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Neue Gespräche zwischen Türkei und Armenien

Der türkische Außenminister Ahmet Davutoglu
Der türkische Außenminister Ahmet DavutogluAPA/EPA/OLIVIER HOSLET
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Der türkische Außenminister war in der armenischen Hauptstadt Jerewan. Erstmals nach vier Jahren fanden diplomatische Gespräche statt.

Das Fußballstadion hat eigentlich viel versprochen. Als der türkische Präsident Abdullah Gül 2008 in der armenischen Hauptstadt Jerewan zugegen war, war nicht sein Besuch des Fußballstadions von historischer Tragweite, sondern dass überhaupt ein türkischer Präsident Armenien besuchte. Die Beziehungen gelten traditionell als schwierig, die Fußball-Diplomatie, wie sie genannt wurde, sollte eine ernsthafte Annäherung ermöglichen. Die Schweiz vermittelte zwischen den beiden Ländern, vor vier Jahren aber wurden die bilateralen Beziehungen auf Eis gelegt.

Daher wurde der Besuch des türkischen Außenministers Ahmet Davutoglu in Jerewan am Donnerstag von türkischer und armenischer Seite aufmerksam verfolgt. Davutoglu besuchte einen Kongress der Schwarzmeer-Wirtschaftskooperation, deren Ausgang die Kommentatoren nicht so sehr interessiert hat, wie das Aufeinandertreffen Davutoglus mit seinem armenischen Pendant Edward Nalbandjan. Für Armenien stellt sich die Frage, ob die Türkei bereit ist, ihre Grenze zu öffnen - und die Türkei fragt sich, inwieweit Armenien rund um den Konflikt in Bergkarabach gesprächsbereit ist. Armenien und Aserbaidschan erheben den Anspruch auf diese Region an der Grenze zwischen den beiden Ländern, wobei armenische Truppen das Gebiet besetzt halten. Die Türkei stellt sich in der Bergkarabach-Frage hinter Aserbaidschan, das Land ist schließlich ihr wichtiger Energielieferant. Die Türkei macht die Aussöhnung beider Länder quasi zu einer Voraussetzung für ihre eigene Aussöhnung mit Armenien. So hat sie sich hinter verschlossenen Türen als Vermittler zwischen Aserbaidschan und Armenien angeboten. Armenien ist aber noch zurückhaltend.

Öffnung der Grenzen

Die Öffnung der Grenze Türkei-Armenien ist für das bisweilen isolierte Land am Kaukasus freilich wichtig. Sie würde einen wirtschaftlichen Aufschwung versprechen, auch für Kleinhändler, die ihre Waren in der Türkei kaufen, dafür aber lange Bürokratie- und Landwege zurücklegen müssen. Auffallend ist jedenfalls, dass die Fußball-Diplomatie keine Anerkennung des Genozids an den Armeniern während des Ersten Weltkriegs voraussetzt, wiewohl sie immer wieder dominierendes Thema ist. Die fehlende offizielle Anerkennung seitens der Türkei ist eine schmerzliche Wunde in Armenien. So fand auch am Donnerstag eine Demonstration in Jerewan gegen den Besuch Davutoglus und für die Aufarbeitung des Genozids statt. Nalbandjans Vize Shavarsh Kocharyan forderte indessen, dass Davutoglu das Genozid-Museum besuchen sollte. Die Absage von türkischer Seite kam prompt.

Regionalmacht Türkei

Bei seinem Treffen mit Nalbandjan wird Davutoglu wieder betonen, was er bereits im Vorfeld seines Besuches gesagt hat: Die Türkei werde viel Kraft investieren, um Frieden und Stabilität in die Region zu bringen. Bei seiner Rede während des Kongresses betonte der türkische Außenminister die Bedeutung der regionalen Zusammenschlüsse als Garant für Frieden und Wohlstand, sowohl rund um das Schwarze Meer, als auch mit den Ländern am Balkan. Vor allem am Schwarzen Meer werde das vorhandene Potenzial nicht ausgenutzt. Es ist davon auszugehen, dass sich die Türkei bei diesen regionalen Fusionen in einer leitenden Position sieht. Als eine Art Regionalmacht zwischen Europa und Asien.