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Sparbuch: Noch jahrelang Realverluste

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Zinsanalyse. Die Leidenszeit für Sparer ist noch lange nicht vorbei, das Sparbuch bedeutet sichere Wertvernichtung.

Wien. Die Bankenkrise und die darauffolgende Wirtschafts- und Schuldenkrise fordern noch immer Tribut. Nämlich bei den Sparern. Ein gewöhnliches Sparbuch ist heute gleichbedeutend mit sicherer Wertvernichtung.

Und die Banken selbst machen kein Hehl daraus, dass das noch „für längere Zeit“ so bleiben wird, wie etwa die Analysten der Erste Bank kürzlich betonten. Die Europäische Zentralbank (EZB) werde nämlich die Zinsen bis zum Jahresanfang 2016 niedrig lassen. Das bedeutet, dass die Sparer noch jahrelang ordentlich bluten müssen.

Die EZB hält ihren Leitzinssatz derzeit bei 0,5 Prozent und damit auf einem historischen Tiefstand. Damit drückt die Notenbank – vereinfacht gesagt – auch die Geldmarktzinssätze nach unten. Das sind jene Zinssätze, zu denen sich die Banken untereinander Geld leihen. Im Euroraum werden die Geldmarktzinsen von den Euribor-Zinssätzen abgebildet. An diesen Geldmarktzinsen orientieren sich nicht nur die Kreditzinsen, sondern auch die Sparbuchzinsen für die Kunden.

Eines wird dabei deutlich: Die Euribor-Zinssätze notieren seit Jahren auf einem extrem niedrigen Niveau. Und zwar, weil die EZB den Geschäftsbanken selbst mit viel billigem Geld unter die Arme greift. Die Geschäftsbanken können sich von der EZB also das Geld billig holen und müssen es nicht teurer von den anderen Banken leihen. Und solange die EZB diese lockere Geldpolitik betreibt, werden die Sparer enteignet.

Tagesgeld ab 0,05 Prozent

Ein wichtiger Zinssatz, an dem sich viele Spar- und Kreditprodukte orientieren, ist der europäische Geldmarkzinssatz Drei-Monats-Euribor. Derzeit notiert er extrem niedrig bei 0,22 Prozent. Auch der Zwölf-Monats-Euribor liegt bei nur rund 0,5 Prozent.

Dementsprechend niedrig sind die Sparzinsen der heimischen Filialbanken. Die bewegen sich bei einjährigen Sparbüchern zum Großteil zwischen 0,2 und 0,75 Prozent. Die Bank Austria bietet für ein einjähriges Sparbuch nur 0,2 Prozent, die Bawag 0,25 Prozent, die Raffeisen Wien-Niederösterreich und die Erste Bank 0,375 Prozent (Stand: Freitag). Die Zinssätze für Tagesgeld liegen bei lächerlichen 0,05 Prozent bis 0,125 Prozent. Vor wenigen Jahren waren derart niedrige Sparzinsen undenkbar, heute sind sie für die Sparer ein großes Problem. Zur Veranschaulichung: Wenn eine Bank nur einen Sparzinssatz von 0,2 Prozent über ein Jahr bietet, ist ein deutlicher Verlust programmiert. Der Sparer muss von diesem Zinssatz noch die Steuer und die Inflation abziehen. In einem Jahr häuft er – wenn es gutgeht – einen realen Verlust von zwei Prozent an.

 

EZB enteignet Sparer

So dramatisch wie jetzt war die Lage für die Sparer noch nie, seit es den Euro gibt. Zum Vergleich: Vor fünf Jahren stand der Drei-Monats-Euribor noch bei über fünf Prozent. Nach der Megapleite der Investmentbank Lehman Brothers stürzte der Zinssatz dramatisch ab. Die Banken vertrauten einander nicht mehr, der Geldmarkt brach zusammen, die Zinssätze stürzten ins Bodenlose. Seither springt die EZB großzügig ein.

Mit einem großen Verlierer: dem Sparer. Die schlechte Nachricht ist, dass die Zinsleidenszeit noch lange nicht vorbei sein wird. Die Analysten der Erste Bank prognostizieren, dass der Drei-Monats-Euribor auch in einem Jahr bei 0,2 Prozent stehen wird. Denn zuletzt hat auch EZB-Chef Mario Draghi klargemacht, dass die EZB einem Anstieg der Geldmarktzinssätze entgegenwirken wird. Niedrige Zinsen sollen nämlich helfen, dass die Wirtschaft in der Eurozone angekurbelt wird.

Somit ist auch klar: Die Sparer sollten sich keine Hoffnungen machen, dass die Sparzinsen in den nächsten zwei Jahren erkennbar ansteigen werden. Sie werden weiter enteignet. Wer jetzt sein Geld auf ein Sparbuch einer heimischen Filialbank legt, wird in zwei Jahren einen realen Verlust von rund vier Prozent anhäufen. Aber auch nur dann, wenn man die „offiziellen“ Inflationsraten heranzieht. In der Praxis wird der Verlust noch höher sein.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 21.10.2013)