Wie Chinas Rennen um Ressourcen Afrika nützt

FürUS-ÖkonominDambisa Moyo führt Chinas geschäftliches Engagement in Afrika zu mehr Autonomie und Demokratie.

Sie ist streitbar und bekannt für ihre kategorischen Ansichten. Dambisa Moyo, Ökonomin mit Oxford- und Harvard-Abschluss, Autorin von drei „New York Times“-Bestsellern und vom „Time Magazine“ in die Liste der 100 einflussreichsten Menschen der Welt gewählt, liefert auch mit ihrer neuesten Streitschrift „Winner Take All“ provokante Thesen. Untertitel des Buchs: „Chinas Rennen um Ressourcen und was es für die Welt bedeutet.“

Für die 44-jährige gebürtige Sambierin, die eben in Wien mit dem „Hayek Lifetime Achievement Award“ ausgezeichnet wurde, hat China als einzige Weltmacht rechtzeitig Strategien entwickelt, um sich auf die bevorstehende weltweite Ressourcenknappheit vorzubereiten.

Was das mit Afrika zu tun hat? Eine Menge. Afrika ist der Kontinent, auf den sich Chinas Bemühungen um Ressourcenhoheit fokussieren. Und das, so Moyo, gänzlich zum Wohle Afrikas. China sei, so heißt es in „Winner Take All“, ganz im Gegensatz zu den USA eine positive Präsenz in Afrika. „China ist sehr darauf fokussiert, sich geschäftlich in Afrika einzubringen und Jobs zu kreieren“, sagt Moyo im Gespräch mit der „Presse am Sonntag“.

Neues Selbstbewusstsein. Chinas Engagement habe zu einem Gesinnungswandel der politischen Eliten Afrikas beigetragen: „Der politische Diskurs hat sich verändert. Politiker zeigen sich jetzt zum Beispiel besorgt über die Folgen des ,Quantitative Easing‘ (den Versuch der USA, durch lockere Geldpolitik die Wirtschaft wieder anzukurbeln, Anm.). Das hätte vor zehn Jahren noch niemand getan“, ist Moyo überzeugt. Das geschäftliche Engagement Chinas habe zu einem Emanzipationsprozess geführt, den die Hilfszahlungen aus den USA und aus Europa davor unterbunden hätten.

Moyos Kritik, dass die Hilfszahlungen westlicher Regierungen afrikanischen Ländern mehr schaden als nutzen, ist nicht neu. Sie hat diese bereits 2009 in ihrem Buch „Dead Aid“ formuliert. Im Wesentlichen würden die Zahlungen verantwortungslose, korrupte politische Figuren anziehen, argumentierte sie.

Die Wirtschaftskrise habe Afrika daher genutzt, so Moyo jetzt, vier Jahre später, da sowohl die USA als auch die EU ihre Hilfszahlungen aus Spargründen überdenken mussten.

Umstrittener Wohltäter.
Natürlich sei das Engagement Chinas in Afrika nicht kostenlos. „Aber China drückt Afrika den Stempel auf, auf den der Kontinent lange gewartet hat“, sagt Moyo mit Nachdruck. Die Kritik, dass China in Afrika einen neuen Kolonialismus betreibe, lässt sie nicht gelten: „Die USA nehmen mit vollen Händen Chinas Geld, genauso die Europäer, aber sobald es um Afrika geht, sind alle besorgt und es heißt, Afrika verkaufe sich. Meiner Meinung nach stellt man damit vor allem die Führungsstärke afrikanischer Politiker infrage.“ Dass diese Sorge zum Teil berechtigt ist, räumt Moyo ein, ebenso, dass die Bedingungen, unter denen China in Afrika Geschäfte abschließt, nicht ideal sind. (Wie China ein korruptes System etwa in Kambodscha oder Angola für den eigenen Vorteil genützt hat, ist etwa in Steven W. Moshers Buch „Hegemon. China's Plan to Dominate Asia and the World“, zu lesen.)

Lernprozess. Aber, so die Überzeugung Moyos, die Bevölkerung müsse lernen, ihre eigenen Politiker für die Bedingungen in ihrem Land verantwortlich zu machen, und nicht Kräfte von außen. Nur so würden diese entsprechend handeln.

Das sei nur mit einem Partner möglich, der Geschäfte auf Augenhöhe abschließe, anstatt mit der Gießkanne Geld zu verteilen. Der streitbaren Ökonomin zufolge ist dies zwar ein harter, aber der einzige Weg Afrikas zu Demokratie und Wohlstand.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 20.10.2013)