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Neuer US-Superträger USS "Gerald R. Ford" getauft

Taufe der
Taufe der "Gerald R. Ford" in Newport News, Virginiaimago stock&people

Die Schiffe der neuen gleichnamigen Flugzeugträger-Klasse sollen in den kommenden Jahrzehnten die zehn Träger der "Nimitz"-Klasse ablösen. Das kostet vorerst mehr als 13 Milliarden Dollar pro Stück.

In Österreich wird der frühere US-Präsident Gerald Ford (Amtszeit 1974-77, ein Republikaner) wohl für immer vor allem wegen seiner legendären Ankunft auf dem Salzburger Flughafen im Juni 1975 im Gedächtnis bleiben: Ford, der in Österreich auch Ägyptens Präsident Anwar as-Sadat traf, rutschte beim Abstieg auf der regennassen Gangway der Präsidentenmaschine aus und schlitterte auf dem Hintern die Stufen hinab auf den Asphalt, wo ihm Österreichs Bundeskanzler Bruno Kreisky und ein Flugzeugoffizier rasch auf die Beine halfen.

Fords Salzburger Treppensturz, Juni 1975
Fords Salzburger Treppensturz, Juni 1975UT Center of American History

Nun steht der Name Fords (1913-2006), der die USA eher glücklos führte und nicht verhindern konnte, dass sein Land nach dem Vietnamkrieg auch noch in tiefe wirtschaftliche Rezession fiel, für ein gewaltiges Symbol der Macht: Die US-Marine taufte am Wochenende das erste Schiff einer neuen Generation riesiger nuklearer Flugzeugträger auf den Namen „Gerald R. Ford". In Dienst gestellt werden soll es 2016, wegen der heiklen Budgetlage könnte es auch 2018 werden.

Bisher wohl teuerstes Kriegsschiff

Dabei soll es sich um das technisch modernste aller bisherigen Kriegsschiffe handeln, um eines der größten, aber wohl auch um das teuerste: Betrugen bereits die ursprünglichen Kostenplanungen der Jahre 2005-08 fast acht Milliarden Dollar, werden die Kosten jetzt schon mit fast 13 Milliarden Dollar angegeben. Dazu bemäkelt das Budget-Büro des US-Kongresses, dass weitere 4,7 Mrd. Dollar an Entwicklungsgeldern noch nicht einmal einberechnet seien.

Simulation der fertigen Ford
Simulation der fertigen Fordnavsource.org

Zum Vergleich: Der erste Atomflugzeugträger der USA (und der Welt), die 1961 in Dienst gestellte USS „Enterprise", hatte Baukosten von - auf den heutigen Geldwert umgelegt - rund 3,4 Milliarden Dollar. Man ließ es deshalb auch bei nur einem statt geplanter sechs Schiffe dieser Serie bewenden und setzte bei den nächsten paar Trägern wieder auf herkömmliche Ölantriebe.

Die aktuelle „Nimitz"-Klasse, die unmittelbare Vorgängerin der „Ford", kam pro Schiff (ohne Betriebskosten) auf zwischen 4,5 und sechs Milliarden Dollar. Navy-Offiziere erinnern freilich daran, dass die ersten Schiffe einer neuen Klasse in der Regel immer teurer sind als ihre Nachfolger.

Fords Tochter als Taufpatin

Die Taufe der Ford erfolgte jedenfalls traditionsgemäß, indem man in der Schiffswerft Huntington Ingalls in Newport News (Virginia) eine Flasche Champagner auf ihr zerschellen ließ. Als Taufpatin fungierte die Tochter Fords, Susan Ford Bales. Die 56jährige Schriftstellerin und Fotografin beschwor dabei natürlich Gottes Schutz und Schirm für die künftige Crew, die an Bord des Trägers „der Gefahr entgegenfahren" werde.

Die Ford gibt als erstes Schiff der neuen Klasse - als „Typschiff" - der gesamten Klasse ihren Namen; diese soll bis zu zehn Einheiten umfassen und die bisherigen zehn Superträger der in den 1970ern eingeführten Nimitz-Klasse ablösen - ein Vorgang der viele Jahrzehnte dauern wird: Immerhin ist das letzte Schiff der Nimitz-Klasse, die USS „George H. W. Bush", erst seit 2009 in Dienst und soll das noch bis in die 2050er bleiben.

