Turbulente Zeit für den Kranich

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Das erhoffte Aus für die Ticketsteuer in Deutschland hilft der Aktie. Doch leidet die Airline unter den Kosten des Sparkurses.

Wien. Lufthansa-Aktionäre mussten heuer schon viel Auf und Ab verkraften. In den vergangenen Wochen ging es aber nach oben. Auf Monatssicht ist die Aktie der größten deutschen Fluggesellschaft der vierterfolgreichste DAX-Wert. Zwei Faktoren kamen dem Aktienkurs dabei zugute: die Überlegungen von Union und SPD, die Flugticketsteuer abzuschaffen, und die Iran-Einigung, die den Ölpreis und damit den Kerosinpreis nach unten drückte.

Von seinen einstigen Hochs ist das Papier jedoch weit entfernt. Gegenüber dem Stand von 2000 ist die Aktie um 40 Prozent gefallen, gegenüber jenem aus dem Jahr 2007 um 30 Prozent. Hohe Kosten für das Sparprogramm Score (etwa für Abfindungszahlungen) und ein stagnierendes Frachtgeschäft drücken den Gewinn der AUA-Mutter nach unten.

Zuletzt sorgten immer neue Nachrichten für Verunsicherung. Zu Jahresbeginn etwa rief die Entscheidung, trotz Milliardengewinns keine Dividende für 2012 ausschütten zu wollen, Missstimmung bei den Aktionären hervor.

Setzt neuer Chef Sparkurs fort?

Im September drückte die Ankündigung von Konzernchef Christoph Franz, per Ende Mai 2014 aus dem Unternehmen scheiden und zum Pharmakonzern Roche wechseln zu wollen, auf die Aktie. Viele fragen sich, ob der neue Chef, der noch nicht fixiert ist, den Sparkurs mit der bisherigen Intensität fortsetzen wird. Auch der Gewinnrückgang in den ersten neun Monaten gefiel den Anlegern nicht.

Dennoch sind die meisten Analysten, was die Kranich-Aktie betrifft, positiv gestimmt. Laut Bloomberg-Daten raten 20 Experten zum Kauf. Die Credit Suisse erhofft sich etwa positive Effekte von einem Aus für die Ticketsteuer, der Commerzbank gefallen die soliden Drittquartalszahlen (obwohl man im Rückgang der Durchschnittserlöse je Passagierkilometer einen Schwachpunkt sieht), das Bankhaus Lampe hofft auf einen Ergebnisschub durch die Restrukturierung in den nächsten Jahren.

14 Analysten geben dem Papier die neutrale Empfehlung „Halten“ (teilweise wegen der Unsicherheit bezüglich des Sparkurses unter dem künftigen Chef), und drei raten zum Verkauf. Das Kursziel sehen sie bei 17 Euro, das liegt knapp über dem derzeitigen Kurs. (b.l.)

("Die Presse", Print-Ausgabe, 02.12.2013)

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