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Stenzel: Autotunnel unter dem Schwedenplatz

Dann gratuliere ich zum Megastau“ – Ursula Stenzel, Bezirkschefin der City, in ihrem Büro in der Innenstadt.
Dann gratuliere ich zum Megastau“ – Ursula Stenzel, Bezirkschefin der City, in ihrem Büro in der Innenstadt.Die Presse (Clemens Fabry)
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Der Schwedenplatz soll neu gestaltet werden. Ursula Stenzel, ÖVP-Bezirksvorsteherin der Wiener Innenstadt, schlägt nun vor, den Verkehr in den Untergrund zu verlegen.

Die Presse: Sie fürchten, dass die geplante Neugestaltung des Schweden- und Morzinlatzes zur PR-Aktion verkommt. Warum?

Ursula Stenzel: Wenn nicht schnell ein wirklich guter Wettbewerb mit entsprechender Dotierung ausgeschrieben wird, kommen wir über die vagen Leitlinien nicht hinaus. Die wesentliche Frage ist: Werden es künftig nur ein paar Bäume, Bänke und Trinkbrunnen mehr - oder wird es eine große Lösung?s

Was glauben Sie?

Es wird - wie immer in Wien - eine kleinere Lösung. In den Leitlinien ist zwar von mehr Fußgängerübergängen und besserer Organisation des öffentlichen Verkehrs die Rede, aber warum denkt man nicht in größeren Maßstäben? Man könnte den Verkehr in dem Abschnitt des Franz-Josef-Kais unter die Erde legen.

Das ist vermutlich technisch schwierig und sicher teuer.

So unmöglich ist ein Tunnel unter dem Schwedenplatz trotz U-Bahn und Tiefgaragen nicht. Und was wäre die Alternative? Den Leitlinien zufolge soll der motorisierte Individualverkehr am Franz-Josefs-Kai auf ein nötiges Minimum reduziert werden. Was heißt das? Will man eine Fahrbahn wegnehmen?

Ein Verkehrsexperte bejaht das.

Wenn man das macht, gratuliere ich zum Megastau auf dem Ring - samt Überschwappen auf den Rest der Stadt. Das ist nur eine Methode, um den Leuten das Auto abzugewöhnen. Man kann sich wünschen, dass die Menschen auf das Auto verzichten, aber es ist unrealistisch. Bevor ich daher durch Fahrbahnraub den Autoverkehr künstlich derart einschränke, dass man nicht mehr flüssig durch die Stadt kommt, plane ich den Verkehr lieber anständig unter der Erde.

Aber in dem Leitbild, das Sie selbst unterfertigt haben und in das auch die Ideen der Bürger eingeflossen sind, ist von einem Tunnel keine Rede. Offenbar wollten die Leute das nicht.

Man hat sie nicht so gefragt, dass sie auf die Idee gekommen wären.

Da Sie von einer „großen Lösung" gesprochen haben: So eine haben Sie einmal für die ganze City angedacht - Stichwort: Citymaut.

Und ich bin damals auf einen Sturm der Entrüstung gestoßen. Seitdem bin ich vorsichtiger geworden. Man könnte die Citymaut aber indirekt einheben, und zwar über die Erhöhung der Parkgebühr. Je länger man in der Innenstadt parkt, desto teurer sollte es werden.

Sie können ja mit Maria Vassilakou bekanntlich besser als mit deren SPÖ-Vorgänger, Rudolf Schicker . . .

Stimmt. Wobei: Manches ändert sich nicht. Für eine anständige Sanierung des Bodenbelags auf dem Stephansplatz etwa gibt es auch jetzt kein Geld von der Stadt. Statt kaputte Pflastersteine zu ersetzen, gießt man die Lücken mit Asphalt aus. Ein hässlicher Fleckerlteppich.

Abgesehen vom Fleckerlteppich: Herrscht zwischen Vassilakou und Ihnen Einigkeit - etwa über die Rolle der Radfahrer, konkret auf dem neuen Schwedenplatz?

Klar ist, dass Fußgänger Vorrang haben und Radwege optimiert werden sollen. Ich warne aber vor Lösungen, die in Richtung Begegnungszone gehen. Das führt zu Konflikten, die zulasten der Schwächeren gehen. Und ich will sicher keine Radrennstrecken.

Apropos Konflikt: Der erste Bezirk wird Runde-Tisch-Veranstaltungen zum Schwedenplatz machen. Dabei geht es nicht um Stadtplanung, sondern um das Nachtleben. Was erhoffen Sie sich davon?

Ich will keinen Versuch ungenützt lassen. Wenn die Lokalszene im Bermudadreieck so bleibt, wie sie ist, ändert sich aber sowieso nichts. Wer Polterabende und Flatrate-Trinken propagiert, zieht ein gewisses Publikum an.

Wie würden Sie sich denn eine City-Partymeile vorstellen?

Ursprünglich dachten die Stadtpolitiker an ein Viertel wie Montmartre in Paris: belebt, lustig, nett. De facto ist es abgeglitten. Das ist für jene Leute, die dort leben und schlafen wollen, schlimm.

Glauben Sie denn, dass das Alkoholverbot im öffentlichen Raum, das Sie propagieren, alle Probleme lösen würde?

Ein örtlich begrenztes Verbot ist kein Allheilmittel, aber die Polizei hätte eine Handhabe gegen betrunkene Menschen, die auf der Straße unangenehm auffallen. Es würde aber schon helfen, würde die Tankstelle auf dem Schwedenplatz keine harten Getränke mehr verkaufen.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 13. November 2013)