Athen will keinen Schuldenschnitt

People wait for their turn outside an OAED office in an Athens suburb
People wait for their turn outside an OAED office in an Athens suburbREUTERS
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Griechenland sucht selbst nach Auswegen aus seiner Finanzierungslücke. Ein Haircut würde die Rückkehr auf die Finanzmärkte wohl weiter verzögern.

Wien/Athen. 10,5 Milliarden Euro: So hoch ist die Finanzierungslücke im griechischen Hilfsprogramm. Und obwohl es viele wohlklingende Ideen gibt – keiner weiß bisher, wie sie gestopft werden soll. Während die deutsche Bundesregierung ein drittes Rettungspaket gern verhindern würde, müssen die Entscheidungsträger in Athen der ökonomischen Realität ihres Landes ins Auge blicken: „Es ist nicht unwahrscheinlich, dass Griechenland am Ende weitere Hilfen seiner Partner beantragen wird“, sagt Panos Tsakoglou, Berater von Finanzminister Ioannis Stournaras, zur „Presse“. Vielleicht schon 2014, sicher aber 2015, meint der Vorsitzende des Sachverständigenrates, ohne konkrete Zahlen zu nennen.

Bisher hat Griechenland von den internationalen Geldgebern 240 Milliarden Euro zugesprochen bekommen, das zweite Programm läuft Ende des nächsten Jahres aus. Das größte Problem derzeit: die ursprünglich geplante Laufzeitverlängerung (Roll-over) von griechischen Anleihen im Besitz der Europäischen Zentralbank. EZB-Direktor Jörg Asmussen hat Anfang der Woche deutlich gemacht, dass die EZB und die nationalen Notenbanken der Eurozone die Griechen-Bonds nicht verlängern werden, weil dies gegen das Verbot der Staatsfinanzierung verstoßen würde. „Wenn die EZB die Laufzeitverlängerung nicht genehmigt, wird Griechenland im zweiten Halbjahr 2014 neues Geld brauchen, um die Schulden zu bedienen“, warnt Angelos Tsakanikas, Leiter des Forschungsinstituts für Wirtschafts- und Industrieforschung.

Umschichtung von Geldern

Als möglicher Ausweg kristallisierte sich in den vergangenen Tagen die Verwendung ungenutzter Mittel zur Bankenrekapitalisierung durch den griechischen Staat heraus. Noch ist aber unklar, wie viele Mittel damit genutzt werden könnten. Auch die Umsetzung des Privatisierungsprogramms sei ein wesentlicher Faktor für den Umfang des griechischen Finanzbedarfs, so Tsakanikas zur „Presse“.

Bleibt als Lösung also doch nur der Schuldenschnitt – diesmal auf Kosten der öffentlichen Gläubiger? Mit den Geldgebern bereits vereinbarte Maßnahmen wie eine geringere Zinsbelastung oder eine Verlängerung der Kreditlaufzeiten würden zwar die benötigten Hilfsmittel reduzieren, aber nicht zu einer signifikanten Verringerung des Schuldenstands beitragen, erklärt der Ökonom.

„Alle Varianten liegen auf dem Tisch“, betont er. Einen Schuldenschnitt hält Tsakanikas aber nicht für zielführend. „Würde ein Haircut wirklich etwas daran ändern, wie die Märkte die Risken griechischer Anleihen bewerten?“, fragt er selbst erklärend.

Trotz aller Schwierigkeiten wollen beide Wirtschaftsexperten von einem Austritt aus der Eurozone nichts wissen. „Die Kosten, auf eine andere Währung umzustellen, wären kurz- und langfristig hoch“, meint Tsakanikas. „Obwohl mancher Nostalgiker sich die Drachme zurückwünscht, zeigen die Fakten, dass sich das Leben für die Griechen seit dem Beitritt zur Eurozone verbessert hat – auch wenn wir in den letzten vier Jahren viele Einschnitte zu verkraften hatten.“

("Die Presse", Print-Ausgabe, 19.10.2013)

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