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Komet Ison dürfte bei Sonnen-Annäherung verglüht sein

Der Komet Ison bei der Annäherung an die Sonne
Der Komet Ison bei der Annäherung an die SonneAPA/EPA/ESA/NASA/SOHO

Ob der Schweifstern Ison den für Donnerstag vorausberechneten Vorbeiflug an der Sonne überstanden hat, ist weiter unklar. Astronomen hatten ein Verglühen erwartet.

Der Adventskomet Ison hat offenbar seine Annäherung an die Sonne nicht überstanden. "Es scheint, als Ison seine Reise nicht überlebt habe", sagte der Kometenforscher Karl Battams vom Naval Research Laboratory am Donnerstag nach Auswertung von Weltraumbildern. Astronomen hatten allgemein erwartet, dass der Eis- und Gesteinsbrocken bei dem Flug nahe der Sonne verglühen würde.

Allerdings sind sich die Forscher dabei noch nicht einig: Ob der Schweifstern den für Donnerstag vorausberechneten Vorbeiflug an der Sonne überstanden hat, sei weiter unklar, sagte eine Sprecherin des Max-Planck-Institutes für Sonnensystemforschung im niedersächsischen Katlenburg-Lindau am Vormittag.

Am Donnerstagabend hatten die Forscher Signale von Ison empfangen und Bilder des Kometenschweifes aufgenommen. Ob es aber noch den ursprünglich aus Gestein und Eis bestehenden Kometenkern gibt, ist ungewiss. Er könnte auch zerbrochen oder verdampft sein.

Ist Ison ein "Ex-Komet"?

Phil Bait von dem Bad-Astronomy-Blog sagte, er habe den "starken Verdacht, dass Ison ein Ex-Komet sein könnte". Dean Pesnell vom NASA-Sonnenobservatorium Solar Dynamics Observatory (SDO) sagte: "Der Komet scheint verschwunden und sich in den letzten Stunden aufgelöst zu haben."

Weder das SDO, noch die gemeinsam von der NASA und der Europäischen Raumfahrtbehörde ESA betriebene Sonnensonde SOHO finde noch eine Spur des Kometen, obwohl sie "sehr gute Detektoren für Kometen" seien, sagte Pesnell. Die Kometenexpertin Carey Lisse von der John Hopkins Universität hatte den Komet zuvor mit einem "losen Schneeball" verglichen, der zu 30 oder 50 Prozent aus Wassereis bestehe. Zudem sei er mit 1,2 Kilometer Durchmesser eher klein.

Der Schweifstern hatte am Donnerstag gegen 19.30 MEZ den sonnennächsten Punkt seiner Bahn erreicht. Zu diesem Zeitpunkt betrug sein Abstand zum glühend heißen Zentralgestirn nur noch einen Sonnendurchmesser. Bei einer Entfernung von 1,17 Millionen Kilometern war er Temperaturen von 2.700 Grad Celsius ausgesetzt und verlor drei Millionen Tonnen pro Sekunde.r sogenannten Oort Wolke gelöst, einer Ansammlung von Gesteinsbrocken auf halber Strecke zwischen der Sonne und dem nächstgelegenen Stern. Battams betonte, es sei noch nie ein solcher Komet aus der Oort Wolke gesehen worden, der sich derart der Sonne nähere. Wenn sich Kometen auf ihrer Reise durchs All der Sonne nähern, bilden sie oft Gas- und Staubschweife aus, die stets von der Sonne wegweisen.