Dieser Browser wird nicht mehr unterstützt

Bitte wechseln Sie zu einem unterstützten Browser wie Chrome, Firefox, Safari oder Edge.

Österreicher sind glücklicher als "erlaubt"

Eurokrise, Glück, Österreicher
(c) APA (BARBARA GINDL)
  • Drucken

Die Eurokrise drückt nicht nur den Wohlstand, sondern auch die Stimmung vieler Europäer. Nicht so in Österreich: Hierzulande kommen die Menschen glücklicher aus der Krise.

Wien. Im Jahr 1980 stellte US-Präsident Ronald Reagan seinem Volk eine simple Frage: „Geht es euch besser als vor vier Jahren?“ Und obwohl die Wirtschaftsleistung pro Amerikaner in dem Zeitraum um 8,8 Prozent gestiegen ist, antwortete die Bevölkerung mit einem klaren „Nein!“ 33 Jahre später stellt die Organisation der Industrienationen (OECD) den Bürgern ihrer Mitgliedsländer dieselbe Frage. Ökonomen haben seither hunderte neue Möglichkeiten erfunden, um den Wohlstand einer Nation besser zu vermessen als in den frühen Achtzigern. Die Antwort der Bürger aber blieb gleich: In den meisten Industrienationen geht es den Menschen heute schlechter als vor fünf Jahren.

 

Glücklicher als die Deutschen

Nun ist es nicht weiter verwunderlich, dass fünf Jahre Wirtschaft- und Finanzkrise nicht nur in der Wirtschaftsleistung, sondern auch bei den Gemütern der Menschen Spuren hinterlassen haben. Besonders deutlich sind die Folgen in der Eurozone zu spüren, schreiben die Autoren des OECD-Berichts „How's Life?“. Hohe Schulden, strikter Sparkurs und eine rapid steigende Arbeitslosigkeit haben etwa die Stimmung der Griechen um ein Fünftel nach unten rasseln lassen.

Ganz anders das Bild in Österreich. Hierzulande zeigten sich nicht weniger als 76 Prozent aller Befragten „sehr zufrieden“ mit ihrem Leben. Sie sind damit glücklicher als vor der Krise (2007 lag der Wert bei 67 Prozent) und sogar glücklicher als die Deutschen.

Ganz verständlich ist das nicht. Denn zieht man die Fakten heran, ging es den Österreichern in den fünf Jahren nicht unbedingt besser – und schon gar nicht besser als den Deutschen. So gelang es ihnen zwar, ihre realen Einkommensverluste mit einem Prozent halb so hoch zu halten wie im Schnitt der Eurozone. Übertriebener Jubel ist aber nicht angebracht. Zum Vergleich: In den USA gab es ein Plus von zwei Prozent, in Deutschland von vier Prozent.

 

Besser als objektiv gemessen

Generell überrascht, dass die angeblich so mieselsüchtigen Österreicher ihr Leben deutlich besser einschätzen, als es objektiv belegbar wäre. So zieht die OECD für ihren Better-Life-Index, eine Art Wohlstands-Ranking für Fortgeschrittene, nicht weniger als elf Faktoren von Einkommen über Bildung bis zu Umwelt oder soziale Beziehungen heran. Das Ergebnis: Während nur in acht OECD-Ländern glücklichere Menschen leben als in Österreich, hätten mindestens zwölf Völker allen Grund dazu. Sie liegen in der Gesamtbetrachtung teils weit vor Österreich – auch Deutschland.

Wie alle Rankings hat auch der Better-Life-Index blinde Flecken. So ist etwa die Verschuldung der Staaten komplett aus der Betrachtung ausgeklammert. Als eine der größten Quellen für Zufriedenheit im Leben hat die OECD in dem Bericht die Chance zu arbeiten und die Arbeitsbedingungen herausgearbeitet. Schließlich verbringen die Menschen den Großteil ihrer Zeit in der Arbeit, können sich dort idealerweise verwirklichen und nicht zuletzt ihr Leben finanzieren. Besonders klar wird die Bedeutung eines Arbeitsplatzes, wenn man reiche Euroländer mit armen Euroländern vergleicht. So zeigten sich die Österreicher zwar generell unzufrieden mit ihren Möglichkeiten, Beruf und Privatleben unter einen Hut zu bringen. Und auch an den Arbeitsbedingungen hatte jeder Fünfte etwas auszusetzen – einer der schlechtesten Werte in Europa. Aber immerhin haben hierzulande so viele Menschen Arbeit wie nie zuvor, was die Menschen wohl in ihrem Urteil über ihr Leben besänftigt hat.

 

Jeder zweite Spanier klagt

In den meisten Krisenstaaten der Währungsunion herrscht hingegen Rekordarbeitslosigkeit. In Spanien stehen mit Ende des Sommers viele Saisoniers wieder ohne Job da. Zuvor hat der Tourismus die Arbeitslosenquote noch leicht auf rund 26 Prozent gedrückt. Heute sind wieder 4,81 Millionen Spanier arbeitslos gemeldet, 87.000 mehr als vor einem Monat. Nur in Griechenland sieht die Situation noch trostloser aus. Entsprechend ernüchtert beantworteten die Spanier denn auch die Frage der OECD nach dem werten Wohlbefinden: Zu einem „Danke, gut!“, konnte sich nur jeder Zweite durchringen.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 06.11.2013)