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"Schwarze Witwe" zündete Sprengsatz in Bus in Wolgograd

Die Attentäterin zündete die Granate in einem Bus im ehemaligen Stalingrad und riss mehrere Menschen mit in den Tod.
Die Attentäterin zündete die Granate in einem Bus im ehemaligen Stalingrad und riss mehrere Menschen mit in den Tod.(c) REUTERS/Russian Emergencies Ministry/Handout
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Sechs Menschen starben vermutlich durch eine Handgranate. Die Frau soll mit einem Bandenführer aus Dagestan verheiratet gewesen sein.

Bei einem Selbstmordanschlag in der russischen Stadt Wolgograd hat eine Islamistin in einem Bus einen Sprengsatz gezündet und mehrere Menschen in den Tod gerissen. Ermittler sprachen am Montag von einem Terroranschlag. Dabei starben mindestens sechs Menschen, wie das nationale Ermittlungskomitee mitteilte. Knapp 30 Menschen wurden verletzt. Die Ermittler vermuteten, dass eine sogenannte Schwarze Witwe, die Frau eines radikalislamischen Extremisten aus der unruhigen russischen Teilrepublik Dagestan im Kaukasus, den Anschlag verübte.

Der Sprengsatz explodierte gegen 14 Uhr Ortszeit, (12 Uhr MESZ) in Wolgograd, dem ehemaligen Stalingrad, rund 900 Kilometer südöstlich der Hauptstadt Moskau. In dem Bus saßen etwa 40 Passagiere, wie der Inlandsgeheimdienst FSB mitteilte. Zunächst war von fünf Toten die Rede, über die Verletztenzahl lagen zwischenzeitlich sehr unterschiedliche Angaben vor. Zuletzt hieß es offiziell, 32 Menschen, darunter "viele Studenten", seien verletzt worden, sieben von ihnen schwer.

Kremlchef Wladimir Putin werde über die Entwicklungen laufend informiert, sagte sein Sprecher Dmitri Peskow. Die Tat sei nach ersten Erkenntnissen von der Frau eines islamistischen Terroristen begangen worden, sagte der Sprecher des nationalen Ermittlungskomitees, Wladimir Markin, im russischen Staatsfernsehen.

Attentäterin aus Dagestan

Bei der Attentäterin habe es sich um die Ehefrau des Rebellenführers Dmitri Sokolow gehandelt, teilten die Ermittlungsbehörden mit. Die 30-jährige Najda Assialowa sei "kürzlich zum Islam konvertiert". Sie habe zuvor in Moskau studiert, wo sie Sokolow kennengelernt habe, und sei später zusammen mit ihm in die Hauptstadt Dagestans, Machatschkala, gezogen.

In Dagestan kämpfen Islamisten - wie auch in der Nachbarrepublik Tschetschenien - um ein von Moskau unabhängiges Kaukasusemirat. Die Täterin sei anhand von Dokumenten identifiziert worden, sagte Markin.

In dem Bus explodierte Medien zufolge eine Handgranate. Eine weitere Granate sei nicht gezündet und später entschärft worden, berichtete die Zeitung "Komsomolskaja Prawda". Durch die Druckwelle waren in dem Bus die Scheiben geborsten.

Ziel: Olympische Spiele verhindern

Der Terroristenchef des russischen Konfliktgebiets Nordkaukasus, Doku Umarow, hatte Anfang Juli nach längerer Pause zu neuen Anschlägen aufgerufen. Ziel sei es, die Olympischen Winterspiele 2014 in Sotschi zu verhindern, hatte er erklärt. Die Spiele sollen am 7. Februar in dem Schwarzmeerkurort eröffnet werden. Die Sicherheitsvorkehrungen dort gelten als beispiellos.

Der Sprengsatz sei am Körper der Frau befestigt gewesen, sagte der Vizechef der örtlichen Ermittlungsbehörden, Waleri Safonow. In der Vergangenheit hatten in Russland immer wieder so bezeichnete "Schwarze Witwen" Selbstmordanschläge verübt, um auf diese Weise den Tod ihrer Männer zu rächen.

Die Spurensicherung fand am Ort der Detonation - der Haltestelle Lessobasa im Stadtteil Krasnoarmejski - auch Leichenteile. Der Anschlag ereignete sich am Nachmittag. Unter den Opfern waren Medien zufolge vor allem Studenten der Wolgograder Universität. Überlebende berichteten, dass die Frau kurz nach dem Einsteigen in den Bus den Sprengsatz gezündet habe.

Schwarze Witwen

Selbstmord-Attentäterinnen aus Tschetschenien oder Dagestan werden "Schwarze Witwen" genannt. Viele von ihnen handelten aus Rache, weil ihre Ehemänner, Väter oder Brüder von Russen verschleppt und getötet wurden.

Die Moskauer Journalistin Julia Jusik zeigt in ihrem Buch "Die Bräute Allahs" aber auch, dass manche dieser Frauen sich gar nicht in die Luft sprengen wollen. Sie werden zumeist von verwandten Männern für diese Tat angeworben. Viele Bomben am Körper der Frauen werden ferngezündet. Das kaukasische Sittengesetz (Adat) sieht eine Rolle der Frau als Rächerin nicht vor.

(APA/dpa)