Der Bischof von Limburg, dem der Papst eine Auszeit verordnet hat, fühlt sich verraten. Er habe sich von den falschen Leuten beraten lassen, sagt er in einem Interview.
So viel in den den vergangenen Wochen auch über ihn unter dem Signum "Protz-Bischof" geschrieben und berichtet wurde, Franz Peter Tebartz-Van Elst hat sich selbst bedeckt gehalten. Nun hat er sich zu Wort gemeldet, in einem Interview mit dem "Vatican Magazin", das im Oktober während seines Aufenthalts in Rom geführt wurde, aber erst jetzt erschienen ist.
Der Tenor: Tebartz-Van Elst sieht sich als Opfer falscher Berater, denen er vertraut habe: Es tue weh, wenn man dabei enttäuscht und verraten werde, sagte der Limburger Bischof, der unter anderem wegen der exorbitanten Kosten für seinen neuen Bischofssitz in die Kritik gekommen ist.
"Entscheidungen wurden kollegial getroffen"
Diesen Vorwurf weist er vehement zurück: "Protz und Prunk sagen mir nichts", zitiert ihn die Zeitschrift. Das neue Bischofsshaus sei nicht protzig, Tebartz-Van Elst bevorzugt das Adjektiv "wertig". Es sei ein Haus der Begegnung. Im übrigen seien die nun kritisierten Entscheidungen allesamt kollegial getroffen worden, auch wenn letztlich nur seine Unterschrift unter den Papieren stehe.
Es ist bezugsfertig, das neue Diözesane Zentrum "St. Nikolaus" des Bistums Limburg. Schon bevor Franz-Peter Tebartz-van Elst zum Diözesanbischof ernannt wird, stand der Beschluss eines Neubaus in unmittelbarer Nähe zum Dom fest. Das Bistum hatte für den Neubau 5,5 Millionen Euro eingeplant. Im Mai 2010 rollten die Bagger an. (c) REUTERS (WOLFGANG RATTAY)
Zwei Jahre vor Baubeginn übernimmt er die Geschicke der Diözese: Am 20. Jänner 2008 wird Franz-Peter Tebartz-van Elst als neuer Bischof im Limburger Dom eingeführt. Vor seinem Amtsantritt war Weihbischof in Münster. Mit 48-Jahren ist er der jüngste deutsche Diözesanbischof zu diesem Zeitpunkt. Für gröbere Querelen rund um den anstehenden Neubau gibt es bis dahin noch keine Anzeichen. (c) imago stock&people (imago stock&people)
Zu dem neuen Ensemble gehört auch die alte Vikarie, ein hoher Fachwerkbau aus dem 15. Jahrhundert (hier rechts im Bild), die aufgrund der historischen Bausubstanz besonders mühsam renoviert werden muss. Hier ist die Verwaltung des Bistums eingezogen. Im ersten Stock liegt das Büro des Bischofs mit Blick auf den Dom. Noch am 29. Juni 2013 heißt es vonseiten des Bistums, die Baukosten hätten sich auf 9,85 Millionen erhöht. (c) imago stock&people (imago stock&people)
Im September 2013 ist plötzlich die Rede von Kosten zwischen 15 bis 20 Millionen Euro. Ein Sprecher des Bischofs argumentiert dies mit den Anforderungen des Denkmalschutzes. Dass die Kostensteigerung mit den Spezialwünschen des Bischofs für seine Privatwohnung in Verbindung steht, weist der Sprecher stets zurück. Der Bischof wird auf 120 Quadratmetern leben, 200.000 Euro waren für die Wohnung veranschlagt. (c) EPA (FREDRIK VON ERICHSEN)
Am 7. Oktober nennt das Bistum schließlich die endgültige Summe: 31 Millionen Euro kostete der Neubau und die Sanierungsarbeiten. Medien spekulieren sogar mit Baukosten von bis zu 40 Millionen Euro. (c) imago stock&people (imago stock&people)
Die umstrittene Kapelle (im Bild) habe wie geplant 300.000 Euro gekostet, sagte Tebartz-van Elst noch vor einem Jahr. "Es gibt hier keinen Protz und Prunk", sagte er der Frankfurter Rundschau bei einem Rundgang Ende 2012. „Eine Kapelle gibt es in jedem Bischofshaus der Welt“, sagt Tebartz-van Elst. Innen ist die Kapelle übrigens weiß ausgemalt und hell gestaltet. (c) EPA (FREDRIK VON ERICHSEN)
Von einem Innenhof gelangt man in alle Gebäudeteile des Ensembles. Was die Kostenfrage betrifft, wird der Bischof auch vom Architekten, Michael Frielinghaus, nicht entlastet. Er sagte der "Süddeutschen Zeitung", der Bischof habe als Bauherr von Anfang an gewusst, "was da für Kosten auf ihn zukommen". (c) imago stock&people (imago stock&people)
Abgesehen von der Kosten- und Moralfrage, sind Besucher des Diözesanzentrums von der Architektur durchaus angetan. Von "spektakulärer Architektur" schreibt etwa Dieter Bartetzko in der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung". (c) imago stock&people (imago stock&people)
Der Neubau beim Limburger Domberg wurde zwar von seinem Vorgänger Franz Kamphaus angestoßen, die Durchführung oblag aber Tebartz-van Elst. (c) imago stock&people (imago stock&people)
Dieser Bau erzürnt nicht nur Limburg
Papst Franziskus hat Tebartz-Van Elst im Oktober in Rom empfangen und ihm eine nicht näher definierte Auszeit verordnet, die der Bischof im niederbayrischen Benediktinerkloster Metten verbringt. Während in der Diözese eher nicht mit seiner Rückkehr gerechnet wird, legen die Aussagen des Bischofs nahe, dass er fest daran glaubt, seinen bisherigen Platz wieder einzunehmen.
Der umstrittene Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst darf nach einer zwei- bis dreimonatigen Auszeit nach Limburg zurückkehren. Der Vatikan will damit Loyalität zeigen.
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