Stanislav Gross will sich für seine Sozialdemokraten opfern. Doch die zieren sich.
Es ist der gute "Onkel Frantisek", der Tschechiens jüngstem Premier einen weiteren Rekord bescheren könnte: Regierungschef mit einer der kürzesten Amtszeiten. Es gebe keine dubiosen Gelder, sein Onkel habe ihm den Kauf der Luxuswohnung ermöglicht, hat Stanislav Gross stets beteuert. Das Dumme an der Geschichte: Niemand glaubt sie. Nun will der Sonnyboy seine Karriere als Premier beenden; sich opfern für seine Sozialdemokraten, damit sie an der Macht bleiben können. Allein: seine Partei ziert sich. Dass der Vorstand der Sozialdemokraten nach wenigen Stunden eine neue Regierungsvereinbarung wieder ablehnte, ist eine schallende Ohrfeige für den Premier.
Doch Gross' Opferbereitschaft ist ohnehin alles andere als selbstlos. Der 35-Jährige denkt in längeren Zeiträumen. Nach den Wahlen 2006 werden die Sozialdemokraten wohl in die Opposition verbannt werden. Mit einem Oppositionschef Gross, der darauf hofft, dass sich nach einigen Jahren niemand mehr an Onkel Frantisek erinnert.