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"Moment der Schande": Stierkampf nun gesetzlich geschützt

Stierkampf in Madrid.
Stierkampf in Madrid.(c) EPA (VICTOR LERENA)

Die traditionellen Stierkämpfe wurden nun gesetzlich als "immaterielles Kulturgut" erklärt. Auch ein Aktionsplan zur Förderung des blutigen Spektakels ist vorgesehen. Gegner: "Ein Moment der Schade".

Das Madrider Parlament verabschiedete am Mittwoch ein Gesetz, das den Stierkampf einem besonderen Schutz unterstellt - es wurde zu einem "immateriellen Kulturgut" erklärt. Anhänger des Stierkampfs sprechen von einem historischen Augenblick, für Gegner ist das Gesetz "nicht zeitgemäß".

Mit dem Parlamentsbeschluss wird die so genannte "Corrida", die in der heutigen Form in Spanien seit vier Jahrhunderten besteht, zum ersten Mal in der Geschichte gesetzlich anerkannt. "Dies war das Beste, was der Welt des Stierkampfes passieren konnte", sagte der Präsident des katalanischen Branchenverbands, Luis Gibert, der Zeitung "El Pais".

Beschluss teilt das Land in zwei Lager

Der Parlamentsbeschluss machte zudem deutlich, dass der Stierkampf die spanische Gesellschaft in zwei Lager teilt. Nur die konservative Volkspartei (PP) stimmte für das Gesetz und sorgte mit ihrer absoluten Mehrheit für die Verabschiedung. Die Sozialisten (PSOE) enthielten sich und bezeichneten das Vorhaben als "überflüssig". Die Vereinte Linke (IU) qualifizierte die Kämpfe als "verwerflichen Akt".

Die Initiative zu dem Vorhaben war von einem Volksbegehren ausgegangen. Anhänger des Stierkampfes hatten dazu 600.000 Unterschriften gesammelt. Das Gesetz sieht eine Reihe von Maßnahmen zum Schutz und zur Förderung des Stierkampfes vor. Die Regierung wird aufgerufen, einen "nationalen Plan" aufzustellen.

Tierschützer aus aller Welt gegen Gesetz

Tierschützer aus aller Welt hatten vergeblich an die Parlamentarier appelliert, den Gesetzentwurf zurückzuweisen. "Stiere zur Unterhaltung des Publikums zu quälen, gehört zu einer finsteren Vergangenheit und nicht ins 21. Jahrhundert", schrieb die US-Schauspielerin Pamela Anderson in einem offenen Brief an die Abgeordneten. Der Deutsche Tierschutzbund warnte davor, ein grausames Schauspiel als Kulturerbe zu tarnen, und betonte: "Nur ein generelles Verbot wäre zeitgemäß."

Blutige Tradition höchst umstritten

Die blutige Tradition gilt in Spanien als umstritten. In Katalonien sind Stierkämpfe seit einem Beschluss des Regionalparlaments im vergangenen Jahr gesetzlich verboten.

Mit dem jetzt verabschiedeten Gesetz wird das Verbot in Katalonien nicht aufgehoben. Es wird auch nicht grundsätzlich verhindert, dass andere Regionen den Stierkampf ebenfalls für illegal erklären. Die Anerkennung als Kulturgut ist eher eine Geste symbolischer Natur, die den Staat kaum zu konkreten Maßnahmen zwingt.

Es scheint auch fraglich, ob das neue Gesetz an der schweren Krise etwas ändern wird, in welcher der Stierkampf seit Jahren steckt. Da die Gemeinden in Spanien eisern sparen müssen, ist vor allem in kleineren Orten kein Geld für das Spektakel vorhanden. In den vergangenen fünf Jahren ging die Zahl der Kämpfe um fast die Hälfte zurück. Die Besucher sind überwiegend ältere Leute. Mehr als vier Fünftel der jungen Spanier wollen von Stierkämpfen nichts wissen.

(APA/dpa)