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Strahlenkrankheit: So wirkt Polonium 210

Strahlenkrankheit wirkt Polonium
Strahlenkrankheit wirkt Polonium(c) REUTERS (� Sergei Karpukhin / Reuters)
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Das radioaktive Metall lässt sich leicht transportieren, kann im Körper aber unheimlichen Schaden anrichten. Die Fakten im Überblick.

Beim Tod des früheren Palästinenserpräsidenten Jassir Arafat spielt Vergiftung mit Polonium 210 möglicherweise eine Rolle. Ein Schweizer Team aus Radiophysikern wies Spuren des Giftes im Körper des Leichnams nach, diese sollen über 18-fach über dem Normalwert liegen. Doch worum handelt es sich bei Polonium 210 eigentlich?

Radioaktives Metall

Polonium 210 ist ein radioaktives Metall, das auch in der Natur vorkommt. Allerdings nur in geringen Mengen, etwa im menschlichen Körper, aber auch in der Luft, Erde und Tabak. Polonium 210 ist das häufigste der mehr als 25 Isotope des Elements Polonium. Schon 0,1 Mikrogramm reichen für einen tödlichen Giftanschlag aus, jährlich werden Schätzungen zufolge aber nur hundert Gramm produziert.

Produktion

Hergestellt wird es normalerweise in Nuklearreaktoren durch den Beschuss von Wismut 209 mit Neutronen. Verwendet wird es in industriellen Ionisatoren die statische Aufladungen verhindern sollen. Früher kam Polonium 210 auch in Satelliten und in Zündern von Kernwaffen zum Einsatz.

Von außen ungefährlich

Ungefährlich ist Polonium 210, wenn es von außen auf den Körper trifft, denn bei der Strahlung handelt es sich um Alphastrahlung, die nur wenige Zentimeter zurücklegen kann. Die menschliche Haut oder etwa ein Blatt Papier kann diese abschirmen, weshalb es leicht zu transportieren ist. Gefährlich wird das Isotop, wenn es in den Körper gelangt, wenn man es etwa einatmet, trinkt oder es durch Wunden in den Blutkreislauf kommt.

Schädigung von DNA und Zellen

Ein großer Teil wird vom Körper zwar ausgeschieden, ein Rest bleibt jedoch im Blutstrom und kommt von dort in die Gewebe und Organe. Die Alphastrahlung schädigt dort die Zellstruktur, die DNA und schließlich die Zellen. Besonders schwerwiegend ist das bei Zellen, die sich schnell teilen, etwa bei Knochenmarks- oder Darmzellen. Symptome treten je nach Dosis schnell oder erst nach ein paar Wochen auf.

Schwindel, Blutungen, Haarausfall

Zuerst erinnern die Symptome an eine Nahrungsmittelvergiftung, meist fängt es mit Schwindel und Kopfschmerzen an, Übelkeit, Durchfall und Müdigkeit kommen nach und nach hinzu. Später treten Haarausfall und Blutungen etwa aus der Nase, dem Mund und Rektum auf, damit verbunden kommt es zu Blutarmut. Nicht immer ist der Tod die Folge einer Vergiftung, aber die Alternativen sehen nicht viel besser aus. Bei niedrigeren Dosen kommt es häufig zu Leber- und Blasenkrebs und auch Leukämie.

Halbwertszeit 50 Tage

Die Halbwertszeit von Polonium 210 beträgt 138 Tage, im menschlichen Körper jedoch nur 50 Tage, danach ist nur mehr die Hälfte des Isotops im Körper nachweisbar. Dieser verringerte Wert ergibt sich dadurch, dass ein Großteil von Polonium 210 gleich ausgeschieden und so eliminiert wird. Deshalb ist auch ungewiss, ob die im Leichnam des ehemaligen Palästinenserpräsidenten gefundenen Spuren von Polonium 210 eine Vergiftung eindeutig beweisen können.

 

(Red.)