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Let's make money

Lets make money
Lets make money(c) REUTERS (MIKE BLAKE)
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Wie man sich satte Gewinne »ergoogelt« und mit Bankaktien nach Griechenland überwiesene Hilfszahlungen zurückholt.

Der von einigen an die Wand gemalte US-Crash im Gefolge des politischen Patts um die Schuldenobergrenze ist also doch noch per Kompromiss abgewendet worden. Zumindest jedoch verschoben, denn Anfang des kommenden Jahres könnte das politische Theater in Washington erneut losgehen.

Bis dahin haben die Aktienmärkte nun aber wieder Luft für neue Höhenflüge. Zumal ja der international doch beträchtliche Vertrauensverlust in die US-Wirtschaft, den der Budgetstreit verursacht hat, nun definitiv verhindert, dass die Notenbank Fed den Geldhahn, den sie so weit geöffnet hat, kurzfristig wieder ein wenig zudreht. Ursprünglich hätte „QE3“, also der monatliche Ankauf von Staatsanleihen im Umfang von 85 Mrd. Dollar, schon Ende Oktober ein wenig eingebremst werden sollen. Jetzt wird sich die Fed wohl erst im kommenden Jahr trauen, die Geldschwemme zu drosseln.

Ob das – Stichwort Inflationsgefahr – insgesamt eine gute Nachricht ist, sei dahingestellt. Für die Börsen ist sie das aber auf jeden Fall: Die leben ja derzeit in nicht unbeträchtlichem Ausmaß von reichlich verfügbarem, billigen Notenbankgeld.

Die Party geht also vorerst einmal weiter. Wenngleich kurzfristig immer wieder kleine „Hacker“ im Aufwärtstrend einzuplanen sind. Denn Dax, Dow Jones und Co. sehen jetzt ein wenig überhitzt aus.

Zusätzlichen Schub gibt die anlaufende Berichtssaison in den USA, die zumindest bei den „Techs“ recht positiv verläuft. Zuletzt hat etwa die globale Datenkrake Google(ISIN US38259P5089) eine deutliche Steigerung des Quartalsgewinns vermeldet. Was am Freitag zu einem mehr als zwölfprozentigen Kurs-Freudensprung geführt hat. Google hat jetzt beim Kurs den „Tausender“ geknackt, damit ein All Time High hingelegt – und ein Kaufsignal generiert. Dieses kann man ruhig ernst nehmen. Der Chart sieht schön aus, und bei der Marktstellung des Internetriesen kann nicht allzu viel passieren. So etwas passt in jedes Depot.

Von sich reden gemacht hat in den vergangenen Tagen auch der gescheiterte Mobiltelefon-Hersteller Blackberry (CA09228F1036): Für den soll sich jetzt auch der chinesische PC-Riese Lenovo interessieren, nachdem schon der Hedgefonds Cerberus Interesse angemeldet und der Finanzinvestor Fairfax ein (freilich zweifelhaftes) Angebot gelegt hat. Übernahmekämpfe bringen normalerweise nette Kursgewinne, hier würde ich freilich die Finger davon lassen: Blackberry ist kaputt. Und wenn sich die Übernahmehoffnungen zerschlagen, dann wird der Börsenkurs sehr schnell ins Nirgendwo fallen.

Wenn schon zocken, dann richtig: Immer mehr risikofreudige Anleger stopfen sich jetzt Papiere der griechischen Alpha Bank(ISIN GRS015013006/876116) ins Depot. Die ist, wie alle Griechenbanken, mit EZB-Geld aufgepäppelt worden, liefert jetzt bessere Ergebnisse als erwartet ab und performt entsprechend: Mehr als 60 Prozent Kurszuwachs seit August. Das sollte, meinen Analysten, noch eine Zeit lang weitergehen. Auf die Art können sich hiesige Steuerzahler ein bisschen von ihren nach Griechenland geschickten Hilfsgeldern zurückholen. Aber Vorsicht: Eine Susi-Sorglos-Aktie zum Liegenlassen ist das nicht. Da sollte man schon immer den Notausgang im Blickfeld behalten.

Ein seriöseres Investment ist da schon das Papier des Kabel-TV-Anbieters Sky Deutschland(ISIN DE000SKYD000), dessen Kurs sich in den vergangenen zwölf Monaten mehr als verdoppelt hat. Der ist am Freitag über eine kurzfristige Trendlinie ausgebrochen, was als Kaufsignal gilt. Zwar ist das Papier schon ein bisschen hoch bewertet, die monopolartige Marktstellung und der bevorstehende kräftige Ausbau des Video-on-Demand-Geschäfts sollten aber noch Spielraum nach oben zulassen. Analysten gehen jedenfalls von Kurszielen jenseits von neun Euro aus, was ein Potenzial von mehr als 20 Prozent bedeutet.

Wer es lieber konservativ hat: Das Agrarhandelsunternehmen BayWa(ISIN DE0005194005, eine Art bayerisches „Lagerhaus“) hat am Freitag nach einer Investorentagung mehrere Kaufempfehlungen (unter anderem von der DZ Bank und von Hauck & Aufhäuser) ausgefasst. Die Kursziele liegen zwischen 44,5 und 46 Euro. Bei einem aktuellen Kurs von etwas über 38 ist das nicht die Welt – aber als stabiler Anker im Depot können die Bayern allemal herhalten.

josef.urschitz@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 20.10.2013)