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Europa auf dem Pulverfass

Gastkommentar. Immer dreister wird unter muslimischen Familien um Kämpfer für den Jihad in Syrien geworben. Auch in Österreich.

Seit Ausbruch des Bürgerkrieges in Syrien vor mehr als zwei Jahren werden Kämpfer zu Dutzenden aus Österreich und zu Hunderten aus Europa für das dortige Schlachtfeld rekrutiert. Tendenz steigend. Salafistische und radikale Islamistenprediger aus diversen Vereinen und Moscheen rufen zum Jihad in Syrien auf. Alle westlichen Geheimdienste wissen, dass mithilfe der Türkei auch al-Qaida-Kämpfer nach Syrien geschleust werden.

Es gibt inzwischen viel Totengedenken in diversen Familien – ohne dass die Leichen der Gefallenen je ihren Angehörigen in Österreich oder anderswo in Europa überstellt werden. Allein in Wien waren bereits sieben tschetschenische Familien betroffen.

Vor ein paar Tagen beklagte ein Ägypter, dass seine Kinder – ein Teenager und ein junger Mann – in den Jihad in Syrien ziehen wollen, um dort als Märtyrer zu sterben, ins Paradies zu gelangen und dort wie im Schlaraffenland mit schönen junge Frauen ewig zu leben. Der Vater ist verzweifelt, weil ein aus Bosnien stammender Imam sowie zahlreiche seiner Predigerkollegen in Wien Hass gegen andere schüren – vor allem Juden, Christen und Atheisten. Durch Gehirnwäsche gelingt es ihnen auch tatsächlich, Anhänger zu gewinnen. Dieser Imam und seine Gefolgschaft sollen bereits mehrere militärische Übungen in Wäldern rund um Wien absolviert haben.


Gefahr durch Rückkehrer

Familien aus Syrien haben mit ihren Kindern ähnliche Erfahrung gemacht. Ein Beispiel: Türkische und arabische Prediger wollten einen 13-jährigen syrischen Buben unter dem Vorwand, dass er Religion und Arabisch lernen solle, in den Jihad nach Syrien schicken.

Die Familie reagierte alarmiert. Sie wollte es nicht wahrhaben, dass so etwas in Wien passieren kann. Auch der ältere Bruder ist bereits in den Jihad gezogen. Inzwischen hat die Familie Anzeige erstattet.

Es gibt noch viele ähnliche Beispiele aus Österreich und Europa. Am gefährlichsten sind junge Muslime, die mit Unterstützung ihrer Familien während der Schulferien für den Jihad nach Syrien gehen. Wenn sie überhaupt zurückkommen, haben sie Kampferfahrung, können mit Waffen umgehen und Bomben basteln.

Mittel- und langfristig ist das überaus gefährlich. Das Pulverfass, auf dem Europa sitzt, wird immer größer. Aber man soll nicht verallgemeinern. Die meisten Muslime sind friedlich und wollen mit solchem Fehlverhalten nichts zu tun haben. Wenn aber Politiker den radikalen Islam unterstützen, indem sie ihn im Rahmen einer falschen Integrationspolitik sogar subventionieren, sind sie entweder ahnungslos oder von manchen Islamistenführern falsch beraten.

Das müsste endlich aufhören, um das Problem wirklich in den Griff zu bekommen, bevor es zu spät sein wird. Wenn es einmal knallt, dann ist es bereits zu spät.

Unsere Verfassungsschützer wissen zwar viel, aber viele Politiker wollen die Bedrohung noch immer nicht wahrhaben. Das Dilemma kann nur durch verschärfte Gesetze gegen den Terrorismus in den Griff bekommen werden, um Sicherheit und Frieden zu bewahren. Der Terrorismus hat viele Gesichter. Die größte Gefahr geht derzeit vom radikalen Islam aus – in Österreich und in Europa.

Amer Albayati (*1942 in Bagdad) beschäftigt sich mit Islamfragen und arabischer Politik. Er ist Mitbegründer der Initiative Liberaler Muslime Österreich (Ilmö).

E-Mails an: debatte@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 14.11.2013)