OECD sieht Konsum in Österreich schrumpfen

(c) Die Presse (Clemens Fabry)

Arbeitslosigkeit und stagnierende Einkommen drücken den privaten Konsum. Nun droht der erste Rückgang seit dem Jahr 1997.

Wien. Wie sich die Krise auf den Konsum auswirken kann, zeigt sich derzeit in Italien, wo die Ausgaben für Lebensmittel einer aktuellen Erhebung zufolge auf das Niveau der 1960er-Jahre gesunken sind. Jeder zweite Italiener kaufe nur das Notwendigste ein und stürze sich auf Sonderangebote, um über die Runden zu kommen, heißt es in einem Bericht des Handelskammerverbands Unioncamere. So weit ist es hierzulande noch nicht – aber auch in Österreich hält die Konsumschwäche an. Laut dem aktuellen Wirtschaftsausblick der Organisation für Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) soll der private Konsum heuer sogar um 0,2 Prozent zurückgehen. Laut Wifo wäre das der erste Rückgang seit 1997, als Sparmaßnahmen rund um den EU-Beitritt die Ausgaben dämpften.

Die OECD nennt unter anderem die trübe Verfassung des Arbeitsmarktes als Grund für die Konsumflaute, weil es als Folge kaum Einkommenszuwächse gibt. „Die Entwicklung der realen Löhne ist sehr, sehr schwach“, sagt auch Jürgen Bierbaumer-Polly vom Wifo. Die Reallöhne steigen heuer laut Wifo um 0,2 Prozent und nächstes Jahr um 0,3 Prozent. Im Vorjahr sanken sie um 0,1 Prozent – unter dem Strich eine Stagnation.

 

Autokauf wird verschoben

Der private Konsum werde vor allem dadurch gedrückt, dass die Menschen längerfristige Investitionen wie Autos und Möbel zurückhalten, sagt Bierbaumer-Polly. „Bei den Dingen, die täglich benötigt werden, kann man üblicherweise recht wenig zurückstecken.“ Zwischen 80 und 85 Prozent der Konsumausgaben kommen aus dieser Gruppe. „Das wirkt eher stützend für den Konsum.“ Laut dem Ökonomen ist der von der OECD angesagte Konsumrückgang keine Neuigkeit – sondern passt in die Bandbreite der Prognosen: So geht das Wifo in seiner Herbstprognose von einer Stagnation des Konsums aus, das Institut für Höhere Studien (IHS) sieht ihn noch mit 0,2 Prozent im Plus. Laut OECD zieht der private Konsum nächstes Jahr leicht um 0,5 Prozent an und 2015 um 1,1 Prozent.

Auch das österreichische Bruttoinlandsprodukt legt frühestens nächstes Jahr wieder nennenswert zu. Heuer wächst es laut OECD um 0,4 Prozent, 2014 um 1,7 und 2015 um 2,2 Prozent.

Für die Weltwirtschaft sieht die OECD in den kommenden beiden Jahren „eine gewisse Wachstumsbeschleunigung“, wenngleich sie die Prognosen deutlich nach unten gesenkt hat, weil die Schwellenländer nachlassen. Die Weltwirtschaft werde heuer um 2,7 Prozent zulegen, nächstes Jahr um 2,6 Prozent. Der Ausblick für die Eurozone bleibt negativ (minus 0,4 Prozent heuer, plus ein Prozent 2014).

 

Echter Aufschwung in den USA

Deutschland bleibt die Wachstumslokomotive der Eurozone: Die deutsche Wirtschaft soll heuer zwar nur um 0,5 Prozent anziehen, aber nächstes Jahr um 1,7 und 2014 um zwei Prozent. Die USA sind Europa in puncto Wachstum weit voraus, und der Vorsprung dürfte sich noch vergrößern. Schon heuer dürfte die größte Volkswirtschaft der Welt um 1,7 Prozent wachsen, nächstes Jahr um 2,9 Prozent und 2015 um bis zu 3,4 Prozent – sofern die Prognose hält.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 20.11.2013)