Telegramm - stopp

Ende 31.12.2005 - stopp - 160 Jahre alt geworden - stopp - hat sich selber überlebt - endlich - stopp.

"Es ist schon schade", hat eine Dame gesagt, als sie vom ORF interviewt worden ist. Schade um das gute alte Telegramm. Das wird es nämlich bald nicht mehr geben. Am 31. Dezember heißt es: stopp. Aber in Österreich kommt die Hochachtung halt meistens dann, wenn's dem Ende zugeht. So ist es auch nicht verwunderlich, dass die Telekom Austria zu Allerheiligen mit der traurigen Nachricht herausrückte. Dabei hat das Telegramm in Österreich ein stattliches Alter erlangt. 160 Jahre ist es alt geworden. Die Telekom Austria hat es in den letzten Jahren noch gehegt und gepflegt, obwohl jeder geahnt hatte: Das wird nichts mehr.

Jetzt kann man über den guten alten Samuel Morse sinnieren, über den Ursprung der modernen Kommunikation. Fest steht: Der "Fernbuchstabe" (tele = griech. fern, gramma = Buchstabe) ist zu Lebzeiten schon Geschichte. Irgendwann einmal, vor dem Weltkrieg - dem ersten, wohlgemerkt - haben die Österreicher pro Jahr 23 Millionen Telegramme verschickt. Heutzutage sind es nicht einmal 150.000. Da nützt es auch nichts, dass einst sogar politisch hochbrisante Botschaften per Telegramm verschickt wurden. Das letzte Österreich betreffende "Staats-Telegramm" wurde am 8. September 1989 vom Außenminister der DDR an seinen ungarischen Kollegen gesendet. Er protestierte darin gegen die Öffnung der Grenze nach Österreich.

Ein Wunder also, dass sich das Telegramm bis ins 21. Jahrhundert gehalten hat. Es wird keiner vermissen. Nur ab und zu werden wir daran denken. Wenn wir eine SMS auf unserem Handy erhalten haben. Die sonoren Pieptöne (€€€ -- €€€) sind nichts anderes als ein kurzes Morse-Telegramm: S M S.

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