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Trauriger Tag für Sparer

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Am 31. Oktober ist Weltspartag. Doch für Sparer gibt es angesichts der niedrigen Zinsen nichts zu lachen. Sie sollten sich vielmehr nach besseren Alternativen umsehen.

Wien. Ende Oktober ist Weltspartag. Doch Jubelstürme unter den Sparern wird er wohl keine auslösen. Ganz im Gegenteil. Den Anlegern muss klar sein: Mit einem Sparbuch fahren sie deutliche Realverluste ein. Und das höchstwahrscheinlich noch über Jahre hinweg („Die Presse“ berichtete). Der Weltspartag ist folglich kein Tag des Sparens. Sondern ein Tag, an dem man sich nach Zinsalternativen umschauen sollte. Die heimischen Banken sind jedoch recht umtriebig und versuchen neue Anleger zu locken. Die Erste Bank bietet derzeit einen sogenannten „Herbstfloater“ (ISIN: AT000B119938) an.

Dahinter steckt eine Anleihe mit einer Laufzeit von sieben Jahren und einer variablen Verzinsung. Eigentlich nichts Besonderes, aber ein Merkmal ist attraktiv: Der Zinssatz orientiert sich am Geldmarktzins Euribor (3 Monate). Zwar notiert der Euribor nur bei 0,2 Prozent. Aber: Die Anleihe garantiert dem Anleger eine Mindestverzinsung von 1,75 Prozent. Das klingt nicht schlecht. Im Sommer hat die Erste Bank eine ähnliche Anleihe mit einer Mindestverzinsung von 1,625 Prozent angeboten. Zum Vergleich: Für ein einjähriges Sparbuch bekommt man bei der Erste Bank derzeit einen Zinssatz von 0,375 Prozent.

Ist die diese Herbstanleihe auch für private Kleinanleger attraktiv? Fakt ist, auch in Zeiten der aktuellen Niedrigzinsphase bekommen Anleger 1,75 Prozent. Vom Zinsertrag muss jedoch die Kapitalertragsteuer abgezogen werden. Hinzu kommen etwa Kosten wie Depotgebühren. Einen kleinen Vorteil gibt es allerdings: Die Erste zahlt den Kunden die Zinskupons vierteljährlich aus. Dieses Geld kann auf einem Sparbuch (wieder-)veranlagt werden. Damit kann man sich einen kleinen Zinsbonus sichern.

Realverlust wird abgefedert

Was bleibt am Ende übrig? Ein Szenario: Der Anleger investiert 3000 Euro in die Anleihen und will sie (voraussichtlich) sieben Jahre halten. Die EZB hält die Marktzinsen jahrelang niedrig, erst nach dem dritten Jahr steigen sie wieder leicht. Unterm Strich würde der Anleger eine Rendite von knapp über ein Prozent jährlich machen (nach Abzug von Steuer und Kosten). Bei einer jährlichen Inflation von zwei Prozent häuft der Anleger in sieben Jahren einen realen Verlust von rund sieben Prozent an. Das klingt auf den ersten Blick nicht verlockend. Aber: Mit einem Erste-Sparbuch würde der Sparer allein in den nächsten drei Jahren einen Realverlust von fast sechs Prozent verbuchen.

Als Zinsalternativen bieten sich derzeit auch höherverzinste Unternehmensanleihen an. Zum Beispiel eine Anleihe des Stahlkonzerns Voestalpine. Der Konzern ist ein Kapazunder an der Wiener Börse, die Gefahr einer Insolvenz ist also relativ gering. Ein lohnendes Investment?

Ein Szenario: Der Anleger investiert 3000 Euro (Nennwert) in Voest-Anleihen, die noch bis Februar 2018 laufen (ISIN: AT0000A0MS58). Die Anleihe wirft einen jährlichen Kupon von 4,75 Prozent ab. Aber sie ist nur zu einem sehr teuren Preis zu haben. Wenn der Anleger Voest-Anleihen zum Nennwert von 3000 Euro haben will, muss er rund 240 Euro zusätzlich (für den erhöhten Kaufkurs) berappen. Das drückt die Rendite. Am Ende bleibt nicht viel übrig: Die jährliche Rendite macht weniger als 1,5 Prozent aus (nach Abzug von Steuer und Kosten).

Fazit: Mit der Voest-Anleihe wird der Anleger nach Abzug der Inflation einen realen Verlust von etwas mehr als 0,5 Prozent jährlich erleiden, in vier Jahren summiert sich der Verlust auf zwei Prozent. So viel kostet die Sicherheit eines großen ATX-Konzerns. Die Sicherheit der Republik Österreich ist allerdings noch teurer. Bei einer Staatsanleihe (Laufzeit bis Anfang 2018) haben Sparer einen realen Verlust von acht Prozent in vier Jahren. (ker)

("Die Presse", Print-Ausgabe, 28.10.2013)