Selbstbespiegelung am heimischen Flügelaltar.
Dreiteilige Spiegel haben den Vorteil, dass man sich darin im Profil betrachten kann, wenn man die beiden Seitenteile im 90-Grad-Winkel auseinanderklappt, Das mag vielleicht nicht jeder, denn nicht jeder ist mit der klassischen Seitenansicht eines Hohepriesters oder einer Königin aus der Dynastie von Ramses II. gesegnet. Allerdings können einen solche tabernakelartigen Vorrichtungen vor Bad-Hair-Peinlichkeiten retten, noch bevor man sein Antlitz der Öffentlichkeit zumutet.
Dreiteilige Spiegel haben den Nachteil, dass sie heute meist Bestandteile von Badezimmeroberschränken sind, deren Eigenname mit A am Anfang und t am Ende zum Synonym für einen ganzen Typus von ästhetischen Ungeheuerlichkeiten wurden, denen man morgens ins Gesicht blickt. Bleiben zwei Alternativen: auf die Selbstbespiegelung ganz zu verzichten. Oder sich auf die Suche nach der verlorenen Psyche machen – dem Frisiertisch aus den 1950er-Jahren.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 25.10.2013)