Schnellauswahl

Mitterlehner übernimmt die Unis, Töchterle geht

(c) Die Presse (Clemens Fabry)
  • Drucken

Fusion. Das Wissenschaftsressort von Karlheinz Töchterle wurde abgeschafft und der Wirtschaft untergeordnet. Für die Unis dürften damit noch härtere Zeiten anbrechen.

Der Tiroler Landeschef Günther Platter stieg extra noch ins Flugzeug, um die Ablöse seines Landsmanns Karlheinz Töchterle als Uni-Minister abzuwenden. Die Sitzung des ÖVP-Parteivorstandes verzögerte er so zwar um eine Stunde. Kurz darauf war dennoch klar: Platters Mission war gescheitert. Mehr noch: Es ging nicht nur der Minister verloren, sondern gleich das ganze Ministerium.
Ein eigenständiges Wissenschaftsressort ist Geschichte. Die Hochschulagenden werden in den kommenden fünf Jahren beim Wirtschaftsressort liegen.

Es ist dies eine Variante, die alles andere als neu ist: Sie kursierte gleich nach der Wahl, als die Rede davon war, in Hinkunft zwei Ministerien einzusparen. Die Uni-Szene lief Sturm: Von einem „Ressortbasar“ war die Rede, von „Filetierung“ und von internationaler „Blamage“. Dass nun nicht einmal ein Ressort eingespart wird, sondern mit der Abschaffung des Wissenschaftsressorts bloß Platz für ein neues Ministerium für Familie und Jugend geschaffen wird (siehe Bericht unten), ist ein umso größerer Affront für die heimische Hochschulszene.

Enttäuschung bei Töchterle

Dem scheidenden Karlheinz Töchterle selbst war gestern abend die Enttäuschung ins Gesicht geschrieben. Er verstehe diese Entscheidung eigentlich nicht, sagte Töchterle im ORF mit unverkennbarer Verbitterung in der Stimme. Immerhin, so Töcherle, habe er als Spitzenkandidat bei der Tirolwahl das österreichweit beste Länderergebnis geholt. Und er sei in Meinungsumfragen bundesweit der Minister mit den besten Beliebtheitswerten gewesen. Paradoxerweise könnte gerade letzteres ein Mitgrund für seine Ablöse gewesen sein. Kolportiert wird, dass Töchterles allzu guter Ruf – der sich nicht zuletzt aus seiner Inszenierung als intellektueller Querdenker und demonstrativer „Nicht-Politiker“ speiste –, manchem ÖVP-Kollegen nicht gefallen haben dürfte.

Doch nicht nur das: Auch, wenn sich der bis zuletzt parteilose Töchterle zumindest in Hochschulbelangen nie groß von der Parteilinie entfernte, dürfte er intern bisweilen widersprochen haben. So habe der Quereinsteiger nicht nur einmal den von Spindelegger ins Zentrum gerückten „Leistungsbegriff“ als „zu kühl“ kritisiert. Dass er sich mit seinem unnachgiebigen Vorgehen in puncto Studiengebühren mehrmals auf verfassungsrechtlich ziemlich dünnes Eis begab, dürfte ihn dann nochmals Sympathien gekostet haben – auch öffentliche.

Weg frei für die Wirtschaft?

Für die Wissenschaft zuständig ist künftig Reinhold Mitterlehner. Was von dem Wirtschaftsbündler in Sachen Lehre und Forschung zu erwarten ist, ist dabei fraglich. Mit ihm an der Spitze des Ressorts dürften Wirtschaftsbund und Wirtschaftskammer mit ihren hochschulpolitischen Konzepten wohl stärker durchdringen als unter dem Altphilologen Töchterle. Ein Richtungswechsel dürfte schon jetzt klar sein: Mit dem Oberösterreicher ist künftig ein Minister für die Unis zuständig, der die umstrittene Linzer Medizinfakultät – eine Erfindung des oberösterreichischen Landeshauptmannes Josef Pühringer (ÖVP) – nicht in Frage stellen wird.

Dass die Wissenschaft einem anderen Ressort untergeordnet wird, war zuletzt unter Elisabeth Gehrer der Fall, die Schulen und Hochschulen gleichermaßen verantwortete. SPÖ-Minister Caspar Einem leitete zuvor ein Bundesministerium für Wissenschaft und Verkehr.

Wie es nun mit Töchterle weitergeht, ist unklar. Realistisch ist eine Rückkehr in den Wissenschaftsbetrieb, wo er als ehemaliger Rektor der Uni Innsbruck hoch angesehen ist. Der Weg in die Landespolitik ist verstellt. Mit seiner Performance als Spitzenkandidat war man in der Landespartei trotz Zugewinnen wenig zufrieden. Auch, dass der 64-Jährige – wie es einmal hieß – ins Rennen um die Bundespräsidentschaft geschickt werden könnte, dürfte damit wohl nicht aktuell sein.

("Die Presse", Printausgabe 13.12.13)