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"Gammelfleisch"-Skandal: Was hat Österreich gelernt?

Die Lehren aus dem Fleischskandal vom Frühjahr: Österreich hat strengere Gesetze, aber keine verstärkten Kontrollen (Archivbild).
Die Lehren aus dem Fleischskandal vom Frühjahr: Österreich hat strengere Gesetze, aber keine verstärkten Kontrollen (Archivbild).EPA
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In Deutschland droht ein neuer Skandal um verdorbenes Fleisch. Österreich verschärfte nach dem Pferdefleischskandal die Gesetze, verstärkt kontrolliert wird aber nicht.

Wien. Bis zu 100.000 Kilogramm Gammelfleisch sollen in einem Betrieb in Deutschland verkauft worden sein. Pro Woche. Wenn die Vorwürfe von Mitarbeitern eines niedersächsischen Betriebs stimmen, steht Deutschland vor einem neuen Fleischskandal.

Dabei ist der jüngste, der auch Österreich betroffen hat, noch gar nicht so lange her: Im Februar dieses Jahres schlug der sogenannte Pferdefleischskandal europaweit monatelang hohe Wellen - wobei es damals nicht um verdorbenes, gesundheitsgefährdendes Fleisch ging, sondern um falsche Etikettierung: (Billigeres) Pferdefleisch wurde im großen Stil in andere Fleischprodukte gemengt, ohne dass dies entsprechend gekennzeichnet wurde. Politiker und Kontrollore zeigten sich damals betroffen. Doch was ist seither passiert?

Zunächst einmal hat der Pferdefleischskandal zu einer Verschärfung der Gesetzeslage geführt. Die von Gesundheitsminister Alois Stöger angekündigten höheren Strafen für die falsche Kennzeichnung von Lebensmitteln sind tatsächlich in Kraft getreten: Seit August sind dank einer Novelle im Lebensmittelsicherheits- und Verbraucherschutzgesetzes erstmals auch Haftstrafen (bis zu sechs Monate) vorgesehen. Die Zahl der Verurteilungen habe sich seither nicht verändert, heißt es. Man setze aber auf die präventive Wirkung der erhöhten Geldstrafen (bis zu 100.000 Euro im Wiederholungsfall). Ab 2014 muss zudem EU-weit die Herkunft von Fleischwaren gekennzeichnet sein - bisher ist dies in Österreich nur bei Rindfleisch Pflicht.

Keine verschärften Kontrollen

Der Skandal hat auch dazu geführt, dass im Februar und März von der Lebenmittelaufsicht verstärkt Fleischproben gezogen und auf Pferde-DNA untersucht wurden. Dabei konnte in „nur" sieben von 659 Proben nicht deklariertes Pferdefleisch nachgewiesen werden. Zudem hat sich dabei der Verdacht, es könnte sich teils um ausrangierte Turnierpferde handeln, deren Fleisch mit Medikamenten verunreinigt sei, nicht bestätigt: In keiner einzigen Probe konnten Arzneimittel nachgewiesen werden.

Seit dem Frühling wurde in Österreich kein einziges Mal nicht deklariertes Pferdefleisch gefunden. Allerdings wird mittlerweile längst nicht mehr so intensiv kontrolliert wie zum Höhepunkt des Skandals. Das sei auch gar nicht notwendig, sagt Alexander Hengl vom Wiener Marktamt. Die Kontrollen - in Wien sind 80 Lebensmittelinspektoren und fünf Veterinärmediziner zuständig - seien sowieso „sehr streng": Wäre die Pferde-DNA nicht erst in Irland nachgewiesen worden, „wäre sie früher oder später bei uns entdeckt worden", so Hengl.

Deutschland: Tausende Tonnen verdorbenes Fleisch  aufgekauft

Ob vom aktuellen deutschen Fall auch Österreich betroffen ist, weiß man noch nicht. „Bis jetzt gibt es dafür keine Hinweise", sagt ein Sprecher von Gesundheitsminister Stöger. Der jüngste Fleischskandal in Deutschland ist durch einen Bericht der ARD an die Öffentlichkeit gelangt. Demnach hat ein fleischverarbeitender Betrieb in Niedersachsen tausende Tonnen verdorbenes Fleisch billig aufgekauft, anschließend mit frischem Fleisch gemischt und umetikettiert.

In dem Bericht wird ein Ex-Mitarbeiter der Fabrik mit den Worten zitiert: „Es wird auch Fleisch geliefert, das schon grün ist. Wir Arbeiter weisen zwar darauf hin, dass das Fleisch schlecht ist. Aber dann müssen wir es doch verarbeiten und in die Maschinen werfen."
Er und ein anderer Mitarbeiter hätten auch heimlich mit dem Handy Videos aufgenommen. Als sie ihrem Arbeitgeber aber illegale Machenschaften vorwarfen, seien sie gekündigt worden. Die Staatsanwaltschaft Oldenburg hat jetzt Ermittlungen gegen den Betrieb eingeleitet. Ein Sprecher des Ministeriums erklärte aber, dass derzeit keine Hinweise vorlägen, dass verdorbenes Fleisch in den Verkehr gekommen sei.

(gb/mpm/APA)