Nach der Ukraine beginnt es nun auch in Zentralasien zu rumoren. Ein schlechtes Omen für Putins Träume von alter Größe.
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n Moskaus Machtzirkeln zittert man vor einem Gespenst. Lärmend spukt es durch die längst verfallenen Hallen des Großreiches, mal in georgischem Weiß-Rot, dann ganz in ukrainischem Orange. Das Gespenst, das dem Kreml so viel Angst bereitet, heißt Demokratie. Nach dem Kaukasus und der Ukraine wurde es nun auch in Zentralasien gesichtet. Und sein nächstes Opfer könnte das autoritäre Regime Kirgisiens sein.
Es hatte lange gedauert, bis sich Moskau vom Schock durch den Verlust des Sowjetimperiums erholt hatte, bis zur Präsidentschaft von Wladimir Putin. Der Kreml-Herr versucht, Russland in den heute unabhängigen Ex-Sowjetrepubliken wieder Einfluss zu verschaffen. Doch nun beginnen die mühsam zusammengetragenen Bausteine des ersehnten Neo-Reiches erneut zu wackeln.
Dass die Ukraine heute von einem Präsidenten regiert wird, der das Land so schnell wie möglich in Nato und EU führen will, ist für Putin ein schwerer Schlag. Ein Kippen Kirgisiens würde da gerade noch fehlen. Mit Argwohn beobachtet Moskau, wie sich die USA seit dem 11. September an Russlands Südflanke breit machen: mit Militärstützpunkten für den Einsatz in Afghanistan.
Einer davon liegt in Kirgisien - nur unweit einer russischen Basis, denn Kirgisiens Präsident Akajew hat bisher gute Geschäfte mit Moskau und Washington gemacht. Aber wie würde sich ein Nachfolger aus der Opposition verhalten? Würde der gar mehr Amerikaner drinnen und mehr Russen draußen haben wollen? Oder kommt vielleicht ein Islamist an die Macht und schickt beide weg?
Das große Spiel der Supermächte um Einfluss im strategisch wichtigen Zentralasien ist aber nur ein Grund für Moskaus nervöse Reaktion auf die Ereignisse in Kirgisien. Es gibt auch eine andere Ursache: Wenn nun an allen Ecken der ehemaligen Sowjetunion die Leute für mehr Demokratie auf die Straße gehen - wer weiß, vielleicht bringt das auch die Russen auf gewisse Ideen. (Bericht: S. 6)