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Obama: "Mandela war ein Gigant der Geschichte"

US-Präsident bei seiner Rede. Links: UN-Generalsekretär Moon
US-Präsident bei seiner Rede. Links: UN-Generalsekretär MoonREUTERS/Kai Pfaffenbach
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Zehntausende Menschen, darunter etwa 80 amtierende sowie ehemalige Staats- und Regierungschefs, kamen zur Trauerfeier für Nelson Mandela. Österreichs Vertreter verspätet sich und reist erst morgen an.

Die Welt nimmt Abschied von Südafrikas verstorbenem Präsidenten, der Anti-Apartheid-Legende Nelson Mandela. Tausende Menschen strömten schon Dienstagfrüh zum "Soccer City"-Stadion von Johannesburg, das von der Polizei großräumig abgesichert worden war. Sie ließen sich auch vom immer stärker werdenden Regen nicht abhalten, im Gegensatz zu einigen der 80 erwarteten amtierenden oder ehemaligen Staats- und Regierungschefs. Mandela war am vergangenen Donnerstag im Alter von 95 Jahren gestorben.

Für Aufsehen sorgte US-Präsident Barack Obama: Er schüttelte trotz aller politischen Differenzen die Hand des kubanischen Staatschefs Raul Castro. Castro lächelte, als Obama ihm am Weg zum Podium die Hand reichte.

Obama würdigte in seiner Rede den verstorbenen südafrikanischen Nationalhelden als "Giganten der Gerechtigkeit". Er verurteile jedoch vor Zuhörern wie dem chinesischen Vizepräsidenten Li Yuanchao und Zimbabwes Präsident Robert Mugabe die Führer jener Staaten, die sich zwar mit Mandelas Freiheitskampf solidarisch erklärten, aber "keinen Widerspruch aus ihrem eigenen Volk dulden".

Widerspruch aus dem eigenen Volk musste ausgerechnet Südafrikas Präsident Jacob Zuma erdulden: Er wurde auf dem Weg zum Podium ausgebuht.

"Mandela lächelt da oben"

Neben Obama waren auch die früheren US-Präsidenten George W. Bush, Bill Clinton und Jimmy Carter angereist. Der britische Premierminister David Cameron war ebenso gekommen wie Deutschlands Bundespräsident Joachim Gauck. Auch der iranische Staatschef Hassan Rohani hatte sich angesagt.

"Diese Demonstration der universellen Einheit spiegelt genau das wider, wofür Mandela gekämpft hat", sagte ein Sprecher der Mandela-Familie mit Blick auf die zehntausenden Trauergäste verschiedener Nationen und Rassen: "Ich bin sicher, dass Mandela da oben lächeln muss."

Österreich verspätet sich

"Die ganze Welt kommt nach Südafrika", sagte ein Sprecher des südafrikanischen Außenministeriums. Für Österreich gilt das aber erst mit Verzögerung.

Bundespräsident Heinz Fischer ließ sich unter anderem wegen der Koalitionsverhandlungen in Österreich entschuldigen, eine ähnliche Begründung lieferte am Dienstag auch Bundeskanzler Werner Faymann. Nationalratspräsidentin Barbara Prammer, Nr. 2 in der staatlichen Hierarchie, weilt beruflich in Kroatien, also fiel die Aufgabe Bundesratspräsident Reinahrdt Todt (SPÖ) zu. Doch der reist laut "Kurier" erst am Mittwoch nach Südafrika. Todt habe am Dienstag noch anderwärtige Verpflichtungen und müsse den marokkanischen Senatspräsidenten, Mohamed Cheikh Biadillah, in Wien empfangen, hieß es demnach aus seinem Büro.

Rohan: "Das ist schade und peinlich"

Albert Rohan, ehemaliger Generalsekretär im Außenministerium, sieht grundsätzlich kein Problem darin, dass Österreich nur den Bundesratspräsidenten entsendet, denn dieses Amt habe eine hohe protokollarische Funktion. Südafrika sei schließlich kein Nachbarland und gehöre nicht zum engsten Kreis befreundeter Länder, zitiert ihn das Ö1-Mittagsjournal: "Nur müsste er halt dort sein." Die verspätete Anreise sei "schade und peinlich".

Todt sagte am Dienstag, seine Abwesenheit beim Staatakt in Johannesburg tue ihm sehr leid. "Ich wäre viel lieber schon bei der Trauerfeier dabei gewesen", sagte er zur APA, er habe aber in Wien noch einen wichtigen Termin wahrnehmen müssen.

Präsidentschaftskanzlei verwundert

 

In der Präsidentschaftskanzlei in Wien versteht man jedenfalls die Aufregung um die Vertretung der Republik durch Bundesratspräsident Reinhard Todt bei den Trauerfeiern nicht. Auch in der Vergangenheit habe immer wieder der Bundesratsvorsitz Österreich vertreten, etwa bei der Beisetzung von Norwegens König Olav im Jahr 1991, sagte die Sprecherin Astrid Salmhofer der APA.

Unverständnis zeigte die Sprecherin von Bundespräsident Heinz Fischer auch über die Darstellung, niemand vertrete die Republik bei der offiziellen Trauerfeier am Dienstag - Österreich werde durch die Botschafterin Brigitte Öppinger-Walchshofer repräsentiert.

Häftlinge und Wärter gedenken im Stillen

Nach der voraussichtlich siebenstündigen Gedenkveranstaltung im 95.000-Menschen fassenden Fußballstadion von Johannesburg wird der Anti-Apartheid-Kämpfer in einem Gebäude in Pretoria aufgebahrt, wo er 1994 als erster Schwarzer den Eid für das Präsidentenamt leistete. Die Beerdigung ist für Sonntag in seiner Heimatstadt Qunu geplant.

Zu einem stillen Gedenken an Mandela haben sich am Dienstag ehemalige Mithäftlinge und Gefängnisaufseher vor der Gefängnisinsel Robben Island versammelt.

(APA/Reuters)