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Coudenhove-Kalergi: „Sterben ist nichts Furchtbares“

Barbara Coudenhove-Kalergi
Barbara Coudenhove-Kalergi(c) Die Presse (Clemens Fabry)
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Die Journalistin Barbara Coudenhove-Kalergi engagiert sich für das Thema Hospiz – und hofft auf einen Tod ohne „Mythos und Brimborium“.

Die Presse: Sie sind Teil einer Kampagne zum Thema Hospiz. Das Thema beschäftigt Sie, oder?

Barbara Coudenhove-Kalergi: Ich halte die Hospizbewegung für etwas Wichtiges, weil das Sterben bis zu einem gewissen Grad lange ein Tabu war. Man hat darüber nicht geredet. Das Resultat war, dass die Menschen auf unwürdige Weise gestorben sind. Oder – und das ist ja jetzt noch die Norm, wenn sie nicht das Glück haben, dass sie tot umfallen – dass sie sich lange, lange herumquälen müssen, weil die Ärzte darauf getrimmt sind, das Leben um jeden Preis zu verlängern. In den Hospizen ist es ja so, dass man schaut, dass die Leute noch eine halbwegs gute Zeit haben und dann, ohne dass man sie mit irgendwelchen lebensverlängernden Maßnahmen quält, sterben können. Dass damit die Idee gestärkt wird, dass Sterben nichts Furchtbares ist, sondern etwas Normales, finde ich ausgesprochen gut.

Haben Sie konkrete Erfahrungen?

Ich habe einen Neffen, der relativ jung im Hospiz gestorben ist. Er war Mönch und konnte dort mit seiner Familie und seinen Mitbrüdern zusammen sein. Und ich kenne auch eine Frau, die im Hospiz gestorben ist. Da war es vor allem für die Kinder eine rettende Erfahrung, dass sie Beistand gehabt haben.

Das heißt, es ist auch für die Angehörigen wichtig?

Ich habe von ihnen gehört, dass es für sie eine große Hilfe war und dass man das Ganze auch auf eine irgendwie normale und fast heitere Weise nehmen kann, ohne dieses ganze Brimborium, das sich sonst um das Sterben herum ausbreitet. Ich kenne auch umgekehrte Erfahrungen, wenn sich Leute monatelang, jahrelang herumquälen müssen. Ich bin ja für Sterbehilfe. Das ist ein schwieriges Thema, aber ich glaube, dass dieses Am-Leben-Erhalten um jeden Preis eine Fehlentwicklung ist. Natürlich ist es schwierig, Sterbehilfe freizugeben. Die Frage des Missbrauchs ist ein legitimes Argument. Aber ich glaube, dass da eine Mischung aus Barmherzigkeit und gesundem Menschenverstand dringend notwendig wäre.

Für die Kampagne wurde von Ihnen eine Totenmaske angefertigt...

Ich hab's als ein bisschen seltsam empfunden. Die Botschaft ist ja offensichtlich: Beschäftige dich mit deinem Tod. Der Interviewer hat mich gefragt: „Haben Sie schon einmal an Ihren Tod gedacht?“ Ich hab gesagt: „Na, jemand, der mit 80 noch nicht ans Sterben gedacht hat, muss ein bisschen bescheuert sein.“ Daraufhin hat er gemeint: „Sagen Sie das nicht. Viele Leute sind ganz aus dem Häuschen geraten bei dieser Frage.“

Lebt man wieder bewusster, wenn man sich den eigenen Tod vor Augen führt?

Ich bin für so großes Getue eigentlich nicht zu haben, weder beim Sterben noch sonst wo. Ich finde das ziemlich normal. Jeder denkt über sein Leben nach, und jeder denkt bis zu einem gewissen Grad über seinen Tod nach. Aber gar zu viel Mythos ist nicht so ganz mein Ding.

Wie würden Sie gern sterben?

Die „Frankfurter Allgemeine“ hat vor Jahren einen Fragebogen veröffentlicht, da war auch diese Frage dabei. Eine Antwort, die mein Bruder immer zitiert hat, war: „In den Armen einer Frau, mit 105, erschossen vom eifersüchtigen Ehemann.“ Es ist ihm nicht ganz gelungen, aber fast. Jeder Mensch wünscht sich natürlich, dass es möglichst schnell und wenig qualvoll passiert.

AUF EINEN BLICK

Barbara Coudenhove-Kalergi (81) ist Journalistin und war lange Zeit Osteuropa-Spezialistin beim ORF. Gemeinsam mit Karl Markovics, Robert Menasse, Christiane Hörbiger, Cornelius Obonya, Barbara Stöckl, Josef Zotter und Michael Landau engagiert sie sich für eine neue Spendenaktion für die Hospize der Caritas. Die „Lebensmasken“ wurden am Sitz des Mobilen Caritas-Hospiz angefertigt, das unheilbar kranke Menschen begleitet, die in vertrauter Umgebung sterben wollen. Nähere Informationen: www.caritashospiz.at

("Die Presse", Print-Ausgabe, 31.10.2013)