Dieser Browser wird nicht mehr unterstützt

Bitte wechseln Sie zu einem unterstützten Browser wie Chrome, Firefox, Safari oder Edge.

Ein letztes Geschenk zum Jubiläum des Wiener Musikvereins

(c) Clemens Fabry
  • Drucken

Jasminka Stancul und die Wiener Symphoniker unter Luisi mit Schmidt.

Eine letzte Uraufführung noch: Der Reigen an Novitäten zur Feier des 200. Geburtstags der Gesellschaft der Musikfreunde war lang. Viele prominente Zeitgenossen steuerten Musik zum über zwei Spielzeiten ausgedehnten Fest bei. Manche waren rechtzeitig fertig, manche kamen zu spät, wie im wirklichen Leben. Dass sich freilich eine nie gespielte Komposition eines jener Komponisten finden würde, dessen Werke zu Lebzeiten besonders häufig im Goldenen Saal uraufgeführt wurden, war nicht abzusehen. Doch trat der Glücksfall ein.

Von Franz Schmidt pflegen Musikverein und dessen Singverein das Oratorium „Das Buch mit sieben Siegeln“ regelmäßig. Das populärste Stück aus dem Werkkatalog dieses Meisters bleibt aber doch das Zwischenspiel aus der Oper „Notre Dame“. Schmidt hat es mehrfach verwertet. Für den symphonischen Konzertgebrauch gibt es Intermezzo und „Karnevalsmusik“, die – in umgekehrter Reihenfolge – auch die ersten beiden Sätze eines Klavierkonzerts bilden, dessen launiges Rondofinale aus der Musik zur ersten Szene des ersten Akts besteht.

 

Locker gefügter Kontrapunkt

Die Originalpartitur kam jüngst in den Besitz der Nationalbibliothek – und Jasminka Stancul am Fazioli musizierte mit den Wiener Symphonikern und Fabio Luisi nun die späte Uraufführung dieser launigen, für den Repertoiregebrauch mit etwa 20 Minuten Länge aber doch etwas knappen „Konzertfantasie“, die vermutlich vor der Finalisierung der Opernpartitur entstanden sein dürfte. Die Musik des Zwischenspiels ist noch karger gesetzt als in der bekannten Variante, gibt aber der Pianistin Gelegenheit, in einem zweiten Anlauf quasi improvisierend wie in einer großen Kadenz raffiniert klangliche Schattierungskünste zu demonstrieren.

Stancul machte davon herzhaft Gebrauch, verlor aber auch in den raschen Ecksätzen nicht die nötige Leichtigkeit, die Schmidts scheinbar locker gefügte, im Grunde aber doch immer kontrapunktisch verdichtete Musik braucht, um den gefragten, beinah schwerelos leichten Ton zu behalten – der dieses bewusst „unterhaltend“ konzipierte Werk in Gegensatz zu einem bekenntnishaften Abschiedspoem stellt, das Luisi für den Hauptteil seines Programms wählte: Mahlers Neunte Symphonie . . . sin

Übertragung in Ö1: 24. 11. (19.30 h)

("Die Presse", Print-Ausgabe, 11.11.2013)