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"Das tut weh": Aus für Premier Juncker nach 18 Jahren

BELGIUM EU SUMMIT EPP MEETING
JuckerEPA
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Ein historischer Machtwechsel steht bevor: Großherzog Henri beauftragte am Freitag nicht den amtierenden Premier Juncker sondern den Liberalen Bettel mit der Regierungsbildung.

In Luxemburg stehen die Zeichen auf einen Abschied des langjährigen Ministerpräsidenten Jean-Claude Juncker von der Regierungsspitze. Großherzog Henri hat am heutigen Freitag dem liberalen Politiker Xavier Bettel den Regierungsbildungsauftrag erteilt, teilte der Palast mit. Bettel hatte sich zuvor mit den Sozialdemokraten (LSAP) und den Grünen auf eine Dreier-Koalition verständigt.

Junckers Christlichsoziale (CSV) hatten bei der Parlamentswahl am vergangenen Sonntag ihre Position als stärkste Kraft im Land behaupten können, büßten aber an Stimmen ein. Auch sein bisheriger Koalitionspartner LSAP musste Federn lassen, dagegen konnte die liberale Demokratische Partei (DP) zulegen.

Die sich nun abzeichnende Dreierkoalition wäre eine historische Zäsur für Luxemburg: Erstmals seit der sozialliberalen Regierung von 1974-1979 würden die Christdemokraten in der Opposition landen.

Der seit 1995 amtierende Juncker ist der dienstälteste unter den EU-Staats- und Regierungschefs. Dass seine Ablöse bevorsteht, hat Juncker am Freitag beim EU-Gipfel offen eingeräumt. Von seinen Kollegen aus dem Kreis der Staats- und Regierungschefs hat er sich bereits verabschiedet. "Das heute war ein Rat, von dem ich denke, dass es mein letzter war", sagte Juncker. "Ich habe versucht, das so professionell wie möglich zu machen, um da nicht in Gefühlsausbrüchen mich selbst und andere untergehen zu lassen", sagte er am Freitag nach dem EU-Gipfel in Brüssel. "Aber weh tut das schon."

Xavier Bettel - Luxemburgs künftiger Premier?

Alle mögen Xavier Bettel. So scheint es jedenfalls, wenn Luxemburger nach dem beliebtesten Politiker im Land gefragt werden. Seit Ende 2012 rangiert der 40 Jahre alte Bürgermeister von Luxemburg und Vorsitzende der liberalen Demokratischen Partei (DP) in Umfragen immer ganz vorn - auch noch vor Premierminister Jean-Claude Juncker (58).

"Ich halte ihn für eine der großen Hoffnungen der Luxemburger Politik, auch wenn sein Politik-Stil nicht der meine ist", sagte Juncker Ende 2012 über Bettel. Er konnte sich nicht den Hinweis verkneifen, "dass Politik nicht im Einheimsen von guten Popularitätswerten besteht".

Bettel ist Jurist, war Rechtsanwalt und wurde 1999 erstmals ins Parlament gewählt. Schon als 18-Jähriger wurde er Mitglied bei den Liberalen. Seit er 2008 der Öffentlichkeit seine Homosexualität mitteilte, hat er an Popularität eher gewonnen als verloren. "Ich habe meine Sexualität niemals zum Thema gemacht", sagte er einem Interviewer. "Ich glaube, die Menschen haben immer für mich gestimmt und sich gefreut, wenn ich glücklich war. Dann macht man auch eine gute Arbeit." Seit März 2010 lebt er mit seinem Partner zusammen, mit dem er sich gerne öffentlich zeigt.

Bettel, der fließend Französisch, Deutsch und Englisch spricht, ist ein großer Verfechter der luxemburgischen Sprache: "Vielleicht ist sie nicht sehr nützlich in der Welt, wohl aber in Luxemburg." Es beunruhigt ihn, dass in Luxemburg immer mehr ausländische Parallelgesellschaften entstehen und die Integration darunter leidet: "Wir müssen die Menschen zusammenbringen." Sein Lebensmotto sei, "im Heute zu leben": "Wenn ich an morgen oder gestern denke, bin ich manchmal unglücklich."

(APA/dpa)