Im Kampf gegen illegale Drogen geht die Polizei nun sowohl gegen Kleindealer als auch gegen "größere Fische" vor. Mit Erfolg.
E
s ist ein ziemlich undankbarer Job: Drogenfahnder. Verfolgt man die kleinen Straßenhändler, heißt es, man solle lieber die "Großen", also die Drogenbarone, jagen. Abgesehen davon, dass diese eher in Kolumbien oder Afghanistan sitzen, hätten bei der Jagd auf die "Großen" wiederum die "Kleinen" freie Hand. Hinzu käme die immer drängendere Klage von Anrainern/Eltern/
Passanten über die wachsende "offene" Szene. Eine ebenso berechtigte Klage - zumal beispielsweise in Wien jüngere Menschen kaum durch den Stadtpark gehen können, ohne gefragt zu werden, ob sie "was" wollen. Haschisch gibt's gleich, Kokain dauert ein paar Minuten.
Nun bedient sich das Bundeskriminalamt einer Doppelstrategie: Man nimmt sowohl die "Kleinen" als auch die Verteiler-Strukturen (vom Mittelbau aufwärts) ins Visier. Das war nicht immer so. Zuletzt setzte man im Ballungsraum Wien auf die Taktik der tausend Nadelstiche. Da der Straßenhandel zu einem Gutteil in den Händen von afrikanischen Tätern liegt, nahmen Fahnder regelmäßig Asylwerber-Heime "auseinander".
Demnach sind die Anzeigen gegen die "Kleinen" (wegen Drogen-Vergehen) weiter gestiegen. Und es wurde mehr "Gift" denn je beschlagnahmt. Paradox mutet an, dass - trotz Doppelstrategie - die Zahl der angezeigten Verbrechen gesunken ist. Die Erklärung: Man konzentriert sich nun im Zuge oft monatelang dauernder Amtshandlungen auf das Zerschlagen von Organisationen; nach dem Motto: Wenn schon bei den Hintermännern zuschlagen, dann ordentlich.
Bilanz: Man hat zuletzt mehr Suchtgift gefunden, weil man intensiver gesucht hat. Man hat mehr Strafprozesse angebahnt, weil man mehr Leute angezeigt hat. Aber man wird nie wissen, ob die Drogenkriminalität in Österreich wirklich gestiegen ist. Mit dieser Unsicherheit behaftet bleibt der Job des Drogenfahnders auch in Zukunft ziemlich undankbar. (Berichte: Seite 13)