Japanische Pearl-Harbor-Kriegskarte wird versteigert

Brennende US-Schlachtschiffe in Pearl Harbor
Brennende US-Schlachtschiffe in Pearl HarborUS Navy
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Jene Karte, die im Dezember 1941 der Anführer der ersten japanischen Bomberwelle gegen die US-Pazifikflotte gemalt und seinem Kaiser präsentiert hatte, kommt demnächst bei Christie's in New York unter den Hammer.

Fast 72 Jahre nach dem Überfall auf die Hauptbasis der US-Pazifikflotte in Pearl Harbor (Hawaii) soll demnächst eine überaus historische Kriegskarte der japanischen Marineflieger versteigert werden. Die große, handgemalte Karte (Bild unten) zeigt die Verluste der amerikanischen Pazifikflotte und war etwa drei Wochen nach dem japanischen Angriff am 7. Dezember 1941 Japans Kaiser Hirohito persönlich vorgelegt worden.

Das Auktionshaus Christie's in New York erhofft sich für das Einzelstück 600.000 Dollar (etwa 440.000 Euro).

Mitsuo Fuchidas Karte vom Angriff auf  Pearl Harbor
Mitsuo Fuchidas Karte vom Angriff auf Pearl Harbor Christie's Images Ltd 2013

Kapitän zur See Mitsuo Fuchida (1902-76) hatte am Morgen des 7. Dezember 1941 die erste Angriffswelle von 183 Flugzeugen geführt und das legendäre Angriffssignal „Tora! Tora! Tora!" gefunkt. Danach erfolgte eine zweite Welle, insgesamt waren 353 Maschinen von sechs Flugzeugträgern aus im Einsatz.

Auf dem Kartendetail unten sieht man die Namen mehrerer Schiffe (etwa Maryland, Arizona), rote Linien sind die Bahnen von Torpedos, rote Punkte Bombentreffer, ein Kreuz heißt "versenkt".

Detail der Karte
Detail der KarteArchiv

Die US-Flotte wurde schwer angeschlagen und verlor unter anderem vier von acht Schlachtschiffen, drei Kreuzer und 188 Flugzeuge, rund 2400 Mann starben. Die Japaner verloren 29 Flugzeuge und fünf Mini-U-Boote.

"Tora! Tora! Tora!"

"Tora!" bedeutet, wenn man es als ein Wort auffasst, "Tiger". Allerdings war es anders gemeint, als Abfolge von jeweils zwei Wörtern, denn "To" war die Abkürzung von "totsugeki (angreifen), "Ra" jene für "raigeki", was "Blitz" oder "Torpedos" heisst.

Zurück in Japan hatte Fuchida die Karte gezeichnet und sie mit dem Titel „Vermutliche Verluste der Überwasserkampfschiffe beim Luftangriff auf Pearl Harbor" überschrieben. Später verfasste er mehrere Bücher über seine Kriegserlebnisse (er überlebte als einer von wenigen "Pearl-Harbor-Piloten" den Weltkrieg) und beschrieb dabei, wie er die Karte seinem Kaiser am 26. Dezember 1941 bei einem Briefing präsentiert hatte.

Mitsuo Fuchida als junger Hauptmann Mitte der 1930er
Mitsuo Fuchida als junger Hauptmann Mitte der 1930erPD-Japan

"Ich stand seiner Majestät direkt gegenüber, entfaltete das Papier vor ihm und gab ihm, während ich mit einem Finger auf die entsprechenden Orte auf dem Schlachtfeld wies, eine Punkt-um-Punkt-Beschreibung unserer Erfolge im Kampf gegen die feindlichen Schiffe."

Die bunte Karte misst etwa 80 mal 60 Zentimeter und trägt den auffälligen Vermerk "Streng geheim". Die Namen, Größen und Standorte der Schiffe sind ebenso sorgfältig verzeichnet wie die Anzahl der Bomben- und Topedotreffer. Später hatte Fuchida mit roter Tinte englische Übersetzungen dazugefügt.

Der Atombombe knapp entgangen

Im Laufe des Krieges führte Fuchida auch den großen Luftangriff auf die nordaustralische Stadt Darwin an (19. Februar 1942), dazu Luftschläge auf britische Ziele in Ceylon (Sri Lanka). Im Juni 1942 wurde er in der See/Luftschlacht von Midway (ein Atoll etwa auf zwei Drittel des Weges von Japan nach Hawaii) verwundet, die Schlacht ging für die Japaner schlimm aus, sie verloren alle vier eingesetzten Flugzeugträger, die USA einen.

Fuchida wurde danach im Hinterland als Stabsoffizier der Luftwaffe verwendet und entging im August 1945 dem Abwurf der US-Atombombe auf Hiroshima nur knapp: Stunden zuvor war er von Hiroshima ins kaiserliche Hauptquartier nach Tokio berufen worden und auch umgehend abgereist.

Von der Milde des Feindes überrascht

Nach dem Krieg stellte er, wie er später schrieb, zu seiner Überraschung fest, dass die Amerikaner ihre Gefangenen meist mit Milde behandelt hatten, was er seinem Ehrenkodex zufolge nicht erwartet hatte. Das sei ein "Erweckungserlebnis" gewesen, Fuchida trat einer christlichen evangelikalen Kirche bei. Er bereiste die USA und Europa, um von seinen Kriegserlebnissen zu erzählen, und starb 1976 nahe Osaka an Folgen einer Diabetes.

Seine demnächst zu versteigernde Karte wird von der "Malcolm S. Forbes Collection" angeboten, die sie ihrerseits aus dem Nachlass des US-Militärhistorikers Gordon Prange (1910-80) erworben hatte.

Filmfigur noch zu Lebzeiten

Unter dem Titel "Tora! Tora! Tora!" wurde der Angriff auf Pearl Harbor übrigens 1970 in den USA verfilmt. Mitsuo Fuchida wird dabei von Takahiro Tamura (1928-2006) dargestellt, einem berühmten japanischen Darsteller gerade in Samurai-Filmen (siehe Screenshot unten).

Screenshot aus dem Film
Screenshot aus dem Film "Tora! Tora! Tora!, Fuchida sitzt in der Mitte hinten.Richard Fleischer

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