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Punschstände: Champagner oder Aussicht?

Im Goldenen Quartier werden neben Punsch und Glühwein auch Champagner und Austern serviert.
Im Goldenen Quartier werden neben Punsch und Glühwein auch Champagner und Austern serviert.Die Presse
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Ob auf der Dachterrasse eines Hotels, bei Livemusik oder in noblem Ambiente– ganz Wien ist voll mit Punschständen. Eine kleine Typologie.

Blinkende Nikolausmützen, glasierte Snacks in klebrigen Handschuhen, der Duft von Punsch, Zimt und Maroni in der Luft. Jahr für Jahr übt diese Kombination die gleiche magische Anziehungskraft aus. Wo Nachfrage, da Angebot: Mittlerweile, so kommt es einem manchmal vor, schießen an jeder Ecke der Stadt weihnachtliche Stände aus dem Boden.

Ob traditionell mit hölzerner Weihnachtspyramide, exotisch oder alternativ – allein in Wien haben in den vergangenen Wochen 22 Märkte mit rund 1150 Ständen eröffnet. Hinzu kommen etwa 120 frei stehende Punschstände und mindestens noch einmal so viele auf Privatgrundstücken – beispielsweise von Pfarren oder Pfadfindergruppen.

Darüber hinaus gibt es auch in diesem Jahr wieder etliche sogenannte marktähnliche Veranstaltungen wie den Winter im MQ im Museumsquartier, den Wintermarkt auf dem Riesenradplatz oder den Mittelaltermarkt beim Heeresgeschichtlichen Museum, die ebenfalls auf privaten Grundstücken stattfinden. Insgesamt rechnen die Wiener Weihnachtsmärkte der Wirtschaftskammer zufolge in diesem Jahr mit acht Millionen Besuchern und einem Gesamtumsatz von 160 Millionen Euro.

Wiener geben bei jedem Besuch durchschnittlich 21 Euro aus, Besucher aus den Bundesländern sogar 35 Euro. Die meisten Gäste kommen wegen des Ambientes, um Freunde und Verwandte zu treffen oder um Punsch und Glühwein zu trinken. 96 Prozent der Österreicher sind mit dem Angebot an Märkten zufrieden. Die Wiener sind schon kritischer, hier sind es lediglich 90 Prozent.

Im Folgenden eine Auswahl an Ständen mit ihren Besonderheiten:

Wer seinen Punsch oder Glühwein über den Dächern Wiens trinken will, hat in diesem Jahr gleich zwei Möglichkeiten: den Weihnachtsmarkt beim Schloss Wilhelminenberg, der immer noch der höchstgelegene der Stadt ist, und die 170 Quadratmeter große Café-Bar-Bloom-Dachterrasse im neunten Stock des Designhotels Lamée im ersten Bezirk. Der Punschstand dort wurde Ende November erstmals aufgestellt und ist von montags bis samstags von 14 bis 21 Uhr geöffnet. Angeboten werden neben diversen Punschsorten und Bioglühwein auch Kartoffelpuffer und Lebkuchen.
Der wohl nobelste Punschstand der Stadt befindet sich im Goldenen Quartier, wo neben Punsch und heißer Schokolade auch Austern und Champagner von Meinl am Graben serviert werden. Geöffnet ist die Pop-up-Bar, die nach dem Erfolg der Fashion Night und Wine Sound City im überdachten Tuchlaubenhof (gegenüber von Cavalli) erneut aufgebaut wurde, bis 21. Dezember jeweils am Donnerstag, Freitag und Samstag von 15 bis 21 Uhr. Für die aufwendige Weihnachtsinstallation – auf einer 25 Meter langen Metallkonstruktion in sieben Metern Höhe kreisen 25 Christbäume – sind Andreas Bamesberger von der Zweigstelle und die Agentur Antrib+Hruby verantwortlich.

Der Punschstand mit dem gesündesten Angebot dürfte auf der Freyung gegenüber dem traditionellen Altwiener Christkindlmarkt zu finden sein. Dort wird ein neuer Bioadventmarkt abgehalten. Organisiert wird dieser von Biobauern, die bereits zuvor freitags und samstags ihre Waren verkaufen. In der Adventzeit bieten sie auch Weihnachtsgeschenke an, die man laut Organisatoren „im Alltag brauchen kann und die nicht nur für das Weihnachtsgeschäft herausgestampft wurden“. Sogar die Girlanden, mit denen die Hütten dekoriert werden, stammen von Biobäumen.

