Meinung: Warum Zahlen gegen Angst nicht helfen

Dem österreichischen Arbeitsmarkt geht es relativ gut. Mit solchen Argumenten lässt sich aber die Angst der Einzelnen nicht beseitigen.

E
s geht uns zum Glück noch immer besser als den Deutschen. Und den noch: Es geht uns immer schlechter. Stimmt das? Beides lässt sich durch Statistiken untermauern. Nehmen wir die Arbeitslosenzahlen: Am Sonntag freute sich Arbeitsminister Martin Bartenstein, dass es im Oktober um 46 Prozent weniger Langzeitarbeitslose gab als ein Jahr davor. Im europäischen Vergleich sei der Anteil der Langzeitarbeitslosen in Österreich gering. Das stimmt. Trotzdem muss man relativieren: Es gibt auch mehr Schulungen, und die unterbrechen die Phase der Arbeitslosigkeit. Andererseits: Die anderen Länder tricksen auch mit der Statistik.

Dass es uns immer schlechter geht, zeigen die allmonatlich verlautbarten Daten zur Arbeitslosigkeit ("schon wieder Rekordarbeitslosigkeit"). Doch auch das stimmt so nicht: Nicht nur die Arbeitslosigkeit, auch die Beschäftigung nimmt zu: Immer mehr Menschen (Ausländer, Frauen, Ältere) drängen auf den Arbeitsmarkt und erhöhen die Zahl der Beschäftigten, aber auch der Arbeitslosen. Das ist gut: In ein paar Jahren brauchen wir zusätzliche Arbeitskräfte.

Objektiv ist die Lage nicht so schlecht. Umfragen zeigen aber, dass die Angst vor Arbeitslosigkeit und Armut zunimmt. Sind die Leute dumm? Nein, sie haben Recht: Was nützt es, wenn man selbst nicht zu denen gehört, die gefragt sind? Wenn man dem Stress des lebenslangen Lernens nicht standhält? Die Angst, dass sich die Lage nur für die anderen verbessert, lässt sich durch erfreuliche Statistiken nicht beseitigen. (Bericht: S. 17)

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