Edle Ritter“ greifbar. Seine erste Wiener Wohnung ist ab jetzt öffentlich zugänglich.

Bis 27.4., tägl. 10–18h, Himmelpfortgasse 6-8

("Die Presse", Print-Ausgabe, 18.10.2013)

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