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Eine Partei in der Pubertät

TEAM-STRONACH BUNDESDIREKTORIUMSSITZUNG: MAYR / BAUER / NACHBAUR / LUGAR /JENEWEIN
TEAM-STRONACH BUNDESDIREKTORIUMSSITZUNG: MAYR / BAUER / NACHBAUR / LUGAR /JENEWEINAPA/BARBARA GINDL
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Sex, Intrigen und Macht – beim Team Stronach geht es ein wenig zu wie in einer "Daily Soap".

Der jüngste „Sexskandal“ ist so etwas die das Tüpfelchen auf dem i. Siegfried Schalli, Kurzzeit-Obmann des Kärntner Teams Stronach, wirft seinem Vorgänger als Landesparteichef, Landesrat Gerhard Köfer, vor, eine Affäre mit seiner Frau angefangen zu haben. Die Boulevardmedien arbeiteten sich in den vergangenen Tagen vergnügt durch schlüpfrige E-Mails. Noch ungeklärt ist allerdings, ob sich hinter dem Pseudonym Franco Andolfo wirklich Gerhard Köfer verbirgt.

Die „Daily Soap“ im Team Stronach hat einen neuen, zweifelhaften Höhepunkt erreicht. Auch sonst verging in den vergangenen Monaten kaum ein Tag, an dem sich das Team Stronach, vor allem dessen Länderfilialen, nicht in den Schlagzeilen wiederfand. Meist ging es um Eitelkeit, Intrigen und Macht. In Tirol war lange nicht klar, welche der drei untereinander verfeindeten Stronach-Listen nun die offizielle für die Landtagswahl sei. In Niederösterreich hieß der Klubchef erst Walter Laki, dann Ernest Gabmann jun. Dieser hätte eigentlich Landesrat werden sollen, das wurde dann Elisabeth Kaufmann-Bruckberger. In Kärnten ist überhaupt das Chaos ausgebrochen, seit Köfer als Landesparteichef abgesetzt worden ist. Schalli, sein Nachfolger, ist mittlerweile bei der FPÖ.

Frank Stronach trifft zwar die Letztentscheidungen, lässt sich aber sehr leicht von seinen Einflüsterern beeinflussen. So gesehen ist es fast logisch, dass Kathrin Nachbaur das Heft nun de facto ganz in die Hand nimmt.

Der Magnat war von Anfang an ein Magnet für Glücksritter aller Art. Früher einmal trieben sich solche in den Haider-Parteien herum. Kein Wunder, dass Stronach leichtes Spiel hatte, sechs vormalige BZÖ-Funktionäre zum Überwechseln zu bewegen. Viele sahen im Team Stronach ein Vehikel für die eigene Karriere und Verdienstmöglichkeiten. Um die Verwirklichung politischer Ideen ging es nur wenigen.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 03.11.2013)