Klima:Wandel

Die Welt ist im fossilen Förderrausch

Die Steuerbefreiung für Kerosin ist oft im Visier der Umweltschützer. Doch sie ist durch internationale Abkommen gut geschützt.
Die Steuerbefreiung für Kerosin ist oft im Visier der Umweltschützer. Doch sie ist durch internationale Abkommen gut geschützt. Imago / Florian Gaertner
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Regierungen weltweit zahlten im Vorjahr mehr denn je, um Kohle, Öl und Gas künstlich zu verbilligen. Auch in Österreich ist es längst an der Zeit, daran etwas zu ändern.

Die Welt steuert auf ein weiteres Rekordjahr bei den Ausgaben für die Energiewende zu. 2022 steckten Investoren erstmals über eine Billion US-Dollar (930 Milliarden Euro) in den Bau neuer Wind-, Wasser- und Solarkraftwerke. Weniger dürfte es auch heuer nicht werden, erwarten Wirtschaftsforscher. Doch die Zahl verblasst angesichts der Summen, die Staaten rund um den Globus immer noch ausgeben, um den Verbrauch von Benzin, Diesel und Gas künstlich zu verbilligen. In Österreich hat sich die schwarz-grüne Koalition bei Amtsantritt vorgenommen, diese klimaschädlichen Subventionen abzubauen. Passiert ist bisher nichts.

Die jüngste Vermessung der globalen Förderrauschs für fossile Energie kommt vom Internationalen Währungsfonds (IWF). Die Autoren der jüngst veröffentlichten Studie berichten darin, dass die Länder 2022 den Käufern fossiler Energie mit mehr als sieben Billionen US-Dollar unter die Arme gegriffen haben. In Summe sind das 7,1 Prozent der weltweiten Wirtschaftsleistung und mehr als jemals zuvor. Mit der hohen Inflation ist der sprunghafte Anstieg nicht zu erklären, da der Währungsfonds die Summe in 2021er-Dollar ausweist. Der plötzliche Anstieg der Gaspreise nach dem Überfall Russlands auf die Ukraine trug hingegen deutlich zur Verdopplung der direkten Subventionen für fossile Energie bei.

Klimaschädliche Krisenhilfe

Österreich kommt nach den Berechnungen des IWF auf 7,4 Milliarden Dollar (6,9 Mrd. Euro) an klimaschädlichen Förderungen im Vorjahr. Auch das ist ein deutlicher Anstieg von den 4,1 bis 5,7 Milliarden Euro, die das Wifo für die vorangegangenen Jahre ermittelt hat. Doch auch die heimischen Experten wissen, dass die Energiekrise die fossilen Subventionen deutlich nach oben getrieben hat. Die Strompreisbremse, der Energiekostenzuschuss, die Verschiebung der CO2-Bepreisung. All das summiere sich bis 2026 auf zusätzliche 16,9 Milliarden Euro an klimaschädlichen Förderungen, zeigt eine aktuelle Berechnung des Wifo.

»Ohne fossile Förderungen wird die Energiewende billiger. «

Daniela Kletzan- Slamanig

Wifo-Ökonomin

Aber auch vor 2022 war vom schwarz-grünen Versprechen, diese kontraproduktiven Ausgaben zu senken, nicht sonderlich viel zu bemerken, sagt Wifo-Ökonomin Daniela Kletzan-Slamanig zur „Presse am Sonntag“. Dabei wäre der Schritt nicht nur aus ökologischen, sondern auch aus ökonomischen Gründen längst überfällig.

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