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Warum eine "Crowd" kreativer ist

Susanne Roiser wollte wissen, was die Qualität von Ideen bei Crowdsourcing-Wettbewerben beeinflusst. Ihr Ergebnis: Der Zufall spielt eine entscheidende Rolle.

Dass die sogenannte Crowd – eine Menschenmenge im Internet – oft bessere Ergebnisse liefert als hochkarätige Fachleute, hat sich inzwischen herumgesprochen; auch bei Firmen, die das Crowd-Potenzial immer öfter über Wettbewerbe anzapfen und für die besten Ideen mit (vergleichsweise lächerlichen, doch das nur am Rande) Belohnungen winken. Susanne Roiser wollte in ihrer Dissertation (WU Wien, Betreuer: Nikolaus Franke) wissen, ob es so etwas wie eine optimale Ausschreibung für Kreativ-Ideen gibt, die möglichst viele gute Ideen liefert.

In der Literatur werden zahlreiche Erfolgsfaktoren genannt: etwa dass vorab besonders gut geeignete Ansprechpersonen herausgefiltert werden sollten, dass die Motivation zur Teilnahme über Preise und Incentives funktioniert, oder wie der Wettbewerb optisch gestaltet und an die Zielgruppe kommuniziert werden soll. Aus der Analyse der Ergebnisse von Wettbewerben ließ sich bis dato kein eindeutiges Erfolgsmuster ableiten: Selbst identisch gestrickte Bewerbe funktionieren einmal und können beim nächsten Mal danebengehen. Roiser vermutete deshalb, es müsse einen weiteren wesentlichen Faktor geben, an den nur noch niemand gedacht hatte – und nahm den Zufall unter die Lupe.

Im Rahmen einer Ideensuche zu Apps, die den Alltag erleichtern, analysierte die Betriebswirtin 22 in der Literatur häufig genannte Einflussfaktoren und stellte sie dem Zufall gegenüber. Mit „glasklarem Ergebnis“, wie sie sagt: Zufall ist König – und zwar haushoch.

Ein Befund, der der Intuition widerspricht: So könnte man zum Beispiel annehmen, dass Leute, die am Puls der Zeit sind, den App-Markt gut kennen und wissen, was an Neuerungen gefragt ist, eher originelle Konzepte entwickeln als Smartphone-Neulinge; dass ein attraktiver Preis die Kreativität anspornt; oder dass Feedback auf Ideen bzw. direkte Kommunikation in der Crowd das Endergebnis verbessert. Nichts von alledem fand Roiser in den über 36.000 simulierten Crowdsourcing-Wettbewerben aus Daten von fast 1100 Einreichungen. Nur auf einem einzigen Weg ließ sich der Zufall austricksen: über die Menge.

Es ist also nicht nötig, viel Geld in ausgeklügelte Wettbewerbdesigns zu stecken, nach den „besten“ Leuten zu suchen oder mit tollen Preisen zu locken. Wichtig ist nur, dass möglichst viele Menschen mitmachen. Dann werden – wenn es der Zufall will – auch ein paar gute Ideen darunter sein.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 10.11.2013)