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ORF-Publikumsrat fordert Ablehnung von Sendeschema

Das Fernsehbudget fällt um 33,5 Millionen Euro niedriger als ursprünglich geplant. Gespart wird bei ORF Sport + und Eigenproduktionen am Mittwoch.

Am Mittwoch präsentierte ORF-Fernsehdirektorin Kathrin Zechner das Jahressendeschema 2014 vor dem ORF-Publikumsrat. Wegen des Wegfalls der Gebührenrefundierung fällt das Fernsehbudget mit 272 Millionen Euro um 33,5 Millionen Euro niedriger aus als geplant. Konkret bedeute dies die bereits bekannten Einsparungen beim Spartenkanal ORF Sport +, den Wegfall des Herbstevents sowie die Einstellung der Eigenproduktionen am Mittwochabend jeweils in ORF eins. Der Publikumsrat hat einem Antrag auf Ablehnung des Schemas mehrheitlich zugestimmt. Einstimmig wurde ein Antrag bezüglich des Kinderprogramms angenommen, der von Einsparungen in diesen Bereich abrät. Das Sendeschema ablehnen kann es nur der Stiftungsrat als oberstes ORF-Gremium.

Zechner kündigte auch Kürzungen bei den Eigenproduktionen im Kinderprogramm an. Die Kinder-Mittagsleiste wird gestrichen, wobei dies aus planerischen Gesichtspunkten passiere, so die Fernsehdirektorin. Dort laufen derzeit Wiederholungen. Stattdessen wolle man den Fokus auf jene Zeiten richten, "wo wir Kinder und Eltern erreichen", erklärte Zechner.

Für Dezember kündigte die TV-Direktorin eine eigene Kinder-App an. Zusätzlich verhandelt der ORF, der mit einem eigenen Kinderkanal liebäugelt, mit KiKa über eine mögliche Kooperation.

Keine Fortsetzung der "Wahlfahrt"

Der Mittwochabend in ORF eins soll künftig wieder mit Kaufserien bespielt. Ausgesetzt sind vorerst Fortsetzungen von Formaten wie "Wahlfahrt" oder Serien und Filmreihen wie "Schnell ermittelt", "Polt" oder "Rex". Fraglich ist, ob die jüngst eingeführte Landkrimi-Reihe (bisher: "Steirerblut", "Die Frau mit dem Schuh" - und jetzt "Alles Fleisch ist Gras") fortgeführt wird. "Wir werden uns anstrengen müssen, um den einen oder anderen Landkrimi alle zwei Jahre zu schaffen", so Zechner.

Eine eigenproduzierte Sitcom bzw. Serie für Sendeplätze am Mittwoch und Freitag könnten derzeit ebenfalls nicht in Angriff genommen werden. Sie warnte einmal mehr vor der drohenden Abwärtsspirale aus weniger Programm und daraus resultierenden niedrigeren Quoten und geringeren Werbeeinnahmen.

Zechner: "Zaubern können auch wir nicht"

In den Zeiten der Refundierung habe man weit mehr Aufgaben erfüllt, als damit ursprünglich vorgesehen waren, so Zechner. Das würde der ORF auch gerne weiterhin tun, doch es sei "logischerweise nicht mehr in dem Maß" möglich. "Zaubern können auch wir nicht. Aber wir stellen uns dem professionell, mit knappsten Ressourcen. Wir haben keine Fettschichten mehr", betonte Zechner. Es gehe darum, dem Publikum "ein breitest möglichstes, unterscheidbarstes, vielfältigstes und hochwertigstes Programm" anzubieten.

Der Publikumsrat sah auf Basis dieser Ausführungen mehrheitlich die Notwendigkeit, der Politik klar zu machen, eine Gebührenrefundierung im Sinne des Programmangebots fortzuführen.

Der ÖVP-nahe Publikumsrat Andreas Kratschmar betonte aber gleichfalls, dass "mehr Geld nicht automatisch eine höhere Quote" bedeute. Er wünscht sich vielmehr eine "radikale Contentstrategie" zur Zukunftssicherung und forderte die ORF-Geschäftsführung auf, "nicht am Programm, sondern für das Programm zu sparen. Dafür sind alle bestehenden Einsparungspotenziale zu lukrieren."

"ORF gezwungen, sich von Publikum zu entfernen"

Die Empfehlung einer Ablehnung des Sendeschemas ging wiederum auf einen Antrag des SPÖ-nahen Publikumsrat Willi Mernyi zurück. Die ablehnende Haltung richte sich nicht gegen den ORF, sondern an die Politik, so der Rat. "Der ORF wird hier gezwungen, sich von den Wünschen und Bedürfnissen des Publikums zu entfernen."

Auch der Vorsitzende des Publikumsrats, Hans Preinfalk, verwies auf die "hervorragende Arbeit" der Programmmacher unter diesen Rahmenbedingungen. "Es ist keine Frage, dass die Geschäftsführung und der Stiftungsrat aber dem entsprechen müssen, was an finanziellen Gegebenheiten da ist", gab er zu bedenken.

(APA)