Vorschau. Insgesamt müssen sich die Anleger in der neuen Woche auf niedrige Börsenumsätze einstellen.
Frankfurt am Main/New York. Die Rekordjagd der internationalen Aktienbörsen ist nach Einschätzung von Börsianern noch lange nicht zu Ende. "Aus fundamentalen Gründen spricht momentan vieles für Aktien", schreiben die Analysten der Landesbank Berlin (LBB) in einem Kommentar. Fehlende Anlagealternativen, die zaghafte Konjunkturerholung wie auch attraktive Dividendenrenditen dürften Investoren weiter an die Börse locken.
Zudem setzen viele Anleger darauf, dass der Dezember seinem Ruf als guter Aktien-Monat auch dieses Jahr gerecht wird - niemand will eine "Weihnachts-Rally" verpassen.
Für einen vorübergehenden Dämpfer könnten allerdings neue Spekulationen um die Geldpolitik von Europäischer Zentralbank (EZB) und der Federal Reserve sorgen. Thema Nummer eins ist und bleibt der Zeitpunkt einer Straffung der US-Geldpolitik. Hier hat sich mehrheitlich die Ansicht durchgesetzt, dass die Fed wohl nicht mehr im Dezember, sondern erst im März ihre Anleihekäufe drosselt. In der alten Woche haben sowohl DAX als auch der US-Standardwerteindex Dow Jones nur geringfügig zugelegt. Dabei schloss der Dow Jones jedoch erstmalig über 16.000 Punkten und der S&P-500 über 1.800 Zählern.
Da die Fed die Drosselung ihrer Wertpapierkäufe im Volumen von derzeit 85 Milliarden Dollar monatlich an die Entwicklung der Konjunktur knüpft, warten Anleger gespannt auf Hinweise für die Aussichten für die weltgrößte Volkswirtschaft. Bei dem am Mittwoch anstehenden Oktober-Bericht über den Auftragseingang langlebiger Güter rechnen Analysten mit einem Rückgang von 1,5 Prozent. Die endgültigen Zahlen zum Verbrauchervertrauen der Uni Michigan im November dürften dagegen leicht anziehen.
In Europa stehen die Inflationsdaten, die am Freitag veröffentlicht werden sollen, im Mittelpunkt. Nach der überraschend geringen Teuerung im Oktober hatte die EZB den Leitzins auf rekordniedrige 0,25 Prozent gesenkt. Nun spekulierten Anleger über mögliche Strafzinsen auf Einlagen der Geschäftbanken bei der Notenbank, um die Kreditvergabe im Euro-Raum anzukurbeln. Mit 0,7 Prozent erreichte die Inflation im Oktober ihren Tiefpunkt. Im November sei sie voraussichtlich auf 0,8 Prozent gestiegen, sagt Commerzbank-Analyst Christoph Balz.
Börsendebüt Constantia Flexibles
Auf Unternehmensseite steht am Mittwoch das Börsendebüt von Constantia Flexibles auf der Agenda. Der Handel mit den Papieren des österreichischen Verpackungsherstellers soll zeitgleich in Frankfurt und Wien beginnen. Mit einem Volumen von bis zu 821 Mio. Euro wäre der Constantia-Börsengang der bisher zweitgrößte in Frankfurt in diesem Jahr - nach der Wohnimmobilienfirma LEG.
Insgesamt müssen sich die Anleger in der neuen Woche auf niedrige Börsenumsätze einstellen. Am Donnerstag bleibt die Wall Street wegen des US-Feiertags "Thanksgiving" geschlossen, am Freitag findet der Handel nur für wenige Stunden statt. Weil am "Black Friday" das Weihnachtsgeschäft eingeläutet wird, dürften an den US-Börsen unter anderem Einzelhandelswerte im Mittelpunkt stehen.
Der Dow-Jones-Index der Standardwerte schloss am Freitag 0,3 Prozent höher auf 16.064 Punkten. Der breiter gefasste S&P 500 stieg 0,5 Prozent auf 1804 Zähler. Der Index der Technologiebörse Nasdaq rückte 0,6 Prozent vor auf 3991 Punkte. In Frankfurt schloss der DAX 0,3 Prozent höher auf 9219 Punkten und legte auf Wochensicht damit 0,5 Prozent zu. Beim Dow belief sich das Plus auf 0,6 Prozent, beim S&P auf 0,4 und bei der Nasdaq auf 0,1 Prozent. Es war die siebente Woche in Folge, wo Dow und S&P Gewinne verzeichneten.
(apa/Reuters)