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Eliten? Wos brauch ma des! Aber an Ausreden fehlt es nicht

Von der neuen Regierung, unentschuldbaren Absenzen und der "Selbstverzwergung" der Republik Österreich.

Allem menschlichen Dafürhalten nach wird diese Koalitionsregierung die letzte sein. So schaut's aus, wie man in Wien zu sagen pflegt. Bei den nächsten Wahlen – wann sie sein werden, wissen wir nicht, ich will nicht auf 2018 wetten – wird Frankie, der Politclown, mit seiner Frauen- und Mannschaft aus dem Parlament verschwinden, die Neos werden bleiben und Strache wird – no, was wird er? Ende der Durchsage.

Seit ich mich erinnern kann, ist die Personalreserve der Regierungsparteien nie so schwach gewesen wie diesmal. Da muss man gar nicht erst an Bruno Kreisky oder Wolfgang Schüssel denken. Es fehlt der Republik heute an dem, was sie braucht, um in der politischen Arena zu reüssieren. Es fehlt an dem, wonach man in Deutschland und vor allem in Frankreich nicht lange suchen muss. Es fehlt an der politischen Elite. Nicht zuletzt, weil der Begriff disqualifiziert, ja verteufelt wurde. Eliten, wos brauch ma des? Sie bezeichnen, lese ich, „soziologisch eine Gruppierung (tatsächlich oder mutmaßlich) überdurchschnittlich qualifizierter Personen einer Gesellschaft“, also etwa Positionselite oder Bildungselite.

Es fehlt – schaut ringsumher – vor allem an Letzterer; Töchterle wird ja nicht mehr gebraucht. Und was die andere betrifft: No ja! Noch einmal: Schaut ringsumher! Schaut die neue Regierung an, besonders das ÖVP-Team. Aber auch die Regierung ist ein Spiegelbild des Volks, wie es sich ja gehören sollte. Sie wird vom Parlament sanktioniert, und dieses vertritt die Wähler. Warum denke ich da immer wieder an die Demokratie der alten Griechen, die den Begriff „hoi polloi“ geprägt hat? Die Vielen, die Masse. Nein, bitte nicht schlecht von ihr denken!


Gelegentlich fühlt sich auch der von mir ansonsten sehr geschätzte Bundespräsident als deren Vertreter und will seine politische Herkunft nicht verleugnen. Er verzichtete darauf, mit anderen Staatsoberhäuptern an der Trauerfeier für Nelson Mandela teilzunehmen, und fuhr lieber nach Lübeck, um die Gedenkrede für den vor hundert Jahren geborenen Genossen Willy Brandt zu halten. Es war ihm offenbar, wie man dann deutlich merken konnte, peinlich. Wetten, dass demnächst auch in Österreich ein Regierungsflugzeug angeschafft wird, dessen Fehlen Heinz Fischer beklagt hat?

Es blieb trotzdem so etwas wie eine internationale Blamage. Nicht zuletzt deswegen, weil die allfälligen Vertretungen – aber das ist bereits ausführlich kommentiert worden – ihr Fehlen in Südafrika mit Ausreden entschuldigten, die wir im Gymnasium als „windig“ bezeichnet hatten: mit einer Reise der Nationalratspräsidentin nach Kroatien etwa oder mit dem Besuch eines Marokkaners, der den Bundesratspräsidenten daran hinderte, rechtzeitig in Johannesburg zu sein. Da kommt mir Lk. 14, 16–22 in Erinnerung, das Lukasevangelium, das in einem Gleichnis von einem Festmahl berichtet – auch die Südafrikaner haben Mandela ja gefeiert, nicht nur getrauert.

Die Ausreden der nicht gekommenen Gäste lesen sich da topaktuell! Einer hat fünf Ochsen gekauft, der andere einen Acker, der Dritte einen Sohn verheiratet. Entschuldigungen bleiben eben über die Jahrtausende gleich. Aktuell ist aber auch leider die „Selbstverzwergung“ unseres Landes, das bereits mit dem Abzug seiner UN-Truppen vom Golan zeigte, was es von der Völkergemeinschaft hält.

In diesem Sinne: Prost 2014! Es kann nur besser werden.

Der Autor war langjähriger Chefredakteur und Herausgeber der „Presse“.
E-Mails an: thomas.chorherr@diepresse.com

 

("Die Presse", Print-Ausgabe, 16.12.2013)