Let's make money: Biotech-Aktien

Traders are pictured at their desks in front of the DAX board at the Frankfurt stock exchange
Traders are pictured at their desks in front of the DAX board at the Frankfurt stock exchangeREUTERS
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Wovon Apple-Zulieferer jetzt profitieren und warum heiße Biotech-Aktien noch Gewinne versprechen.

Diese Woche hat es ja einmal richtig gefunkt: Ein steiler Absturz radierte die Gewinne der vorangegangenen zehn Handelstage in nicht einmal 48 Stunden wieder aus, bis am Freitag eine Gegenbewegung einsetzte. War das jetzt schon die allseits erwartete Korrektur? Sieht eher nicht so aus: Dazu war der Rückgang zu gering.

Die wichtigen Indizes, besonders der deutsche DAX, sind durch den „Kracher“ nur aus einem überhitzten Marktstatus in die Normalspur zurückgebracht worden. Da können sie noch ein bisschen weitersteigen.

Sicher ist das allerdings nicht. Die in den vergangenen Monaten immer wieder bestätigte Annahme, der Markt laufe so stabil nach oben, dass jeder Rücksetzer von Schnäppchenjägern sofort wieder zu massiven Käufen genutzt werde, scheint sich zumindest nicht mehr automatisch zu bestätigen. Vor allem aber hat man diese Woche wieder einmal gesehen: Abstürze in überhitzten Märkten erfolgen sehr schnell und sehr brutal.

Wer hier größere Verluste vermeiden will, muss den Markt sehr genau beobachten oder automatische Absturzbremsen (etwa selbsttätig auslösende Stopp-Loss-Marken) eingebaut haben.

Das wird die anstehende Korrektur um zehn bis 15 Prozent erträglicher machen. Das große Bild zeigt allerdings noch immer eine Vorherrschaft der „Bullen“ auf dem Feld. Man kann mit der Herde also noch ein bisschen mitlaufen. Kritisch wird es erst, wenn die US-Notenbank mit ihrem angekündigten „Tapering“ wirklich ernst macht.

Wo lässt sich bis dahin noch ein bisschen verdienen? Möglicherweise mit der Aktie des deutschen Halbleiterherstellers Dialog Semiconductor (ISIN GB0059822006). Die ist an dieser Stelle schon mehrfach empfohlen worden, aber zwischendurch immer wieder ein Opfer der zuletzt durchwachsenen Apple-Entwicklung geworden. Die Deutschen mit der britischen ISIN-Nummer sind ja Großlieferanten des amerikanischen Computerkonzerns.

Zuletzt hat das Papier aber wieder gedreht und ist erneut auf dem Weg nach oben. Am Freitag ging es sogar recht steil bergauf. An diesem Tag hat die Aktie eine „Add“-Empfehlung der Commerzbank mit dem Kursziel 16 Euro bekommen.

Der Grund dafür heißt wieder einmal Apple: Der iPhone-Hersteller ist bei seinen Verhandlungen mit der weltgrößten Mobilfunkgesellschaft, China Mobile, angeblich sehr weit gekommen. Der chinesische Provider hat 745 Mio. Kunden. Ein schöner neuer Markt für Apple – und dessen Zulieferer. Vom Biss in den Apfel könnte übrigens auch der österreichische Leiterplattenhersteller AT&S (ISIN AT0000969985) profitieren. Auch die Österreicher, deren Produktionsschwerpunkt freilich längst in Shanghai liegt und die nun auch noch in Chiongging ein Werk auf die Wiese gestellt haben, sind nämlich ebenfalls mit Apple ins Geschäft gekommen. Die RCB hat ihr Kursziel für AT&S jedenfalls von 7,4 auf 8,2 Euro angehoben, zuletzt notierte AT&S bei 7,2.

Allerdings empfehlen die Raiffeisen-Banker nur „hold“ – und das hat seine Gründe: Derzeit läuft das Werk Shanghai noch nicht mit Vollauslastung, und der Konzern hat Margenprobleme. Das könnte sich im kommenden Jahr aber ändern. Der Leiterplattenwert gehört also auf die Beobachtungsliste. Unterm Weihnachtsbaum muss die Aktie noch nicht notwendigerweise liegen.

Wer es gern spekulativ und kribbelig hat, der könnte sich einmal die Aktie des kleinen deutschen Biopharma-Unternehmens Paion (ISIN DE000A0B65S3) anschauen. Der Kurs der Aktie hat sich seit Oktober zwar annähernd verdreifacht, Analysten reden aber bereits von „Kursziel vier Euro“, was vom gegenwärtigen Kurs aus eine weitere Steigerung um 33 Prozent wäre. Paion hat kürzlich ein paar recht gute Nachrichten über Lizenzkooperationen und Markttests vorgelegt, was den Kurs stark beflügelt hat.

Allerdings: Biotech und kleines Unternehmen – das kann schon auch eine teuflische Mischung werden. Das Papier ist also eher nicht für Anleger geeignet, die den Markt nicht allzu genau verfolgen wollen und Volatilität nicht schätzen.

Interessant könnte nach einer scharfen Korrektur bald wieder der Biotech-Wert Evotec (ISIN DE0005664809) werden. Man muss sich aber ansehen, ob der jüngste kräftige Aufschwung tatsächlich schon die Trendwende ist.

josef.urschitz@diepresse.com

diepresse.com/money

("Die Presse", Print-Ausgabe, 08.12.2013)

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