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Berge kommen zu den Propheten

Konservatoriumsstudenten spielen die "Bilder einer Ausstellung" im Einkaufszentrum. Für Aufregung wird jedenfalls gesorgt sein.

Da werden einige Damen und Herren nicht schlecht staunen. An Berieselungsmusik aller Art hat man sich ja längst gewöhnt. Hie und da schrummt sogar die „kleine Nachtmusik“ am helllichten Tag durch Shoppingmalls, meist freilich nur der Beginn des ersten Satzes, gleich abgelöst von einem Johann-Strauß-Walzerfragment oder ähnlich Populärem.

Diesmal erklingen aber die „Bilder einer Ausstellung“ – unverkürzt und vor allem: live. Johannes Wildner, findiger Dirigent mit einiger Praxis im Nutzen ungewöhnlicher PR-Strukturen für die sogenannte Klassik, übernahm jüngst die Leitung des Symphonieorchesters der Konservatorium-Privatuniversität in Wien. Und er sieht die Sache so: Die Wiener Konzertsäle und Opernhäuser sind zwar voll, voller, am vollsten. Doch schätzt Wildner das Potenzial an Menschen, die für Mozart, Beethoven und durchaus auch Modest Mussorgsky zu begeistern sind, wesentlich höher ein.

Die Musikkultur, die ja von allen gefördert wird, soll auch für möglichst alle zugänglich sein. So kommt also jetzt eines der populärsten Werke des symphonischen Repertoires zum Publikum. Die Musikanten des Konservatoriums bevölkern drei Etagen im Einkaufszentrum Wien Mitte und spielen Maurice Ravels Orchesterarrangements von Mussorgskys wahrlich pittoreskem Klavierzyklus.

Wie das technisch funktionieren wird, steht noch in den Sternen – oder im funkelnden Lichtdesign der neuen Einkaufsmeile. Aber für Aufregung wird jedenfalls gesorgt sein. Und wenn auch nur die Aufmerksamkeit einiger Kauflustiger darauf gelenkt wird, dass die Musik, die sonst mehr oder weniger dezent aus Lautsprechern auf uns einströmt, von wirklichen Menschen gemacht wird; allein diese Erkenntnis wäre einen Ausflug auf die Landstraße wert: heute, 17 Uhr.

E-Mails an: wilhelm.sinkovicz@diepresse.com

 

("Die Presse", Print-Ausgabe, 11.11.2013)