Laut EU-Sozialbericht sind Personen arm, die monatlich weniger als 1090 Euro netto zur Verfügung haben, kein Auto besitzen und nicht auf Urlaub fahren. Besonders betroffen: Alleinerzieher. Mit Grafik.
Rund 1,2 Millionen Österreicher, das sind knapp 14 Prozent der Wohnbevölkerung, waren im Jahr 2012 armutsgefährdet. So steht es im EU-Sozialbericht SILC, der am Dienstag von der Statistik Austria veröffentlicht wurde. Noch etwas größer (1,5 Mio.) wird die Zahl, wenn man die Zahl der sogenannten Ausgrenzungsgefährdeten hinzu zählt.
Als armutsgefährdet gelten laut Definition jene Haushalte, deren Nettohaushaltseinkommen weniger als 60 Prozent des Medians aller Einkommen liegt (unter Berücksichtigung der Haushaltsgröße; inkl. Kinder). Schwellenwert für die Gefährdung war in Österreich 2012 ein Betrag von 1.090 Euro pro Monat für Alleinlebende, plus 327 Monat pro Monat für jedes Kind unter 14 Jahren und 545 Euro für jeden zusätzlichen Erwachsenen.
Als armuts- oder ausgrenzungsgefährdet gilt ein Haushalt dann, wenn er von mindestens einer der drei definierten Gefährdungslagen betroffen ist. Zu diesen zählt laut der sogenannten Europa-2020-Definition neben der Armutsgefährdung die "erhebliche materielle Deprivation", wovon 4 Prozent oder 335.000 Personen betroffen waren. Darunter versteht man all jene Personen, die sich gewisse Ausgaben nicht leisten können, wie etwa jeden zweiten Tag Fleisch oder Fisch zu essen (22 Prozent der Gesamtbevölkerung), unterwartete Ausgaben zu tätigen (22 Prozent) oder Urlaub zu machen (20 Prozent).
Weiters fällt unter diese Kategorie, sich einen Pkw nicht leisten zu können oder Probleme mit rechtzeitiger Erledigung von Zahlungen zu haben (je 6 Prozent). Aber auch Heizen (3 Prozent), der Besitz eines TV-Gerätes (1 Prozent), eines Telefons oder einer Waschmaschine (unter 1 Prozent) fällt darunter. Treffen mindestens vier dieser Merkmale zu, so gilt der Haushalt als materiell depriviert.
Hochrisikogruppe Alleinerzieher
Als dritte Kategorie definiert die EU Personen in (nahezu) erwerbslosen Haushalten. Als solche gelten jene, die maximal 20 Prozent ihres Erwerbspotenzials ausschöpfen. 2012 fielen in diese Gruppe 490.000 Personen bzw. 7,6 Prozent. Fünf Prozent (411.000 Personen) waren von zwei oder mehr dieser drei Merkmale betroffen.
Besonders betroffen sind laut der Erhebung Personen in Ein-Eltern-Haushalten (39 Prozent armuts- oder ausgrenzungsgefährdet). Ebenso tragen auch allein lebende Frauen ohne Pensionsbezug ein erhöhtes Risiko, sowie Personen ohne österreichische Staatsbürgerschaft (je ein Drittel).
Im EU-Vergleich zeigt sich ein für Österreich positives Bild. 2012 waren laut der SILC-Erhebung innerhalb der EU 124,5 Mio. Menschen bzw. 24,8 Prozent der Bevölkerung von Armut oder sozialer Ausgrenzung bedroht. Mit jenen 18,5 Prozent liegt Österreich deutlich unter dem EU-Schnitt. Die niedrigste Quote für Armuts- oder Ausgrenzungsgefährdung weisen die Niederlande mit 15 Prozent und Tschechien mit 15,4 Prozent auf, die höchste Bulgarien (49,3 Prozent).