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13A: Route mit Hindernissen

Mannsberger
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Der Bus 13A schlängelt sich nun in Richtung Norden durch Seitengassen. Die Anrainer protestieren, die Fahrgäste sind genervt.

Wien. Montagfrüh ist vermutlich nicht die beste Zeit für zivilen Ungehorsam. Die Sympathien halten sich in Grenzen, zumindest die der Fahrgäste im 13A. Wenn draußen, an der Kreuzung Windmühlgasse/Capistrangasse im sechsten Bezirk, einige Anrainer die Weiterfahrt des 13A verhindern, indem sie sehr gemächlich mehrmals über den Zebrastreifen gehen (einer gar provokant im Handstand), dann herrscht im Bus vor allem: schlechte Stimmung und Ungeduld.

Tag eins der neuen Route für den 13A also. Seit gestern, Montag, verkehrt Wiens mit 40.000 Fahrgästen pro Tag meist frequentierte Buslinie nicht mehr auf der Fußgängerzone der Mariahilfer Straße. Nach Protesten der Busfahrer, denen die 210 Meter trotz roter Busspur ob der Passanten zu gefährlich waren, war man auf der Suche nach einer Ausweichroute in Richtung Norden. Mehrere Varianten (Neubaugasse, Zieglergasse) wurden verworfen. Vor rund zwei Wochen hat sich die Stadt für eine eher umständliche Strecke entschieden (siehe Grafik): Der 13A fährt über die Gumpendorfer Straße durch mehrere Seitengassen, ehe er wieder auf die Mariahilfer Straße biegt und (zurück stadtauswärts) mehrere hundert Meter die Begegnungszone bis zur Haltestelle Kirchengasse entlangfährt.

Anrainer-Protest gegen den 13AMannsberger

Benötigte der Bus früher von der Station Neubaugasse bis zur Kirchengasse rund eineinhalb Minuten, sind es nun von der Amerlinggasse bis zur – neuen – 13A-Haltestelle auf der Mariahilfer Straße (Höhe Gerngross) fast fünf Minuten. Im besten Fall. Denn verzögern die Anrainer mit permanentem Über-den-Schutzweg-Gehen die Weiterfahrt, muss man schon mit zehn Minuten rechnen. Montagfrüh musste der 13A überhaupt (wie sonst an den Adventsamstagen) eine Stunde lang zweigeteilt werden, weil ein Flashmob die Windmühlgasse komplett blockiert hatte.

Zufrieden ist an diesem ersten Tag also (fast) niemand: Die Busfahrer müssen in der sehr engen Windmühl- und Capistrangasse und wegen der Proteste erst recht langsam fahren. Die Fahrgäste sind zum Teil überrascht, da sie von der neuen Route nichts wussten, jedenfalls großteils rasch entnervt ob der Zeitverzögerung. Und die Anrainer der ruhigen Seitengassen klagen über Abgase und Lärm: Zu den Stoßzeiten fährt der 13A alle zwei bis sechs Minuten, auch der Nachtbus N71 – ein Detail, das zunächst verschwiegen wurde – wird ab kommendem Wochenende diese Route nehmen. Die Bewohner fordern, auch in zwei Anti-13A-Facebook-Gruppen, ein Ende der neuen Route. Man sei zudem nicht eingebunden gewesen. „Man kann die Leute doch nicht so überrumpeln“, sagt Eva Rotter von der „Initiative gegen den 13A neu“. „Wir haben keine Lobby“, sagt Anrainerin Lore Dullnigg. „Deswegen müssen wir zivilen Widerstand leisten.“

Neue Route der 13a(c) DiePresse

Bezirksrevolte in Rot-Grün

Auch der Bezirk stellt sich hinter die Bewohner. Bezirksvorsteherin Renate Kaufmann (SPÖ) und die Bezirksgrünen haben sich sehr deutlich gegen die neue 13A-Strecke und damit gegen die rot-grüne Stadtregierung ausgesprochen. Für die Grünen ist die Lärmbelastung „nicht tolerabel“. Zudem sei den Bewohnern im Vorfeld versichert worden, dass „kein Anlass zur Sorge“ bestünde. Eine kleine rot-grüne Bezirksrevolte gegen die rot-grüne Stadtregierung also. Die Bewohner wollen jedenfalls weiterhin protestieren und Unterschriften sammeln.

Auch sonst ist seit dem gestrigen Montag einiges neu: Die Buslinie 2B wurde eingestellt, und Autos können die Mariahilfer Straße nun erstmals wieder an einer Stelle – von der Stumpergasse im sechsten in die Kaiserstraße im siebenten Bezirk – queren. Was sie auch taten: Die Stumpergasse war am Montag stark befahren.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 19.11.2013)