Punsch ohne Zucker bietet ein Stand vor dem Einkaufszentrum „The Mall“ in der Landstraße an. Dort werden die Getränke nur mit Obststücken (Apfel, Orange, Waldbeeren) gesüßt.

Wer auf dem Weihnachtsmarkt viel Livemusik wünscht, ist auf dem Riesenradplatz richtig. Das diesbezügliche Angebot des dortigen Wintermarkts, der bis 6. Jänner 2014 stattfindet, reicht von Gospel über Swing und Rock bis hin zu Soul. Die Konzerte finden bei freiem Eintritt jeweils von Donnerstag bis Samstag ab 19 Uhr statt – unter anderem treten Wolfman Gang, The Cosy Famous, Solidtube, Favorhythm Gospel Singers, Maalo und Free Men Singers auf.

Der größte Weihnachtsmarkt mit den meisten Punschständen ist nach wie vor jener auf dem Rathausplatz. An insgesamt 144 Hütten werden Waren wie Kerzen, Handwerkskunst, Dekoration, Süßwaren und natürlich auch Punsch und Glühwein angeboten. Es gibt fünf neue Stände. Dort werden Wiener Schneekugeln der Manufaktur Perzy, Schmuck, Schafmilchseifen, Porzellan oder Kunsthandwerk für den Alltagsgebrauch aus recycelten Elektro-Altgeräten verkauft.

Heuer bietet der Christkindlmarkt erstmals einen eigens kreierten Punsch an. Der „Original Weihnachtspunsch vom Christkindlmarkt“ ist an allen Gastroständen erhältlich – auch zum Mitnehmen in 0,75-Liter-Flaschen. Die detaillierte Rezeptur bleibt zwar geheim, sei aber „recht klassisch“ mit Rotwein, Orangen, Gewürzen und Rum. Sie hat sich bei einer Blindverkostung unter mehr als 20 Varianten durchgesetzt.

Der Weihnachtsbaum kommt aus der Steiermark, ist circa 100 Jahre alt und 30 Meter hoch. Festlichen Schmuck erhalten wie immer auch die Bäume im angrenzenden Rathauspark. Diese werden mit Schneemännern, Kugeln, Eicheln oder Herzen ausstaffiert. Heuer klettert sogar ein Tausendfüßler durch das Geäst.

Unter dem Christbaum befindet sich wieder die Himmelsbühne, die bei der Premiere im Vorjahr bei den Besuchern sehr gut ankam. Dort lesen von Montag bis Donnerstag um 18 Uhr Prominente wie Sacher-Chefin Elisabeth Gürtler, Schauspieler Erich Schleyer, Moderatorin Arabella Kiesbauer oder Snowboarder Benjamin Karl Weihnachtsgeschichten vor.

Die beliebtesten Stände bei den Wienern sind jene vor dem Schloss Schönbrunn und am Spittelberg. Das hat im vergangenen Jahr eine Umfrage der KMU Forschung Austria ergeben, die im Auftrag der Wiener Wirtschaftskammer durchgeführt wurde.

Der Weihnachtsmarkt vor dem Schloss Schönbrunn überzeugt natürlich nicht nur mit seinen zahlreichen Punschständen – dort können Besucher seit 23. November auch Christbaumschmuck oder Krippenfiguren kaufen. Kinder haben die Möglichkeit, in der Weihnachtswerkstatt Gestecke, Kerzen oder Holzschilder zu fertigen.

Auf der Bühne beim Weihnachtsbaum finden auch heuer wieder Konzerte statt. Anlässlich des 20-jährigen Jubiläums hat heuer das Designduo Polka das Punschhäferl gestaltet. Die Hütten schließen am 26. Dezember.

Vor den romantischen Biedermeierfassaden am Spittelberg reihen sich bis 23. Dezember die Punschstände. Im Sortiment haben die Standler darüber hinaus unter anderem Keramikwaren, Kunsthandwerk und Schmuck. Auch Kinderunterhaltung gibt es – beispielsweise zeigt das Puppentheater „Ein kleines Schaf am Spittelberg“.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 08.12.2013)