Es wirft ein bezeichnendes Licht auf die USA, dass dort derzeit die Menschenrechtswidrigkeit von Folter nicht völlig unstrittig ist.
Das Foltern von Häftlingen verstößt gegen die Menschenrechte. Eine Selbstverständlichkeit in jedem Rechtsstaat, sollte man meinen; nichts, was in einer westlichen Demokratie eines eigenen Gesetzes bedarf. Nicht so in den USA. Dort sieht es der Senat als drängende Notwendigkeit an, festzuschreiben, dass Gefangene nicht "erniedrigend" behandelt werden dürfen. Der Skandal von Abu Ghraib und immer neue Meldungen über geheime Verhör-Zentren der CIA haben auch in Washingtons politischem Establishment Spuren hinterlassen.
Nur Präsident Bush lässt weiterhin keine Selbstzweifel aufkommen, sieht er sich doch als Kämpfer für eine gerechte Sache: Er will die westliche Welt vor dem internationalen Terror beschützen und dem Nahen Osten endlich Demokratie bringen - mit allen Mitteln, notfalls auch mit unmenschlichen Verhörmethoden.
Am Kampf gegen al-Qaida führt kein Weg vorbei, ebenso wenig wie an der Demokratisierung der arabischen Welt. Doch wie sollen die Iraker je verstehen, was ein Rechtsstaat ist, wenn sich dessen Verteidiger nicht um die Einhaltung einfachster Prinzipien scheren? Zweifellos wurde in Irak und Afghanistan während der Herrschaft Saddams und der Taliban weit mehr und grausamer gefoltert als jetzt von Pentagon-Spezialisten. Doch solche Regime dürfen nie ein Maßstab sein. Denn dann kommt man in Teufels Küche, so wie jetzt Bush und seine Krieger gegen den Terror.