Commerzbank wird zwei Vorstände los

Kampfabstimmung im Aufsichtsrat: Neben Jochen Klösges wird nun auch Ulrich Sieber mit Jahresende aus dem Vorstand der Commerzbank ausscheiden.

Frankfurt am Main. Der Commerzbank -Vorstand schrumpft zum Jahresende um zwei auf sieben Mitglieder. Der Aufsichtsrat beschloss am Mittwoch in einer Kampfabstimmung gegen die Stimmen der Arbeitnehmervertreter, Personalvorstand Ulrich Sieber von seinem Amt abzuberufen. Jochen Klösges, den die Bank schon vor einem Jahr vergeblich hatte loswerden wollen, tritt freiwillig den Rückzug an. Er wechselt 2014 zur Hamburger Groß-Reederei Rickmers, wo er Mitte des Jahres seinen ehemaligen Commerzbank-Kollegen Nicholas Teller als Firmenchef ablöst. Damit hat sich Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble durchgesetzt. Der Bund, der über den Bankenrettungsfonds SoFFin 17 Prozent an der Bank hält, hatte hohe Abfindungen an die beiden Manager vereitelt.

Die Verträge von Sieber und Klösges waren erst im Frühjahr 2012 um fünf Jahre verlängert worden, so dass sie mit bis zu vier Jahresgehältern hätten rechnen können. Nun bekommt Sieber längstens bis Ende 2015 Geld - das sind bis zu 2,5 Millionen Euro, aber nur wenn er vorher keinen neuen Arbeitsplatz findet. Klösges erhält sein Gehalt nur bis Ende März gezahlt.

Sieber dürfte sich gegen seinen Rauswurf vor dem Arbeitsgericht zur Wehr setzen. Die Commerzbank hatte ihre Bestrebungen, Klösges und Sieber aus dem Vorstand zu entfernen, mit der Verkleinerung der Bank und dem beschlossenen Abbau von 5200 Arbeitsplätzen begründet. "Diese Maßnahmen betreffen nicht nur Mitarbeiter, sondern auch Führungskräfte und den Vorstand." Sieber hatte die Verhandlungen über den Stellenabbau für die Bank geführt. Er führt auch die Tarifverhandlungen für die private Bankenbranche.

Sieber und Klösges führen bisher die interne Abbaubank NCA. In dem zur Disposition stehenden Geschäft mit Immobilien-, Staats- und Schiffsfinanzierungen schlummert allein ein Drittel der Bilanzrisiken der Commerzbank. Die Bestände waren zuletzt schneller geschrumpft als erwartet. Von 2014 an soll die "Bad Bank" von zwei Vorständen "nebenbei" geführt werden: Der für die Mittelstandsbank verantwortliche Markus Beumer übernimmt die Schiffs- und Immobilienkredit-Sparte, Investmentbank-Chef Michael Reuther die restlichen Staats- und Kommunalkredite. Wer künftig das Personalressort verantwortet, soll noch - wie das in Deutschland üblich ist - mit den Arbeitnehmervertretern besprochen werden. Sie fürchten einen geringeren Stellenwert für das Ressort. Vorübergehend übernimmt der für das operative Geschäft zuständige Frank Annuscheit die Funktion, wie ein Sprecher sagte.

Auf dem Boden des Kodex

Den Ausschlag gab bei der Abstimmung letztlich das Votum von Aufsichtsratschef Klaus-Peter Müller, der in der dritten Runde sein Doppelstimmrecht in die Waagschale warf, wie zwei Insider sagten. Die Arbeitnehmervertreter hätten einstimmig gegen die Abberufung gestimmt. Eine förmliche Abberufung von Vorständen ist in Deutschland eigentlich nur bei Verfehlungen üblich. Doch das wirft die Commerzbank den zwei langjährigen Managern nicht vor. Müller lobte ihre großen Verdienste um die Bank und ihre hohe Loyalität. Klösges hatte vor 30 Jahren bei der Dresdner Bank begonnen, Sieber wechselte 2006 von der Dresdner Bank zur Commerzbank. Im Vorstand sitzen beide seit 2009.

"In der Regel werden solche Dinge einvernehmlich geregelt, ohne dass Details in die Öffentlichkeit gelangen", sagte Ralph Lange, Vergütungsexperte bei der Unternehmensberatung Towers Watson, der Nachrichtenagentur Reuters. Grundsätzlich folge die Commerzbank aber den seit 2008 geltenden Regelungen des Kodex für gute Unternehmensführung, der Abfindungen auf zwei Jahresgehälter begrenzt. "Die meisten Unternehmen haben das so in ihre Vorstandsverträge übernommen. In der Praxis ist das allerdings Verhandlungssache", sagte Lange.

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(APA/dpa)

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