Grundsätzlich werden die Schiffe der Ford-Klasse 90 bis 100 Luftfahrzeuge (vor allem Flugzeuge) tragen können und mit einem Mix aus Luftabwehrraketen und Fla-Kanonen bewaffnet sein. Mit einer Länge und Breite von rund 337 bzw. 78 Metern sind sie jeweils ein paar Meter größer als die Nimitz-Träger und weisen etwa deren Verdrängung auf (102.000 Tonnen im Vergleich zu 100.000 bis 105.000 Tonnen der Nimitzklasse). Das noch heute längste Kriegsschiff, die „Enterprise", maß 342 Meter, wurde aber 2012 außer Dienst gestellt.

Montage der "Insel" auf dem Träger, im Vordergrund Fords Tochter Susan Ford Bales, Jänner 2013U.S. Navy (Nathanael Miller)

Der Atomantrieb verleiht der Ford-Klasse mit nur einer Füllung eine fast unbegrenzte Laufstrecke über 20 bis 25 Jahre. Vor allem aber, wie der Stabschef der US-Navy, Admiral Jonathan Greenert betont, stellten das gesamte Design und die Ausrüstung der Ford-Klasse eine Novation und ein „technologisches Wunder" dar. Neuartig sind etwa die Radarsysteme und die Ausmaße und Positionierung der „Insel", das ist der auffällige Kommandoturm. Die Rede ist von Laserwaffen, vermutlich zur Raketenabwehr.

Kein Dampf mehr in den Katapulten

Statt mit dampfbetriebenen Katapulten werden Flugzeuge beim Start mit elektromagnetisch betriebenen Katapulten (EMALS) beschleunigt. Das ruft aufgrund der komplett neuen Technik zwar auch Kritiker auf den Plan, dafür heißt es, dass man künftig keinen Dampf mehr produzieren und lagern müsse und pro Tag 25 Prozent mehr Flugzeugstarts (das wären insgesamt etwa 220) bewältigen könne.

Verbessert sind auch die Wasserversorgungssysteme, die es erlauben sollen, dass sich jedes Besatzungsmitglied täglich duschen kann. Dabei soll die Besatzung auf etwa 4600 Mann schrumpfen, das wären 700 bis 1000 weniger als auf der Nimitz-Klasse, wodurch zumindest die Personalkosten sinken würden.

Gerald Ford bei der Navy, 1945US Department of Defence

Präsident Ford, ein Mann aus dem Präriestaat Nebraska, hatte als Jugendlicher ebenfalls auf einem Flugzeugträger gedient: Auf der USS „Monterey", einem im Zweiten Weltkrieg schnell gebauten leichten Träger für etwa 35 Flugzeuge, der im Pazifik im Einsatz gegen die Japaner war, etwa im Raum der Marianen, Neuguinea und in der Schlacht in der Philippinensee (Juni 1944). Man hatte den schwer kranken Ford noch wenige Wochen vor seinem Tod im Dezember 2006 davon informiert, dass er Namensgeber der neuen Schiffsklasse sein werde.

Keiner hat einen Größeren

Neben den USA besitzt derzeit nur Frankreich mit der „Charles de Gaulle" einen großen Atomflugzeugträger, aber auch der ist mit 42.000 Tonnen Verdrängung und 28 bis 40 Fluggeräten kaum halb so groß wie die Superträger der Amerikaner. Die US-Navy hat zudem noch neun kleinere Träger - vergleichbare Kleinträger bzw. amphibische Angriffsschiffe mit oft vorwiegend Hubschraubern drauf betreiben noch Frankreich (drei), Großbritannien, Italien und Spanien (je zwei), Russland, Brasilien, Indien, Südkorea, China und Thailand (je eines).

USS
USS "Enterprise" (im Vorjahr außer Dienst gestellt) im Vergleich mit der französischen "Charles de Gaulle", anno 2001US Navy