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Sozialpolitik statt Euro-Rettung: Asmussen verlässt EZB

Jörg Asmussen mit dem deutschen Bundesbank-Chef Jens Weidmann
Jörg Asmussen mit dem deutschen Bundesbank-Chef Jens WeidmannImago
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Nach Jürgen Stark verlässt schon wieder ein Deutscher das Direktorium der Zentralbank: SPD-Mitglied Jörg Asmussen wird Staatssekretär. Er selbst erklärt den überraschenden Schritt mit "perönlichen Gründen". Daran wollen nicht alle glauben.

Bei der Besetzung der Staatssekretärsposten in der neuen deutschen Bundesregierung hat die SPD am Sonntag eine überraschende Personalie verkündet: EZB-Direktor Jörg Asmussen wird Staatssekretär von Andrea Nahles im Ministerium für Arbeit und Soziales. Der 47-Jährige ist SPD-Mitglied und hatte Anfang Jänner 2012 eine achtjährige Amtszeit als EZB-Direktoriumsmitglied angetreten. Davor war er drei Jahre lang Staatssekretär im Finanzministerium. SPD-Mitglied Asmussen hat persönliche Gründe für den Wechsel angeführt: Die Pendelei von Berlin, wo er mit Frau und zwei kleinen Kindern lebt, zum EZB-Sitz nach Frankfurt sei ihm zu viel geworden sei: "Es gibt keine anderen Gründe für diesen Schritt", so Asmussen.

Nur "persönliche Gründe" für den Schritt?

Freilich gibt es dennoch Spekulationen darüber: "Wirft schon wieder ein Deutscher bei der EZB das Handtuch, weil er gegen Italiener und Franzosen in der Chefetage nichts ausrichten konnte?", schreibt etwa die Nachrichtenagentur dpa. Asmussen hatte den Kurs von EZB-Chef Mario Draghi öffentlich zwar stets verteidigt. Asmussen ist allerdings auch mit dem deutschen Bundesbank-Präsident Jens Weidmann befreundet, der als Kritiker der lockeren Geldpolitik der Zentralbank gilt. Draghi dankte Asmussen allerdings für "enorme Hilfe" bei der Gestaltung der Geldpolitik. Die Würdigung ("Ich persönlich werde ihn vermissen.") fiel mit zwei Sätzen aber nicht besonders lang aus.

Vor zwei Jahren hatte es einen ähnlichen Paukenschlag gegeben. Jürgen Stark, damals EZB-Chefvolkswirt, schmiss hin, weil er die milliardenschwere Anleihe-Ankäufe von Krisenländern nicht mitverantworten wollte. Asmussen wurde als Nachfolger ins Rennen geschickt - von der Kanzlerin höchstpersönlich, aber vergeblich. Kanzlerin Angela Merkel konnte die Personalie nicht durchsetzen. Paris blockierte. Asmussen zog dann ins Direktorium der EZB ein, wo er als "Außenminister" durch die Euro-Länder tourte.

Merkel hat kurz nach der Bekanntgabe der Jobrochaden den Anspruch Deutschlands auf einen Sitz EZB-Präsidium betont: "Deutschland wird eine Nachbesetzung machen". Über den Nachfolger werde die neue Koalition entscheiden, dem Vorschlag müssen die anderen Euro-Länder zustimmen.

Bundesbank-Vizechefin als Nachfolge-Kandidatin

Am Montag wurde bereits heftig darüber spekuliert, dass eine Frau ins Direktorium einziehen könnte. Namen wie jender der Wirtschaftsweisen Claudia Buch oder die Chefin der Finanzaufsicht Bafin, Elke König, kursieren. Als aussichtsreiche Kandidatein gilt die Vizeschefin der Bundesbank, Sabine Lautenschläger. Finanzminister Wolfgang Schäuble sagte am Montag im Deutschlandfunk.

"Sie ist eine herausragende Vizepräsidentin der Bundesbank" und habe zudem "ganz große Erfahrungen" im Bereich Bankenaufsicht, in dem die EZB zusätzliche Aufgaben übernimmt. Sie mit der Asmussen-Nachfolge zu betrauen, wäre "sicherlich eine gute Überlegung".

(APA/dpa)