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Mariahilfer Straße neu: 13A umfährt Fußgängerzone

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Mariahilfer Strasse(C) Kocina
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Nach zähen Verhandlungen ist fix: Der 13A wird umgeleitet, eine Querung kommt – und die Bevölkerung könnte das Projekt noch stoppen.

Wien. Es waren zähe Verhandlungen über die Adaptierung der umstrittenen Neugestaltung der Mariahilfer Straße. Und sie führten in den vergangenen Wochen dazu, dass SPÖ und Grüne sich öffentlich gegenseitig ausrichten ließen, warum der jeweilige Vorstoß des Koalitionspartners unsinnig ist, und auch, wie das Problem denn nun wirklich zu lösen sei.

Nun gibt es ein Ergebnis, das Bürgermeister Michael Häupl und die grüne Planungsstadträtin Maria Vassilakou am Mittwoch gemeinsam präsentiert haben. Und das fällt weit weniger spektakulär aus, als erwartet wurde: Die Fußgängerzone bleibt, wie sie ist, die Begegnungszonen auch. Dafür wird der 13A (die meistfrequentierte Buslinie Wiens) umgeleitet, eine Querung zwischen dem sechsten und siebten Bezirk wird für den Autoverkehr geöffnet. Im Frühjahr dürfen die Bewohner der betroffenen Bezirke (wie angekündigt) über das Projekt abstimmen – mit der Option, die Fußgänger- und Begegnungszone auch abzulehnen, wodurch der ursprüngliche Zustand wiederhergestellt werden müsste. Und falls sich Rot-Grün bis dorthin nicht über die Radfahrer in der Fußgängerzone einigt (Stichwort: Fahrverbot), kommt diese Causa dann ebenfalls zur Abstimmung.

Mariahilfer Strasse - Umleitung
Mariahilfer Strasse - Umleitung(C) DiePresse

Fußgängerzone ohne Bus

Zur wichtigsten Änderung. Die Linie 13A wird ab 18.November nicht mehr durch die Fußgängerzone in der Mariahilfer Straße fahren, diese auch nicht mehr queren. Der Bus fährt dann (in Richtung Norden) nur mehr durch die Begegnungszone auf Höhe der Kirchengasse. Die genaue Route (in Richtung Alser Straße): Gumpendorfer Straße, Windmühlgasse, Capistrangasse, dann geht es neben dem Kaufhaus Gerngross über die Mariahilfer Straße in die Kirchengasse. Retour fährt der Bus über die Neubaugasse, Schadekgasse in Richtung Hauptbahnhof.

Im Frühjahr ändert sich diese Route nach kleineren Umbauarbeiten, weil diese im Winter noch nicht gemacht werden können. Dann geht es von der Gumpendorfer Straße über Amerlingstraße, Schadekgasse, Windmühlgasse bis in die Kirchengasse. Diese Routenänderung führt dazu, dass die Buslinie 2B, die erst im Juli ins Leben gerufen wurde, wieder eingestellt wird. Damit konnte sich der grüne Bezirksvorsteher Thomas Blimlinger durchsetzen. Er wollte um jeden Preis vermeiden, dass der 13A in beiden Richtungen durch die Neubaugasse fährt.

Der nächste Knackpunkt: Im Vorfeld wurden bis zu drei neue Querungen für den Autoverkehr kolportiert. Geworden ist es letztlich nur eine – bei Stumpergasse/Kaiserstraße ist künftig die Durchfahrt möglich, da das eine wichtige Verbindung zwischen dem sechsten und siebten Bezirk ist, wie Vassilakou das Ergebnis der Evaluation kommentiert. Diese Lösung ist ein klassischer Kompromiss zwischen der SPÖ, die bis zu drei Querungen wollte, und den Grünen bzw. der Mariahilfer SP-Bezirkschefin Renate Kaufmann, die gar keine Querungen für Autos wollten.

Der letzte Streitpunkt, das Fahrverbot für Radfahrer in der Fußgängerzone, wurde vertagt. Die SPÖ ist dafür, die Grünen sind dagegen. Häupl ist zuversichtlich, dass man sich hier bald einigen kann – es wird dazu außerdem noch eine eigene Erhebung geben. Falls keine rot-grüne Einigung bei den Radfahrern möglich ist, soll bei der Befragung im Frühjahr die Bevölkerung von Mariahilf und Neubau gleichzeitig über ein Radfahrverbot in der Fußgängerzone abstimmen – für den Fall, dass die Befragung für die Fußgängerzone ausgeht.

 

Projekt kann gestoppt werden

Bei der Abstimmung im Frühjahr werde es außerdem eine klare Ja/Nein-Frage geben, kündigte Häupl an: „Beispielsweise: Wollen Sie eine Fußgängerzone in der Mariahilfer Straße?“ Es müsse der Bevölkerung jedenfalls ein klares, verständliches Modell zur Abstimmung vorgelegt werden. Der Stadtchef ist (wie Vassilakou) für die Fußgängerzone. Sollte sich eine Mehrheit die Autos aber wieder zurückwünschen, werde man sich der Mehrheit beugen, kündigten beide an. Falls sich die Bevölkerung gegen das Projekt ausspricht, ist die Fußgängerzone also Geschichte – der ursprüngliche Zustand wird wiederhergestellt. (stu)

("Die Presse", Print-Ausgabe, 31.10.2013)