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Comics: Asterix bei den Whiskytrinkern

Asterix bei den Pikten
''Asterix bei den Pikten''(c) Ehapa Verlag
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Ein neues Team für den 35. Band der erfolgreichsten französischen Reihe: Jean-Yves Ferri (Text) und Didier Conrad (Zeichnung) schlagen sich bei den Pikten achtbar.

Die Saga geht weiter. An diesem 24. Oktober wird wieder Geschichte geschrieben: Allenthalben erscheint in vorerst zwei Dutzend Sprachen der 35. Band von Asterix und Obelix. Unsere liebsten gallischen Helden, denen der eine Vater vor 36 Jahren gestorben, der andere vor einigen Jahren in Rente gegangen ist, verschlägt es in ihrem neuen Abenteuer nach Schottland (auch eine gälische Ausgabe ist erhältlich). „Asterix bei den Pikten“ heißt das neue Heft, das wie gewohnt 48 liebevoll mit dem Pinsel gezeichnete und kolorierte Seiten hat.

Wie aber konnte das geschehen? Wie haben der Kleine und der Dicke, die mit ihrem Stamm in ihrem gallischen Dorf seit einem halben Jahrhundert dem römischen Imperium Widerstand leisten, jetzt auch noch die Pension überlebt? Albert Uderzo, der die Abenteuer seit 1959, als die ersten Asterix-Comics erschienen, gezeichnet hat, der nach dem Tod des Autors René Goscinny das Gallier-Projekt allein weiterbetrieben hat, gab Pinsel und Bleistift in neue Hände.

Dynamische Bilder wie im großen Kino

Der erfahrene Zeichner Didier Conrad schuf die Bilder, der mit dem Milieu ebenfalls lange vertraute Autor Jean-Yves Ferri erfand die Geschichte, Uderzo überwachte die Produktion. Seit einem halben Jahr wurde dafür die Werbetrommel geschlagen, Verlag und Autoren zeigten sich nervös. Viel steht auf dem Spiel. Bisher wurden an die 350 Millionen Asterix-Hefte verkauft, ein Dutzend Filme gedreht. Dazu kommt noch das Merchandising. Es geht also um viel Geld.

Herausgekommen ist ein achtbares Ergebnis. Die Reise nach Schottland wirkt stärker als alles, was seit Band 24 („Asterix bei den Belgiern“) erschienen ist. Nach 1979 war Uderzo für Text und Bild allein verantwortlich. An die Genialität von Goscinny reichten seine Geschichten bei Weitem nicht heran. Auch Ferri hat es im direkten Vergleich schwer, aber er schlägt sich wacker. Und Conrads Bilder sind sogar besser als jene der Spätphase von Uderzo – exakt und detailliert wie gewohnt, aber auch dynamisch wie selten zuvor. Wenn, wie zu erwarten, ein Seeungeheuer in einem Loch auftaucht, sieht man großes Kino. Auch die wilden, streitlustigen Pikten zeigen Charakter. Die Römer aber, einst so wichtige Antagonisten, werden an den Rand gedrängt. Und für die Passage der Piraten fiel dem neuen Team ebenfalls nichts besonders Originelles ein.

Didier Conrad (l) und Jean-Yves Ferri mit dem neuen Asterix-Band(c) EPA (DANIEL REINHARDT)



Wie also spinnen sie, diese Clans aus der späten Eisenzeit? Was sind ihre wichtigsten Klischees? Sie tragen bereits Röcke in gewagten Farbkombinationen und Karos, 1500 Jahre bevor diese Kilts in den Highlands Mode wurden. Eher passt schon der alte Brauch, dass die rotblonden Männer ihre nackten Oberkörper mit seltsamen bunten Zeichen bemalen. Die nennen sie ganz ungeniert und heutig Piktogramme. Der Konsum von hochprozentigem Malzwasser wie auch das Werfen von Baumstämmen könnten historisch ebenfalls möglich sein. „Tossing the Caber“ gilt als uralter Brauch.

Kaum sind Asterix und Obelix mit dem Boot auf den tiefen Loch hinausgefahren, begegnet ihnen schon wieder das nette Ungeheuer ,das der schottische Bub nicht Nessi, sondern altnordisch Fafnie nennt(c) Ehapa


Es überrascht, dass Sänger dort oben nicht gemobbt werden, so wie der gallische Barde Troubadix. Ja, der Piktenheld Mac Aphon, den es zuerst aus dem Eis des Nordens nach Gallien verschlägt, beherrscht Liedgut, als sei er ein Beatle oder ein Rocker, besonders in Krisensituationen. Und die ur-schottischen Stämme verhalten sich bei Volksabstimmungen untereinander so, als ginge es um die Unabhängigkeit von heute und nicht um die Römer von damals, die das karge Gebiet im Norden ohnehin mieden.

Der Balzschrei des Auerhahns

Historische Unschärfen dürfen sein, aktuelle Anspielungen haben Tradition. Das neue Heft reiht sich in das bildungsbeflissene Programm von „Asterix“ ein. Wenn man sich sattgesehen hat, bleibt nur die Frage: Was ist das beste Piktenzitat? Schwer zu sagen. Der Clanchef sagt: „Lasst uns gemeinsam den Balzschrei des Auerhahns ausstoßen!“ Seufz! Früher wurde man leichter und öfter fündig.

„Asterix bei den Pikten“

1959 erfanden Autor René Goscinny (1926–1977) und Zeichner Albert Uderzo (* 1927) mit „Astérix“ die bisher erfolgreichste Comic-Serie Frankreichs. Das erste Blatt erschien in der Jugendzeitschrift „Pilote“. Seit 1961 gab es 35 Alben, die inzwischen in mehr als hundert Sprachen übersetzt wurden.
Band 35 wurde von einem neuen Team geschaffen. Die Zeichnungen stammen von Didier Conrad (*1959), die Texte von Jean-Yves Ferri (*1959).

("Die Presse", Print-Ausgabe, 24.10.2013)

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